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Immobilienmaklerin Helga Jakobs spricht über die Eschweiler Innenstadt

Innenstadt und Immobilien, Teil 4 : „Die Eigentümer müssen ihre Verträge und Mieten anpassen“

Es gibt wenige Menschen, die die Entwicklung der Innenstadt so miterlebt haben wie Helga Jakobs. Seit mehr als 40 Jahren ist sie Immobilienmaklerin, und sie arbeitet noch, obwohl sie schon lange über das Rentenalter hinaus ist.

Nicht zuletzt ist das auch aufgrund der tatkräftigen Unterstützung ihrer Tochter möglich, die Kauffrau für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft ist.

Bundesweit war Helga Jakobs tätig, in NRW ist sie es noch – aber Eschweiler liegt ihr besonders am Herzen. An die 50 Objekte verwaltet das Immobilienbüro von Helga Jakobs in der Fußgängerzone. Deswegen weiß sie auch, welche Mittel ziehen, um die Einkaufsstraßen lebendig und attraktiv zu halten. „Die Eigentümer müssen ihre Mieten und Verträge den heutigen Gegebenheiten anpassen“, betont sie. „Sonst kann der Einzelhandel nicht mehr existieren.“

Das sagt sie nicht, weil sie es vermutet, sondern weil sie es bereits bei eigenen Verhandlungen erlebt hat. Ein großer Filialist ist Eschweiler nur erhalten geblieben, weil sie die Miete angepasst hat, erzählt Helga Jakobs. Das Gründungsmitglied und heutiger Vorstand des Citymanagementvereins ist das Gesicht des vierten Teils unserer Serie „Innenstadt und Immobilien“.

Es wird sich in den kommenden Monaten viel tun in der Fußgängerzone: In Neu- und Grabenstraße stehen demnächst aus ihrem Portfolio einige Läden zur Neuvermietung frei, sagt Helga Jakobs. Derzeit sind es insgesamt an die 20 Läden in Marien-, Englerth-, Neu- und Grabenstraße. Eine Planungssicherheit wie vor Jahrzehnten, als die Interessenten der größten Einkaufsstadt zwischen Aachen und Köln „Schlange standen“, gebe es nicht mehr.

Bundesweit war Helga Jakobs tätig, in NRW ist sie es noch – aber Eschweiler liegt ihr besonders am Herzen. Foto: ZVA/Carsten Rose

Auf der einen Seite sind es die Mieten und das veränderte Kaufverhalten, was dem Einzelhandel zu schaffen macht. Die Architektur ist es auf der anderen Seite. Viele Gebäude in den Einkaufsstraßen sind aus den Jahren 1900 bis 1920, was Helga Jakobs bedauert, weil nicht jedes Gebäude den heutigen Kriterien entsprechend für den Einzelhandel umgebaut werden könne. „Wo es möglich ist, ist schon sehr viel umgebaut worden, aber noch nicht alle Eigentümer haben ihre Objekte modernisiert“, sagt Jakobs. Viele der Häuser sind schmal, aber „auch das kann man umgestalten“ – mit auffälligen Frontseiten.

Das Projekt Grabenstraße 66/68, das eine 25-jährige Studentin aus Aachen mit dem Kauf und radikalen Umbau der beiden Häuser angestoßen hat, ist in den Augen von Helga Jakobs das Beste, was Eschweilers Innenstadt passieren konnte. „Das Konzept ist super, das sage ich neidlos.“ Sollte dort ein Restaurant mit ausreichend Sitzplätzen einziehen, wäre das eine gute Sache, findet Jakobs. Denn eine Gastronomie vor allem für den abendlichen Ausgang gebe es in der Einkaufsstraße nicht. Haken an der Sache: Parkplätze fehlen im näheren Umkreis, findet Jakobs. In ihren Augen würde auch ein Geschäft mit Bekleidung und Schuhen für junge Leute gut tun. 100 Quadratmeter wären dafür mindestens notwendig – und ein Filialist.

Die Immobilienmaklerin ist auch zufrieden damit, dass sie den „Minipreisladen“ von nördlich der Inde zurück in die Fußgängerzone geholt hat. Zwar sind diese Geschäfte im niedrigen Preissegment alles andere als die Lieblinge von Stadtplanern, die auf attraktive Marken und Geschäfte setzen, aber für Helga Jakobs ist dieses Geschäft nicht mehr wegzudenken. „Der Laden hat einen großen Zulauf, weil er Dinge des täglichen Gebrauchs für wenig Geld anbietet“, betont Jakobs. „Dafür wollen die Leute nicht extra aus der Fußgängerzone weggehen.“

Was sonst kann den Einkaufsstraßen in ihrer Entwicklung helfen? Überzeugt ist Helga Jakobs davon, dass ein valider Mietpreisspiegel – den wir im vorigen Serienteil thematisiert hatten – ein Vorteil ist, um die Stadt vor allem für auswärtige Gewerbetreibende interessanter zu machen. Und dann wäre da noch die Öffnung der Neustraße für den motorisierten Verkehr. „Ich stehe komplett zu der Idee einer Einbahnstraßenregelung“, betont Helga Jakobs. Sieben Parkplätze könnte man mindestens schaffen. Und wenn man schon dabei ist, könnte man auch einen Teil der Englerthstraße für den Verkehr öffnen, findet Jakobs.

Teil 1:  59 Prozent der Immobilien in den Einkaufsstraßen gehören Eschweilern

Teil 2: Aachener Studentin baut zwei Häuser in Eschweiler um