Eschweilerin läuft erneut Kölner Megamarsch: „Im Ziel fühlt man sich wie auf Wolke Sieben“

Eschweilerin läuft erneut Kölner Megamarsch : „Im Ziel fühlt man sich wie auf Wolke Sieben“

Marita Reiche nimmt im kommenden Jahr zum viertel Mal beim Megamarsch in Köln teil. Dort geht sie 100 Kilometer in 24 Stunden. Was als Ausprobieren der eigenen Grenzen begonnen hat, ist mittlerweile eine Aktion für den guten Zweck.

100 Kilometer in 24 Stunden: Was für Normalsterbliche unmöglich klingt, ist Marita Reiche schon dreimal gelungen. Die 63-jährige Eschweilerin ist leidenschaftliche Ausdauersportlerin und liebt es, ihre Grenzen auszutesten. Nach der ersten Teilnahme am Megamarsch hat sie sich geschworen, sich diese Qual nie wieder anzutun. Doch im kommenden Jahr nimmt sie zum vierten Mal teil. Denn mittlerweile geht es nicht mehr nur um eigene Grenzen, sondern auch um die Hilfe für kranke Kinder. Im Interview mit Caroline Niehus spricht Marita Reiche über sportliche Ambition, ihre Vorbereitung und ihre Zukunftspläne.

Frau Reiche, warum tut man sich das an, 100 Kilometer in 24 Stunden zurückzulegen?

Marita Reiche: Es ging mir vor ein paar Jahren gesundheitlich nicht so gut, deshalb habe ich wieder mehr Sport getrieben. Sport hat mich mein Leben lang immer unterstützt. Irgendwann habe ich vom Megamarsch gehört. 100 Kilometer, 24 Stunden. Was für eine bekloppte Idee, habe ich gedacht. Deshalb hatte ich es eigentlich direkt wieder aus meinem Kopf verbannt. Aber ich war doch so angefixt davon, dass mich der Gedanke daran nicht mehr losgelassen hat. 2017 habe ich mich das erste Mal anmeldet. Ganz allein und ohne Plan, kurz vor meinem 60. Geburtstag.

Haben Sie es geschafft?

Reiche: Natürlich bin ich mit unsagbar vielen Blasen an den Füßen, total übermüdet und fertig im Ziel von meinem Mann in Empfang genommen worden und habe mir fest vorgenommen, so etwas nie wieder zu tun. Zwischen Kilometer 40 und 60 hatte ich meinen Tiefpunkt, ich habe auch immer wieder andere Teilnehmer gesehen, die aufgegeben haben. Aber ich kann mich sehr gut motivieren, und ab der Hälfte kann man ja schon anfangen, die verbleibenden Kilometer rückwärts zu zählen. Nach knapp 23 Stunden hatte ich es tatsächlich geschafft.

Was war es für ein Gefühl, im Ziel anzukommen?

Reiche: Das war Adrenalin pur, der Einmarsch im Ziel ist wirklich Wahnsinn. Es laufen die Bilder der Nacht vor einem ab, was man in den vergangenen Stunden erlebt hat. Im Ziel fühlt man sich wie auf Wolke Sieben, ich war glücklich und stolz. Aber ich muss auch zugeben, dass ich den Gedanken hatte, dass ich das nie wieder mache.

Aber es kam doch anders. Mittlerweile haben Sie drei Megamärsche erfolgreich absolviert. Wieso?

Reiche: Unzählige Freunde haben mich auf diese verrückte Aktion angesprochen. Dann kam die Idee, das ganze doch noch einmal zu tun, diesmal aber für einen guten Zweck. Es war gerade die Zeit, in der ich ein gesundes Enkelchen bekommen habe. Also musste es für Kinder sein, bin ich doch eine glückliche und stolze Oma. Ich möchte denen, die es schwerer haben zumindest ein wenig Gutes tun. Für die Spendenaktion habe ich den „Förderkreis krebskranke Kinder“ in Aachen ausgesucht.

Was haben Sie bei den beiden Malen anders gemacht?

Reiche: Ich habe mein Training etwas umgestellt, da ich ja bereits erfahren war. Im Rahmen meiner Vorbereitungen habe ich die Alpen zu Fuß überquert und auch sonst jede Möglichkeit zum Wandern genutzt. Ganz allein war ich 2018 auch nicht mehr, denn an allen Verpflegungsstationen konnte ich mich auf Alexandra Esser, meinen guten Geist, mit warmem Kaffee, guter Laune, einer Motivationsspritze und vor allem Verbandsmaterial im Gepäck verlassen. 2019 dann bin ich mit meiner langjährigen Freundin Golnaz Manhouri zusammen gegangen. Sie hat in Eschweiler eine eigene Zahnarztpraxis und hat die Herausforderung für den guten Zweck angenommen.

Beim ersten Mal haben Sie knapp 23 Stunden gebraucht. Hat man bei so einem Marsch noch zeitliche Ambitionen oder will man nur heile im Ziel ankommen?

Reiche: Beim ersten Mal wollte ich wirklich nur im Ziel ankommen und es überhaupt in den 24 Stunden schaffen. Aber beim zweiten mal hatte ich schon den Ehrgeiz, die Zeit zu unterbieten. Das habe ich auch geschafft. Dieses Jahr haben meine Freundin Golnaz und ich uns gegenseitig motiviert und es tatsächlich in gut 20 Stunden geschafft.

Wie bereiten Sie sich auf diese Herausforderung vor?

Reiche: Ich versuche das ganze Jahr über, meine Kondition zu erhalten. Dafür fahre ich viel Fahrrad, laufe und trainiere im Fitnessstudio. Am Freitag sind wir aus dem ersten Trainingslager für 2020 in Pfronten im Allgäu wiedergekommen. Fünf bis sechs Einheiten absolviere ich schon pro Woche, auch sonst erledige ich vieles in meinem Alltag zu Fuß. 14 Tage vor dem Marsch gehe ich 50 Kilometer als letzte Vorbereitung, aber in den Tagen direkt vorher mache ich gar nichts mehr.

Gibt es eine sportliche Ambition, die Sie für die Zukunft noch haben?

Reiche: Ultraläufe mit etwa 170 Kilometern finde ich sehr faszinierend, aber das ist in meinem Alter nicht mehr drin. Irgendwann wird es krankhaft und für die Gesundheit gefährlich. Da ich meinen Körper gut einschätzen kann, verzichte ich darauf. Was ich mit meinem Mann gerne noch machen würde, ist eine weitere Alpenüberquerung. Wandern wird immer meine Leidenschaft bleiben.

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