Gedenkstein für tiefsten Punkt: Im Tagebau Inden geht‘s nach oben

Gedenkstein für tiefsten Punkt : Im Tagebau Inden geht‘s nach oben

Für Bergleute ist es ein besonderer Moment, wenn der tiefste Punkt einer Förderstätte erreicht wird. Am Mittwoch wollte im Tagebau Inden jedoch so recht keine Feierstimmung aufkommen, zu schwer wiegen die Ereignisse wenige Kilometer weiter am Tagebau Hambach.

Da war es Balsam auf die Seele der RWE-Mitarbeiter, als der Geschäftsführer der Indeland-GmbH, Jens Bröker, davon sprach, dass die Arbeit in den Energieunternehmen derzeit zu wenig gewürdigt werde. „Die Region und die Menschen sind davon überzeugt, dass die Landschaftsgestaltung mit einem See hervorragende Perspektiven öffnen“, sagte Bröker.

Fünf Tonnen schwerer Findling

Was sich am tiefsten Punkt dieses Sees befinden wird, steht seit Mittwoch fest: ein fünf Tonnen schwerer Findling, in dem sich eine Zeitkapsel mit einem Stück Kohle und einem Schreiben mit den Unterschriften aller Tagebaumitarbeiter und der Gäste befindet. Mitte dieses Jahrhunderts soll er irgendwann in 180 Meter Wassertiefe zu finden sein.

Bis zum Jahr 2030 soll im Tagebau Inden jedoch weiter Kohle für das Kraftwerk Weisweiler gefördert werden. Schon jetzt werden die ersten Böschungen für den zukünftigen See angelegt. In Schophoven ist der Hang schon zu erkennen, auch Inden und Merken werden sich irgendwann unmittelbar am See befinden. „Da werden Grundstücke in bester Hanglage am Wasser entstehen“, meinte Tagebauleiter Dr. Andreas Wagner.

Symbolischer Akt: Tagebauleiter Dr. Andreas Wagner steckt die Zeitkapsel in den Findling, der die Koordinaten des tiefsten Punktes trägt. Foto: Patrick Nowicki

Zumindest im Tagebau Inden geht es nun wieder aufwärts. 200,65 Meter unter Tagebauoberkante befindet sich der tiefste Punkt. Der Findling wird einige Meter verschoben, ehe der Seegrund aufgeschüttet ist. Wenn die Braunkohleförderung plangemäß in zwölf Jahren endet, endet in der Region eine Ära: Vor etwa 200 Jahren wurde zum ersten Braunkohle gefördert. Der Tagebau Inden wird etwa 50 Jahre erreichen. „Zwölf Jahre sind in der Bergbauplanung morgen früh“, meinte RWE-Power-Vorstandsmitglied Dr. Lars Kulik am Mittwoch vor den zahlreichen Gästen bei der offiziellen Feier im Tagebau.

Er machte deutlich, dass man die drei Tagebaue planmäßig weiter betreiben wolle. „Wenn man sich die Entwicklung der Energiewende und den Braunkohlegahrplan anschaut, dann ist beides in Deckung“, sagte er. Eine sichere Energieversorgung sei nicht mit Symbolpolitik zu erreichen.

Mit dem Ende des Kraftwerks Weisweiler im Jahr 2030 reduziere RWE den Kohlendioxidausstoß um bis zu 50 Prozent im Vergleich zum Jahr 2015. Er erntete lauten Applaus von den zahlreichen Mitarbeitern des Tagebaus. Kulik verknüpfte seine Worte mit dem Versprechen: „Wir werden eine hervorragend kultivierte Fläche hinterlassen und beteiligen uns so aktiv an den Strukturwandel.“

Es war dem Tagebauleiter Wagner vorenthalten, die Zeitkapsel in den Findling zu stecken. Einbetoniert wird sie dort noch nicht. Das soll dann geschehen, wenn der Stein an seinen Bestimmungsort gesetzt wird. Er wurde von Geistlichen aus Inden eingesegnet: vom evangelischen Pfarrer Daniel Thor Müller und seinem katholischen Pendant Dr. Dominik Heringer. Zu den Gästen zählte am Mittwoch auch der Leiter der Gemeinschaft der Gemeinden Heilig Geist Jülich, Josef Wolff.

Jeder konnte sich am Mittwoch in eine Liste eintragen, die in die Zeitkapsel gesteckt wird. Foto: Patrick Nowicki

Das Schild auf dem Grundstein trägt den Titel „Auf gutem Grund — ich.see.zukunft“, also den Slogan der Indeland GmbH. Dieser Zusammenschluss der Kommunen am Tagebau Inden soll den Strukturwandel aktiv mitgestalten. Am Ende soll der sogenannte „Indesche Ozean“ mit 1160 Hektar Grö0ße entstehen, der damit für einige Jahre zum größten See Nordrhein-Westfalen wird, ehe er von den geplanten Restseen der Tagebaue Garzweiler und Hambach abgelöst wird.

Seit 1981 ist der Tagebau Inden ununterbrochen in Betrieb. Er war zuvor einige Jahre ungenutzt, weil die im Tagebau Zukunft-West geförderte Braunkohle zum Betrieb des Kraftwerks Weisweiler ausreichte. An der Stelle ist heute der Blausteinsee zu finden. In den 80er Jahren wechselten die meisten Großgeräte von dort in den Tagebau Inden. Als letztes der Absetzer 754 vor 25 Jahren.

Zehn Orte mussten dem Tagebau Inden im Laufe der Jahre weichen. Das Kirchspiel Lohn erinnerte in diesem Sommer an die Umsiedlung vor fünf Jahrzehnten. Bis 2030 werden insgesamt 510 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert worden sein.

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