Kinder besuchen Senioren: „Ich wünschte, Du wärest meine Oma!“

Kinder besuchen Senioren : „Ich wünschte, Du wärest meine Oma!“

Seit elf Jahren verbindet sie eine innige Freundschaft. Wenn die Grundschüler der Offenen Ganztagsschule Kinzweiler die Senioren im Haus Regina besuchen, ist Frohsinn und Heiterkeit angesagt.

Wenn der Besuch der Kinder aus der Offenen Ganztagsschule Kinzweiler ansteht, dann wissen die Bewohner, die ihren Lebensabend im Haus Regina in Kinzweiler verbringen: „Heute ist wieder ein ganz besonderer und lebendiger Tag“, meinen die Seniorinnen Anneliese, Marlene, Annegret, Sofia und Karin unisono. Die „Kinzweiler Gang“ – so wird die Frauenrunde liebevoll von der Joanna Szulinska, Leiterin des Sozialen Dienstes, genannt – hat wie auch viele andere Bewohner schon frühzeitig im gemütlichen Wintergarten der Senioreneinrichtung An der Fahrt Platz genommen. Gleich ist es soweit. Dann schallt fröhliches Kinderlachen durchs Haus. Erwartungsfroh schauen sie immer wieder zum Eingang. „Wann kommen die Kinder denn endlich?“

Und dann endlich. Die Tür geht auf, und die Mädchen und Jungen strömen mit einem mit einem fröhlichen „Hallo“ auf den Lippen in den Saal und strahlen mindestens genauso wie die Omas und Opas, die sich auf einen schönen Nachmittag freuen.

Die Kinder bringen Abwechslung in den manchmal doch eintönigen Alltag der älteren Generation. „Sie lassen Erinnerungen aufkommen. Es ist dann nochmal so wie früher, als wir noch die eigene Familie, Kinder und Enkel um uns herum hatten“, beschreibt Karin Rüland ihre Glücksgefühle, und die anderen Damen am Tisch nicken eifrig und zustimmend. „Ja, die Kinder sind immer so herzerfrischend und frei“, meint Marlene Becker und betrachtet dabei zwei Bilder, die ihr zwei Schülerinnen geschenkt haben. „Eines der Mädchen hat mich dabei ganz lieb gedrückt und gesagt: ,Ich wünschte, Du wärest meine Oma!` „ Ein schöneres Kompliment kann man dann doch gar nicht bekommen. Das tut so gut“, ist die 86-Jährige gerührt und wischt sich verstohlen eine Träne aus den Augen .

Seit elf Jahren besteht nun schon die Freundschaft zwischen den Bewohnern des Hauses Regina und den Grundschulkindern. Die Idee, Jung und Alt zusammenzubringen, hatte damals Claudia van den Kieboom. Früher war es normal, dass drei Generationen unter einem Dach lebten, und die Omas und Opas die Enkel den ganzen Tag um sich herum hatten. Leider haben sich die Generationen unterschiedlich entwickelt. Nur in ganz seltenen Fällen lebt die Oma oder der Opa noch mit im Haus. Die OGS-Betreuerin möchte mit den Besuchen ihrer quirligen Truppe etwas Nostalgie aufkommen lassen. „Beide, die Alten sowie die Jungen, profitieren von den regelmäßigen Treffen, die Sensibilität füreinander wird gefördert. „Wir möchten Berührungsängste abbauen und den Kindern zeigen, dass man respektvoll miteinander umgehen muss“, erklärt van den Kieboom.

Von Berührungsängsten ist an diesem Nachmittag nichts zu spüren. Es ist ein fröhliches Miteinander. Es wird gesungen, gebastelt, gemalt, Gedichte werden aufgesagt und es wird viel gelacht. „An diesen Nachmittagen vergesse ich immer alle Sorgen. Die Zeit dann wie im Flug. Ich bin immer ganz traurig, wenn die Kinder wieder gehen“, bedauert eine Heimbewohnerin, und damit spricht sie wohl allen Bewohnern aus dem Herzen. Auch die Kleinen freuen sich auf den nächsten Besuch. Doch vorher verteilen sie noch kleine Schokoladen-Weihnachtsmänner an die Omas und Opas, bevor sie den Saal verlassen. „Bis nächstes Jahr“, rufen sie im Chor, „und fröhliche Weihnachten allerseits!“

Mehr von Aachener Nachrichten