Eschweiler: „Hope Theatre Nairobi“ verbreitet Lebensfreude gegen Ungerechtigkeit

Eschweiler : „Hope Theatre Nairobi“ verbreitet Lebensfreude gegen Ungerechtigkeit

Fairness? Hat wohl was mit Gerechtigkeit zu tun. Im Sport wird großer Wert darauf gelegt! Aber im weltweiten Umgang aller Menschen untereinander? Ist es nicht positiv, wenn hierzulande Lebensmittel wie Tee, Kaffee oder Schokolade so billig als möglich angeboten werden? Für den egoistisch denkenden oder kurzsichtig handelnden Konsumenten vor Ort vielleicht.

Doch wie sieht es eigentlich mit den Menschen aus, die diese Produkte in häufig weit entfernten Ländern anbauen und herstellen? Erhalten diese für ihre Waren einen Preis oder Lohn, der es ihnen ermöglicht, ein menschenwürdiges Leben zu führen? Sollte der weltweite Handel, vom dem auch und gerade Deutschland als exportorientierter Wirtschaftsgigant außerordentlich profitiert, nicht unter „fairen“, also gerechten, Bedingungen vonstatten gehen? Fragen, die rhetorisch sein sollten, es aber definitiv nicht sind! Ein gewisses Umdenken findet statt. Aber (zu) langsam und keinesfalls sicher.

Starke Botschaften des „Hope Thetre“: „Männer regieren die Welt, aber Frauen verändern sie!“. Foto: Andreas Röchter

Immerhin entstehen seit Beginn der 1990er Jahre immer wieder Initiativen, die „fair trade“ in den Mittelpunkt ihres Handelns stellen. Am Montag war nun das „Hope Theatre Nairobi“ in der Bischöflichen Liebfrauenschule, die seit rund viereinhalb Jahren den Titel einer „Fairtrade School“ trägt, zu Gast. Vor den Schülerinnen und Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufen zeigten, vielmehr zelebrierten die Darsteller die Revue „The Fairtrade Play“. Tanz und Akrobatik spiegelten dabei voller Enthusiasmus die sprichwörtliche afrikanische Lebensfreude wieder, deren Funken auf die Liebfrauenschüler übersprang. Doch ernste Worte und Themen kamen während der knapp 80-minütigen Aufführung keinesfalls zu kurz.

„Weiße Männer bestimmen die Regeln dieser Welt.“ Mit diesem lapidaren Satz, der schlicht und ergreifend eine Tatsache beschreibt, setzten die Darsteller des „Hope Theatre Nairobi“ ein erstes Ausrufezeichen. Weitere sollten folgen: „Wie werden wir in Europa genannt? Schwarze. Farbige. Afrikaner. Die Freunde von einem anderen Kontinent. Doch wenn wir Länder in Europa besuchen, werden wir nicht selten als grundsätzlich Kriminelle behandelt“, so die bittere Erkenntnis, der sich zunächst die Frage anschloss, ob nicht alle Menschen gleich seien, bevor die Forderung folgte: „Länder, die Kakaobohnen produzieren, sollten auch Schokolade verkaufen dürfen.“

Generell müsse die Entwicklung dahin gehen, dass die afrikanischen Staaten von den Europäern in Zukunft als Partner angesehen werden. Afrika sollte nicht länger ein „ökonomischer Spielplatz“ der Industriestaaten sein, so die Schauspieler und Schauspielerinnen aus dem ostafrikanischen Land, das übrigens momentan mehr Flüchtlinge beherbergt als Deutschland.

Die Möglichkeit, die Ungerechtigkeiten dieser Welt ein klein wenig zu verringern, habe jeder Mensch. „Woher kommt etwas, wohin geht etwas? Jeder, der sich darüber Gedanken macht und sein persönliches Verhalten dementsprechend anpasst, führt Veränderungen herbei. Tun dies viele Menschen, kann sich viel verändern“, so der Wunsch der Darstellerinnen und Darsteller, die mit ihren Tänzen und akrobatischen Einlagen Afrika auf die Bühne der Aula der Bischöflichen Liebfrauenschule zauberten und die Schülerinnen und Schüler erfolgreich zum gemeinsamen Tanz aufforderten.

Das Repertoire des sozial-politischen Ensembles geht dabei weit über den „fairen Handel“ hinaus. Das Spektrum reicht von den Bereichen Flucht und Flüchtlinge über Wasser und Klima bis hin zur Gleichberechtigung von Frau und Mann. Ein Thema, dass sowohl in Kenia als auch in Deutschland noch lange nicht ausdiskutiert ist und vom „Hope Theatre“ szenisch dargestellt wurde.

„Männer regieren die Welt, aber Frauen verändern sie!“, so ein vielbeklatschtes (Zwischen-)Fazit, dem sich nach der Aufführung ein Gespräch zwischen den Protagonisten des „Hope Theatre Nairobi“ auf der einen und den Schülerinnen und Schülern des „Eine-Welt-Arbeitskreises“ mit den Lehrerinnen Birgit Herkenhoff-Portik und Rita Weiskorn auf der anderen Seite anschloss.

Die Bilanz: Fairtrade wirkt zwar, doch noch sind zahlreiche weitere Schritte zu tun. Und die Reichen müssen lernen, zu teilen. Zum Wohle aller.

(ran)
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