Raiffeisen-Bank reagiert auf defizitäres Geschäft: Hol- und Bringservice ersetzt Bankfiliale in Röhe

Raiffeisen-Bank reagiert auf defizitäres Geschäft : Hol- und Bringservice ersetzt Bankfiliale in Röhe

Die Raiffeisen-Bank Eschweiler wird ihre Filiale in Röhe an der Aachener Straße zum 5. Dezember dieses Jahres schließen und ein Pilotprojekt starten.

Die Bank wird nach Angaben der Vorstände Sven Rehfisch und Bernd Schendzielorz als Ersatz zwei oder drei Kleinfahrzeuge anschaffen, um den dortigen Kunden, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, einen „Hol- und Bringservice“ anzubieten. „In der Region gibt es keine Bank, die das macht“, betont Schendzielorz. „Wir gehen einen völlig neuen Weg. Es ist ein Experiment.“

Die Raiffeisen-Bank betreibt in Eschweiler sieben Filialen. Die in Röhe wird geschlossen, weil es nach Aussagen von Sven Rehfisch nicht möglich gewesen sei, sie kostendeckend zu betreiben. „In Röhe sind die Kundenzahlen und die Volumina zurückgegangen, während auf der anderen Seite die Kosten zum Beispiel für Sicherheitstechnik steigen.“ Ungefähr 700 Kundenkonten seien noch in Röhe registriert.

Gründe für den Kundenrückgang seien zum Beispiel das veränderte Kundenverhalten generell (Verlagerung ins Internet; Kunden im Alter von 45 Jahren und jünger gingen kaum noch in Filialen) und ein Angebot der Supermärkte: Oft ist es heute möglich, beim Bezahlen der Ware gleichzeitig Geld „abzuheben“, indem man mehr zahlt als auf der Rechnung steht und diesen Betrag bar ausgezahlt bekommt. Derweil agiert die Bank in einem „schwierigen Umfeld“, weil Zinserträge zurückgingen und für eine vergleichsweise kleine Bank dieselben Anforderungen gelten wie für größere.

Die Aufgabe der Röher Filiale, die im Juli beschlossen worden ist, führt aber nicht zu Entlassungen. Die beiden Angestellten wechseln in die Filiale in Kinzweiler und werden von dort ihre bisherigen Kunden betreuen. „Es ist wichtig, dass langjährige Kunden die bekannten Gesichter im Service behalten“, sagt Vorstand Bernd Schendzielorz. Die beiden Mitarbeiterinnen werden auch die besagten Kleinfahrzeuge nutzen können, um ihre Kunden auf Nachfrage zu besuchen. Die Bank ist schon auf der Suche nach kleinen E-Autos, die dafür bereit gestellt würden. Wann diese geliefert werden, sei noch unklar, aber zum 5. Dezember startet der Hol- und Bringservice definitiv auch mit herkömmlichen Kleinwagen.

Für die Entscheidung der Bank habe auch die Geografie eine Rolle gespielt, weil die Hauptstelle an der Franzstraße in zumutbarer Reichweite der Röher Kunden sei, genauso wie die Geldausgabe am Realmarkt an der Auerbachstraße. „Dass wir uns auf der Fläche zurückziehen, stimmt in diesem Zusammenhang nicht. Wir sind weit davon entfernt, in einem größeren Umkreis nicht erreichbar zu sein“, betont Sven Rehfisch.

Mittelfristig werde die Bank in der Hauptstelle, wo der Großteil der 63 Mitarbeiter beschäftigt ist, in den Kundenservice investieren, diesen professionalisieren und die Servicezeiten verlängern.

(cro)
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