Heiße und kühle Plätze in Eschweiler

358 Grad Temperaturunterschied : Heiße und kühle Plätze in Eschweiler

Die Wettervorhersage: Am Freitag wird voraussichtlich nur ein bisschen geschwitzt, aber am Wochenende wieder ein gutes bisschen mehr. Wir haben uns gefragt: Wo sind eigentlich die heißen und kalten Orte in der Stadt? Wir sind fündig geworden – unter anderem im Pizzaofen und im Gefrierschrank. Achtung: Nicht alle Orte eignen sich als Ausflugsziel am Wochenende. Aber einige.

Ganz klarer Spitzenreiter in Sachen heiße Angelegenheiten ist der Pizzaofen. 341 Grad sind es dort, kurz bevor die Pizza fertig gebacken ist – zum Dahinschmelzen. „Pizza geht auch im Sommer“, sagt Petra Kadourah, die Inhaberin der Pizzeria L’Espresso in Eschweiler.

Und sie sagt das nicht, weil sie selbst so gern Pizza isst, sondern weil auch die Kundschaft selbst bei hohen Temperaturen gern das italienische Nationalgericht bestellt. „Sogar Überbackenes, also richtig heiße Gerichte, und das bei 37 Grad“, sagt sie, lacht und wundert sich ein bisschen. Die Pizzabäcker wechseln sich in den heißen Zeiten öfter ab – denn auch, wenn es außerhalb des Ofens im Restaurant nicht ganz 341 Grad misst, ordentlich warm ist es hinter der Theke so oder so.

Plötzlich Sommer

Dass Forchione Antonio die plötzlich sommerlichen Temperaturen bemerkt, ist nicht sehr überraschend. Im Eiscafé Capri produziert er derzeit kiloweise Eiscreme. Dass er ausgerechnet in der Hochsaison wenig lagert und das meiste nach Bedarf macht, ist aber schon ein wenig überraschend. Die Gefrierschränke mögen die warmen Temperaturen nicht. Nur einer kühlt die süßen Speisen gerade mit der erforderlichen Temperatur – Minus 17 Grad zeigt er an. Dort, sagt Antonio, lagert er die Standard-Sorten, Vanille, Schoko, Stracciatella. Der Rest wird eben nach Bedarf gemacht.

So wie das Nuss-Nougat-Creme-Eis: Fünf Liter Sahne und Milch werden auf Minus zehn Grad gekühlt, dann kommt die Creme dazu. Macht fünf Kilo, also ein Behälter in der Auslage. In der ist es dann wiederum Minus 17 Grad, also so viel wie im Aufbewahrungsschrank. 60 bis 100 Kilo Eis kann Antonio in einer Stunde produzieren, und er tut das auch, wenn gerade Hochsaison ist. Ist das nicht ein bisschen stressig? „Schon, anstrengend ist es, aber ich freue mich natürlich auch“, sagt er.

So viel vorab: Die beiden, Pizza-Ofen und Tiefkühlfach, halten den Rekord für den heißesten und kühlsten Ort. Direkt nach dem Pizzaofen kommt die Sauna. Ja, richtig gelesen, auch im Sommer besteht durchaus die Gelegenheit, ausgedehnt saunieren zu gehen. Und das ist, vorausgesetzt, man leidet nicht an Herzproblemen oder sonstigen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, nämlich gar keine so schlechte Idee. „Die Hitze trainiert den Körper“, sagt Marco Schoeppers vom Fitnesscenter Cadillac.

Wo lässt es sich in Eschweiler gut aushalten bei warmen Temperaturen? Und wo ist es noch viel wärmer als draußen an der frischen Luft? Foto: Grafik

Also regelmäßig so richtig gezielt schwitzen, um insgesamt dann weniger zu schwitzen? Genau das, sagt Schoeppers. „Der Körper gewöhnt sich daran und schwitzt dann auch im Sommer generell weniger.“ Zumal die Hitze in der Sauna vor Ort eine ganz andere sei als die von draußen. „Keine Luftfeuchtigkeit, sehr trocken, keine nasse Tropen-Hitze“, sagt er. Mit 90 Grad ist es aber auch noch ein ganz klein wenig wärmer als draußen in der Stadt.

Erster Rekord fürs Freibad

Ein einigermaßen klassisches Ziel ist das Freibad Dürwiß bei Temperaturen wie diesen, wie sie gerade vorherrschen. Fehlen darf es in dieser Aufzählung trotzdem oder gerade deswegen nicht. Der Besucherrekord 2019 ist am Mittwoch dieser Woche aufgestellt worden: 3173 Menschen wollten sich ein bisschen Abkühlung im Freibad verpassen.

Seit Anfang Mai ist geöffnet – der war allerdings eher kühl. „Bei der Eröffnung saßen wir hier noch mit Schal“, sagt Beate Staab, Angestellte beim Freibad, und lacht. Die Zeiten sind vorbei: Am besagten Mittwoch waren rund 600 Besucher mehr im Freibad als im gesamten Mai. Ein zusätzlicher Kollege an den Kassen arbeitet in der Hochsaison mit, damit die Schlange und zugleich die Frustration der Abkühlungswilligen nicht bis ins Unermessliche wachsen.

Bislang habe man in Eschweiler aber keine wirklichen Warte-Probleme, wie zum Beispiel im Aachener Hangeweiher, sagt Staab. Am Donnerstagnachmittag betrug die Wassertemperatur bei der Live-Messung exakt 27,2 Grad. Im Aufsichtshäuschen, in dem Staab und ihre Kollegen leicht erhöht den Überblick übers ganze Freibadgelände haben, sah es ähnlich aus: 28 Grad. Was als Wassertemperatur als durchaus abkühlend empfunden wird, wird vollständig bekleidet an der Luft schnell unangenehm und drückend.

Mitten in der Stadt in der Neustraße standen am Mittwochmittag 27 Grad auf dem Thermometer – in der prallen Sonne gar nicht mal so angenehm. Immer beliebt bei Hunden und kleinen Kindern: Die kleinen Wasserfontänen, die ein bisschen Abkühlung versprechen.

Ganz gut aushalten ließ es sich dagegen im Stadtwald. Ein Fleckchen Sonne gab’s zwar hier und da, aber deutlich mehr schattige Plätzchen. Dazu ein leichtes Lüftchen – allein die subjektive Wahrnehmung und das angenehme Nicht-Schwitzen deuten darauf hin, dass hier ein kühles Plätzchen ist. Das Thermometer sagt: 23,5 Grad. Es stimmt also.

Aber: „Die Strahlung kommt zwar nicht so schnell rein in den Wald. Umgedreht geht die warme Luft aber auch nicht so schnell wieder weg“, sagt Hedwig Assenmacher vom Grünflächenamt. Heißt also: Wenn’s warm ist, schnell im Wald die Kühle suchen, bevor die Hitze durch die Blätterdächer kommt.

In der Auflistung ist zwar keine Schule dabei, das heißt aber nicht, dass Schulen nicht gemeinhin auch durchaus warme Orte sein können. Konkreter: In den vergangenen Tagen tauchte vermehrt die Frage nach der Hitzefrei-Regelung auf. Also – wann und für wen gibt es Hitzefrei?

Pech für die großen Schüler

In der entsprechenden Vorschrift heißt es: „Wird der Unterricht bei heißem Wetter durch hohe Temperaturen in den Schulräumen beeinträchtigt, entscheidet die Schulleiterin oder der Schulleiter, ob Schülerinnen und Schülern Hitzefrei gegeben wird.“

27 Grad Raumtemperatur wird dabei als Anhaltspunkt genommen, und unter 25 Grad ist an Hitzefrei gar nicht zu denken. Grundschüler sowie Fünft-und Sechstklässler dürfen nur mit Erlaubnis der Eltern früher nach Hause geschickt werden. Oberstufenschüler übrigens gar nicht: Für sie ist kein Hitzefrei vorgesehen. Zum Glück ist bald Wochenende und die Hitze in der Schule dann vorübergehend kein Thema.