Eschweiler/Stolberg: Handball: Fusion ist in Eschweiler kein Thema, Stolberger mit Derby-Vorfreude

Eschweiler/Stolberg : Handball: Fusion ist in Eschweiler kein Thema, Stolberger mit Derby-Vorfreude

Größer, attraktiver, schlagkräftiger. Das Ziel: „Wir wollen der beste Handballclub in der Region sein.“ Die beiden Würselener Handballclubs TV und Westwacht Weiden haben sich gerade erst auf eine Fusion ab nächster Saison geeinigt, da hatten sich die Verantwortlichen des neuen HC Weiden bereits viel vorgenommen. Doch wie finden das die Vereine in Eschweiler und Stolberg?

„Wir sehen eher das Positive als die Nachteile“, sagt Ekkehard Meurers, Vorsitzender der Handballer des Stolberger SV. „Wir werden unsere Vorgehensweise dadurch in keiner Art und Weise ändern.“ Von Angst oder Neid ist keine Spur: „Im Gegenteil: Es freut mich, was da auf die Beine gestellt wird. Wenn man mal ehrlich ist, ist das ganze auch längst überfällig gewesen. Es ist der naheliegende Schritt. Vorher war es aus meiner Sicht nur ein Luxusproblem, zwei Oberliga-Teams im Dorf zu haben.“

„Immer für Gespräche mit der ESG offen“: Geschäftsführer Stephan Zippel vom TFB Röhe.

In Eschweiler sieht man das ganze ebenfalls gelassen. „Wir bei der Eschweiler SG kochen eher unser eigenes Süppchen“, sagt ESG-Vorstand Michael Weber. Sich demnächst mit dem HC Weiden messen zu wollen, sei gar nicht seine Absicht. Das habe einerseits mit der Ligazugehörigkeit — Eschweiler spielt zur Zeit in der Kreisliga — andererseits mit der Vereinsphilosophie zu tun.

Sieht der neuen Saison mit einem starken HC Weiden positiv entgegen: Ekkehard Meurers, Vorsitzender des Stolberger SV Handball.

„Wir haben ein etwas anderes Einzugsgebiet für Spieler. Außerdem versuchen wir unsere Männerteams mit eigenen Jugendspielern aufzufüllen.“ Das sei auch das große Ziel in der Zukunft, sagt Weber. „Und am besten in die Landesliga aufzusteigen und uns dort zu etablieren.“ Viel höher soll es aber gar nicht gehen. „Es macht keinen großen Unterschied, ob man in der Ober-, Verbands- oder Landesliga spielt. Die Fahrten zu den Auswärtsspielen sind etwa gleich, und mehr Zuschauer kommen auch nicht.“ Zudem sei er auch jetzt schon mit den Besucherzahlen zu den Heimspielen sehr zufrieden.

Eine momentan geschlossene Baustelle gibt es im Eschweiler Handball allerdings schon. Immer noch gibt es mit der ESG und dem TFB Röhe zwei Vereine, deren Spielstätten nur wenige Gehminuten voneinander entfernt sind.

Auch wenn bereits mehrfach Gespräche für eine Fusion stattgefunden haben, bleiben die Fronten verhärtet. „Zwar seien Fusionen der Lauf der Zeit, auch mit Blick auf die anderen Handballgebiete“, sagt Weber, „aber wenn, dann müssten auch beide Vereine von einer Zusammenarbeit profitieren.“ Das sehe er in diesem Fall allerdings nicht. „Das finde ich sehr schade“, sagt TFB-Geschäftsführer Stephan Zippel. „Ich wäre schließlich immer offen für solche Gespräche.“ Die letzten „Sondierungsgespräche“ gab es laut Zippel zur Saison 2013/14 — seitdem herrscht Funkstille über dieses Thema zwischen den beiden Clubs. Von möglichen Auswirkungen durch die Gründung des HC Weiden fühlt sich aber auch Zippel nicht bedroht: „Jeder hat es nun selbst in der Hand. Diejenigen, die Bedenken haben, haben nur Angst vor zu starker Konkurrenz.“

Im Ligabetrieb werden wohl weder Eschweiler noch Röhe mit dem HC Weiden in nächster Zeit aufeinandertreffen. Stolberg wird voraussichtlich in der Verbandsliga auf die Weidener Zweitvertretung treffen. Beim Thema Konkurrenz sind sich Meurers und Weber aber nicht einig: Weber fürchtet, dass es für den Handball der Region schädlich sein könnte. „Weniger Vereine bedeuten, dass auch der Konkurrenzkampf im Kreis nachlässt“, sagt er. Meurers hingegen freut sich schon auf die neue Saison mit den Weidenern. „Wir werden mit BTB Aachen, Birkesdorf und dem HC eine spannende Oberligasaison in unserem Kreis sehen“, ist er sich sicher. „Das wertet unsere Region auf.“

Bis zu zehn Derbys

Auch in der Verbandsliga, in die der SSV als momentaner Tabellenführer der Landesliga aufsteigen wird, wird es mehr lokale Duelle geben. Stand jetzt wird nämlich auch BTB Aachen II dort in der kommenden Spielzeit unterwegs sein. Das heißt: Bis zu fünf Teams aus dem Handballkreis Aachen/Düren werden aufeinandertreffen. „Je mehr Derbys in der Liga, desto besser für uns“, sagt Meurers. „Denn wenn der Lokalcharakter vorhanden ist, bekommen wir deutlich mehr Zuschauer und können uns so besser vermarkten.“

Die größten Sorgen der Vereinsarbeit liegen nämlich nicht in Weiden, sondern vor der eigenen Tür. Stichwort: Sponsoren. „Es ist sehr mühselig, Partner zu finden“, sagt Meurers. „Dafür stehen wir immer noch zu sehr im Schatten des Fußballs.“ Mit dem Problem sind aber nicht nur die Handballer konfrontiert. „Wir arbeiten auch eng mit den Wasserballern zusammen, die die gleichen Sorgen haben.“ Ein Verein lebe schließlich zu 50 Prozent von den Mitgliedsbeiträgen und zu 50 Prozent von Sponsoren.

Ein zentraler Aspekt, auf den sich alle drei Vereine noch stärker fokussieren wollen, ist die Jugendarbeit. Die müsse noch besser funktionieren als jetzt schon — damit eben nicht das Worst-Case-Szenario eintrifft und alle Talente zum HC Weiden abwandern.

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