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Kleine Aktionen: Händler versuchen Weihnachtsgeschäft anzukurbeln

Kleine Aktionen : Händler versuchen Weihnachtsgeschäft anzukurbeln

Es ist ein schmaler Grat in Zeiten der Corona-Krise: Einzelhändler wollen möglichst viel verkaufen, aber auch nicht zu viele Menschen auf einmal in die Innenstädte locken. Beim Weihnachtsgeschäft verstärkt sich diese Kluft. Wie gehen die Händler damit um?

In etwas mehr als einem Monat ist Heiligabend, kommende Woche steht schon der erste Advent an. Normalerweise beginnt jetzt für Einzelhändler die heiße Phase des Weihnachtsgeschäfts. Viele Menschen strömen in die Innenstädte, um in großen Massen noch größere Geschenke zu besorgen. Doch in diesem Jahr ist nichts normal. Das Coronavirus macht sowohl den Schenkenden als auch den Geschäftsleuten einen Strich durch die Rechnung. Das ist der krönende Abschluss eines sowieso für viele miserabel verlaufenen Jahres.

Wie also gehen die Händler mit der Weihnachtszeit um? Es ist ein schmaler Grat zwischen Sonderaktionen, die mehr Menschen in die Läden bringen sollen, und der immer noch gebotenen Vorsicht in der Corona-Krise. „Wir wollen keine Massen in die Stadt holen, aber schon weihnachtliche, besinnliche Stimmung schaffen“, formuliert Bettina Thelen das Ziel. Die Vorsitzende des Citymanagements in Eschweiler nennt als Beispiel die Nacht der Sinne, die am kommenden Freitag, 27. November, stattfindet.

Ausdrücklich betont sie, dass es sich dabei nicht um eine Veranstaltung handelt, die ja zurzeit verboten ist. „Wir verzichten auf jegliches Rahmenprogramm, es wird nur die Fassadenbeleuchtung geben.“ Das bedeutet: kein Glühwein, keine Skulpturen, keine Einpackstation. Alles, was Besuchermagnet ist und Menschen an einem Punkt versammelt, wurde aus dem Konzept gestrichen.

Man wolle den Leuten aber im Rahmen der beleuchteten Geschäfte die Möglichkeit geben, bis 21 Uhr einzukaufen. Angelehnt ist die Aktion auch an den Black Friday – den Freitag nach dem amerikanischen Erntedankfest, an dem in den USA traditionell viele Sonderangebote den Auftakt in die Weihnachtszeit bilden. In Eschweiler soll es also ebenfalls Rabatte und Sonderangebote geben.

Markus Buchem vom Citymanagement ist im Zuge dessen auch wichtig zu betonen, dass eben nicht nur alles gestrichen wird: „Sondern wir versuchen, den Bürgern im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben etwas Besonderes zu ermöglichen.“ Als Auftakt in den Advent soll die Nacht der Sinne deshalb eben nicht komplett abgesagt werden, sondern in abgespeckter Form zum dritten Mal über die Bühne gehen.

Bettina Thelen und Markus Buchem vom Citymanagement versuchen, das Einkaufen bei lokalen Einzelhändlern im Rahmen der Corona-Regelungen attraktiv zu machen. Foto: MHA/Caroline Niehus

Auch in Stolberg hat man sich ein Konzept überlegt, das zum Auftakt der Adventszeit Menschen dazu animieren soll, lokal einzukaufen. Die „Black Copper Week“ lockt eine Woche lang mit Sonderangeboten und Rabattaktionen. „Der Black Friday ist in Deutschland mittlerweile absolut etabliert, deshalb wollten wir in Stolberg eine größere Nummer daraus machen“, erklärt Händlerin Laura Markenstein, die gemeinsam mit Ladennachbarin Svenja Oebel die Idee hatte.

Zusätzlich zu den besonderen Angeboten für Kunden vom 23. bis 30. November kann man auch in Stolberg am Freitag, 27. November, bis 21 Uhr shoppen. „Einzelne Geschäfte werden kleine Aktionen vor der Haustür machen, mehr Begleitprogramm war leider nicht möglich“, bedauert Marita Matousek von der Gesellschaft für Stadtmarketing (SMS). Vieles sei verboten, anderes nicht möglich, wenn man verhindern wolle, dass viele Menschen aufeinandertreffen.

Markenstein hofft, dass die Menschen so nicht nur zu Zielkäufen in die Stadt kommen. „Vielleicht regt man den ein oder anderen an, ein bisschen zu bummeln und sich berieseln zu lassen.“ Mit der Weihnachtsbeleuchtung auf der Talachse und dem Weihnachtsbaum auf dem Kaiserplatz habe man sich außerdem besonders Mühe gegeben. „Weihnachten lebt von der Dekoration“, ist Matousek überzeugt.

Verkaufsoffene Sonntage am 4. Advent geplant

Zum Weihnachtsgeschäft gehört außerdem in jedem Jahr ein verkaufsoffener Sonntag. Nachdem die ersten beiden im Frühjahr und Sommer schon der Corona-Krise zum Opfer gefallen waren, konnten Menschen am 6. September zum ersten Mal in diesem Jahr sonntags durch Eschweiler und Stolberg bummeln. Am 4. Advent, also am 20. Dezember, planen Eschweiler Citymanagement und SMS einen weiteren Tag.

Der Weihnachtsmarkt als Begleitveranstaltung ist zwar in beiden Städten abgesagt, in Eschweiler plant man aber ein kleines weihnachtliches Programm drumherum. Eine richtige Alternative zum Weihnachtsmarkt sei schlicht nicht planbar, und niemand wolle ein Risiko eingehen, sagt Thelen. Einige Sponsoren, die sonst den Weihnachtsmarkt mit finanzierten, hätten aber bereits ihre Unterstützung für das Rahmenprogramm zugesagt.

In Stolberg können die Händler wieder kleine Aktionen vor ihren eigenen Geschäften anbieten. Das passiert dann aber in Eigenregie und muss selbst organisiert werden. Neben dem Weihnachtsmarkt fällt auch das Adventsschmieden in diesem Jahr aus. Entmutigen lassen wollen sich die Händler dennoch nicht.

Der Weihnachtsmarkt im Schatten der Stolberger Burg findet in diesem Jahr nicht statt. Foto: Dirk Müller

„Im Weihnachtsgeschäft liegt schon auch ein bisschen Hoffnung“, sagt Buchem, der selbst ein Bekleidungsgeschäft an der Grabenstraße hat. Er zeigt sich vorsichtig optimistisch, dass die Menschen in diesem Jahr gezielter schenken und überlegter ihre Einkäufe planen – und dass diese Planungen dann eben auch die Unterstützung des lokalen Handels vorsehen.

Buchem hat in den vergangenen Monaten durchaus eine veränderte Kunden-Händler-Beziehung beobachtet: „Viele Kunden haben erkannt, dass es gar nicht so selbstverständlich ist, dass sie ihren Händler mit der persönlichen Beratung haben. Die Wertschätzung kommt ein Stück weit zurück.“ Umgekehrt arbeiteten viele Händler noch kundenorientierter, indem sie zum Beispiel individuelle Beratungszeiten anbieten oder ihren Social-Media- und Online-Auftritt verbessert haben.