Gemeinsam für den Eschweiler Einzelhandel

Stadt will Händler motivieren : Gemeinsam für den Einzelhandel

Was brauchen Kunden heutzutage? Wo können Geschäftsleute ansetzen, damit der stationäre Handel in der Innenstadt attraktiv bleibt? Mit einem Vortragsabend wollte die Stadt ihre Händler motivieren.

Die Stadt wird im kommenden Jahr ein neues Format auf die Beine stellen, um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern, um regelmäßig mehr Menschen in die Fußgängerzone zu locken. Ab dem ersten Dienstag im Mai, das ist der 5. Mai 2020, sollen sechs „vernünftige Abendmärkte“ auf der Uferstraße stattfinden, wie es der städtische Marketingfachmann Ralf Walraff am Mittwochabend im Rathaus vor rund 25 Geschäftsleuten aus der Stadt ausdrückte.

Die Abendmärkte waren die einzige fixe Neuigkeit, die Walraff verkündete, ansonsten stand der Informations- und Diskussionsabend ganz im Zeichen der Entwicklung des Einzelhandels. Geladen hatte er dazu den Marketing- und Kommunalberater Till Schüler, der unter anderem vor der Jahrtausendwende das touristische Marketing der Stadt Aachen aufgebaut hatte.

Er sprach in Zeiten der Digitalisierung natürlich viel über den Onlinehandel, dabei machte er den anwesenden Geschäftsleuten aber deutlich: „Der Onlinehandel wird nicht unendlich zunehmen, davon bin ich und davon sind auch andere Wissenschaftler fest überzeugt.“ In zehn bis zwanzig Jahren sei eine Sättigung erreicht. Geschäftsleute sollten das Internet überdies auch nicht allein als Konkurrenz, sondern als Instrument ansehen, mit dem sie Umsätze erwirtschaften können. Denn die Schnelllebigkeit auf dem Markt sei heute viel schneller als früher, Läden würden schneller verdrängt, weil die Alternativen groß seien.

Sand, Liegestühle, Cocktails

Abgesehen davon: Die Einzelhändler hätten genügend Möglichkeiten, mehr Kunden im stationären Handel zu gewinnen – und aktuelle besser zu binden. Sei es die Optik der Schaufenster – eventuell zeitweise mit Menschen, die Beleuchtung, die Dekoration: „Sie müssen Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten.“ Was Schüler präsentierte, waren keine neuen Erfindungen, das betonten er und Walraff auch, aber mit der Einladung zu dem Vortrag wollte die Stadt „die Inizialzündung“ liefern, damit Einzelhandel und Stadt gemeinsam die Herausforderungen der Innenstädte angehen.

Konkret ging Schüler auf den Kundenservice beziehungsweise den Komfort für Kunden ein. Sitzgelegenheiten, Kaffee, Kuchen – all das seien Dinge, die heute zunehmend wichtiger werden, damit Menschen im Laden verweilen, weil das Einkaufen (das „Shoppen“) heute nicht mehr an erster Stelle stehen würde. „Die Holländer machen es uns vor: Im Vordergrund des Ladens steht die Mode, im Hintergrund eine Bank mit Zeitung und so weiter, damit sich die wartenden Partner beschäftigen können.“ Ein Laden solle, überspitzt gesagt, wie ein Wohnzimmer aufgebaut sein. Und wenn die Parkgebühren nach einem guten Einkauf noch obendrein erstattet würden, umso besser, der Kunde sei glücklich – und merke sich den Service.

Schüler appellierte auch daran, dass sich die Einzelhändler öfter für auffällige Aktionen zusammentun sollten. „Eine gemeinsame Modenschau in der Fußgängerzone wäre eine Möglichkeit. Oder eine thematische Shoppingwoche. Oder Sand, Liegestühle und Cocktails vor den Läden – die Leute stehen heute mehr denn je auf Erlebnisse.“ 2007 zum Beispiel hatte Schüler noch Choreograph und Model Bruce Darnell (bekannt aus der Fernsehsendung „Germany’s next Topmodel“) auf den Aachener Dahmengraben gelotst – die Straße war voll.

Der Leerstand

Einen weiteren wunden Punkt, den im Grunde jede Innenstadt betrifft, sprachen Walraff und Schüler auch an: bewusster Leerstand – und damit einhergehend der Verfall von Fassaden (dazu fand am späten Donnerstagabend eine separate Veranstaltung im Rathaus statt). Walraff gab schon einmal etwas Entwarnung für die Zukunft: „Bei den Eigentümern findet ein Umdenken statt, das merken wir.“ Die Begründung: Der Plan einiger Eigentümer, Immobilien rein als Wertanlage zu betrachten, gehe langsam nicht mehr so gut auf, weil Leerstand auch Leerstand links und rechts nach sich ziehe. Und das bedeutet: Wertverlust.

Ralf Walraff gab den Unternehmern am Schluss mit auf den Weg, dass die Verwaltung für Anregungen, Vorschläge, Anträge offen sei, um zum Beispiel auch zu schauen, wo Bürokratie den Handel blockiert. „Dafür machen wir so eine Veranstaltung.“