Gaby Köster tritt im Eschweiler Talbahnhof auf

Neues Programm : Gaby Köster ist zurück im Comedy-Leben

Das Wort Schlaganfall fällt kein einziges Mal. Den gesamten Abend nicht. Und doch herrscht zwischen Gaby Köster und ihrem Publikum im Eschweiler Talbahnhof eine Art stillschweigendes Einverständnis. Jeder im Raum weiß, dass die „Queen of Comedy“ im Jahr 2008 einen schweren Schlaganfall erlitt, mit dessen Folgen die heute 56-Jährige noch immer zu kämpfen hat.

Es ist bereits der zehnte Auftritt von Gabriele „Gaby“ Wilhelmine Köster in Eschweiler, aber ihr Programm „Sitcom“ ist anders aufgebaut, als die vorherigen. Schon die wenigen Schritte auf die Bühne des Talbahnhofs sind für Köster eine Herausforderung, die sie nur mit Hilfe zu meistern vermag. Das Publikum unterstützt sie mit tosendem Applaus, bis sie langsam, Schritt für Schritt, den Stuhl auf der Bühne erreicht hat und das Publikum zum „betreuten Auftreten“ willkommen heißt.

Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre im Talbahnhof, anders als beim Auftritt anderer Comedians. Das Publikum signalisiert Verständnis und Anerkennung für Köster, auch bei der ein oder anderen technischen Panne, die auftritt, weil die Komikerin ihr Programm von einem pinken I-Pad abliest. „Lass Dir Zeit Mädchen“, ertönt es aus dem Publikum, „keine Eile“. Aber die Komikerin winkt ab: „Das ist ja für alle ohne Übernachtung gebucht.“

Dass es sich lohnt, auf den nächsten Gag von Gaby Köster zu warten, stellt sie in ihrem neuen Programm unter Beweis. Auf der Bühne wird die Komikerin wieder zur kölschen Frohnatur, für die sie vor ihrer Erkrankung so viele renommierte Preise gewonnen hatte, darunter auch den Adolf-Grimme-Preis, den Deutschen Fernsehpreis und gleich mehrfach den Deutschen Comedypreis.

Dem Eschweiler Publikum beweist Köster nun, dass sie ihr Handwerk nicht verlernt hat. Überraschender Weise enthält das erstes Programm nach dem Schlaganfall keinen einzigen Hinweis auf ihre Erkrankungen und die Einschränkungen, die sie dadurch bis heute erfährt. Nur ab und zu lässt sie durchblitzen, wie lang und schwer der Weg vom Koma zurück auf die Bühne war. „Das Leben ist eine Bitch, ich sag’s euch!“. Sonst hält sich Köster aber strikt an ihr Skript. Selbstironie statt Selbstmitleid, Situationskomik statt schwerer Themen. Sie spricht über Alltägliches, Dinge, die jeder im Publikum nachvollziehen kann. Darüber, dass der Paketbote immer dann kommt, wenn man nicht zuhause ist, darüber wie unangenehm es als Frau ist, beim Kauf eines BHs von einer „Miederwarenfachverkäuferin“ beraten zu werden, oder wie chaotisch es sein kann, wenn man versucht, eigenständig das Badezimmer zu renovieren. „Ich könnte mich ja aufregen. Und das mach ich auch! Ich weiß nur nicht, wo ich anfangen soll!“

Ein beliebtes Thema bei Köster: die Digitalisierung. Die selbsternannte „Miss Köln-Nippes 1973“ bescheinigt, der digitalen Welt total aufgeschlossen gegenüber zu sein – nur das Ergebnis ist meistens nicht das gewünschte. „Ich habe meine Krankheit selbst gegoogelt. Das Ergebnis: Entweder Pest, Borkenkäfer oder die Zylinderkopfdichtung ist kaputt“. Auch das Online-Dating habe bisher keine Erfolge gebracht: „Ich war bei Elitepartner, Parship und Tinder, aber was Leckeres habe ich nur auf pizza.de gefunden“. Die begeisterten Reaktionen aus dem Publikum verraten, dass Köster mit ihrer Themenauswahl den richtigen Nerv getroffen hat, indem sich die Komikerin treu geblieben ist.

Gleiches gilt auch für ihre beiden Markenzeichen: ihre pink-blonden Haare und ihre freche Schnauze. Am liebsten regt sie sich über ihre Mitmenschen auf, ohne dabei ein Blatt vor den Mund zu nehmen. „Ich habe ein loses Mundwerk und das bringt mich in Schwierigkeiten. Mein Lebensmotto: ‚Oh, ein Fettnäpfchen – Anlauf und Arschbombe!‘“. Aufreger gibt es für Köster genug: Die Modetrends der Teenies, die Gewohnheiten alter Menschen und Kinder mit Übergewicht sind nur wenige davon. „Es rennen so viele Idioten durch die Gegend, ich bin nicht mit genügend Stinkefindern auf die Welt gekommen, um denen allen zu zeigen, was ich von ihnen halte.“

Kaum jemand ist vor Kösters Sozialkritik gefreit. Sie richtet sich sowohl gegen den Otto Normalverbraucher als auch gegen Castingshows wie „Germanys Next Topmodel“: „Das hätte man auch im Kindergarten drehen können. Keiner hat Brüste, alle lernen laufen und ständig heult jemand.“

Zum Schluss aber, richtet sich Kösters Kritik gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Mit Nachdruck appelliert sie ans Publikum und zwar diesmal mit vollem Ernst und ohne jede Komik: „Deutsche Leitkultur, was soll das sein? Tennissocken in Sandalen? Alle sind Ausländer – fast überall.“

Ihr Publikum im Talbahnhof kann Köster auch ohne Zugabe restlos begeistern. Mit stehenden Ovationen und unter tosendem Beifall begleiten die Zuschauer die Komikerin, bis sich diese die drei Treppenstufen von der Bühne heruntergekämpft hat und hinter dem Vorhang verschwindet.

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