Comedy im Talbahnhof: Gaby Köster ist „einfach köstlich“

Comedy im Talbahnhof : Gaby Köster ist „einfach köstlich“

Gaby Köster ist wieder da und sorgte im Talbahnhof mit ihrer brandneuen „Sitcom“ für ein volles Haus . Die Quasselstrippe aus Köln, deren Kopf sich nach dem Schlaganfall vollständig erholt hat, verstand es, mit unglaublichen Geschichten im kölschen Dialekt die Menschen in Eschweiler zu begeistern und sie zum Lachen zu bringen.

Es war ein Abend voller Spaß mit einer rheinischen Frohnatur, die den Humor nicht verloren hat. Im Fernsehen schaut sie gerne Liebesfilme an, besonders die von Rosamunde Pilcher wegen der schönen Landschaften und weil die Beziehungsprobleme in neunzig Minuten gelöst werden können. Die Probleme mit einem „rauchenden“ Auto und die anschließenden Diskussionen mit dem Kfz-Mechaniker in einer Werkstatt, weiß gekachelt wie im OP, waren ebenso ein Thema wie der Router im T-Laden oder die Bestellungen bei Amazon. Tante Gaby führte ihren Neffen Maurice ins Toys „R“ Us, der „Vorhalle zur Hölle“, wo es kein Spielzeug aus Holz gab und sie ihm stattdessen einen Tierversuchskasten kaufte.

Laut Feuerwehr hätte man die Bude retten können, wenn sie nicht aus Holz gewesen wäre. Im Sommer beobachtet die Komikerin gern, was es mit der Verrohung der Gesellschaft auf sich hat, wenn viel zu dicke Leute enge Jeans tragen und ihre Ganzkörpertätowierung zur Schau tragen. Die Wörter „bitte“ und „danke“ seien gänzlich ausgestorben und Lesen und Schreiben übernehmen neuerdings die Emojis, denn ein Hirnaktivset sei im Geschäft zum Ladenhüter geworden. Um „trendy und hip“ zu sein, muss man „chillen“ und „Chai-Latte“ oder „stylishe Smoothies“ trinken. Köster ist der Ansicht, wenn es quietscht, fehlt Fett und spricht von einem Sixpack vom Denken, während sie auf ihre Stirnfalten zeigt.

Mit dem Filzhut auf dem Kopf als senile neunundsiebzigjährige Josefine Schmalzbach glaubt sie, komplette Narrenfreiheit zu haben und belästigt ihren Enkel durch wiederholte frühe Anrufe am Sonntagmorgen. Er ist für sie ein Taugenichts, weil er darauf wartet, das Vermögen der Oma zu erben. Diese aber möchte ihr „klein Häuschen selbst versaufen“ und das nicht in Scheiben, sondern am Stück.

Früher las die Oma das Zeitungsabo und ging auf Kaffeefahrt, heute fährt sie im Schlabberlook zum Christopher Street Day. Ihre Beobachtungsgabe ist unglaublich. Überall entdeckt sie das Lustige in einer Sache, was einer Offenheit für komische Blickwinkel bedarf. Und da die Welt in gewisser Weise verrückt ist, gehen ihr die Ideen nicht aus. Marie fährt im hohen Alter immer noch Auto, was nicht jedem gefällt.

Mit Männern einkaufen zu gehen, davon rät Köster ab und erklärt am Beispiel eines Dessousladens, wie die Miederwarenverkäuferin die Intimsphäre der eigenen Art untergräbt. Eine andere Baustelle ist für die Kölner Ulknudel die Politik. Die Diätenerhöhung der Politiker nimmt sie aufs Korn wie den Donald (Trump) mit dem schnellsten Twitterdaumen und dem urinsteingelben Haar. Auch das Übergewicht der lieben Pänz und deren Intelligenzschwund machen ihr zu schaffen.

Unaufgeräumt sei ein Zimmer erst, belehrt sie der Sohn, wenn das WLAN nicht mehr durchkomme. Da sie weder bei Tinder, noch bei Parship und Elite Partner ihr „Schnuckelchen“ gefunden hat, glaubt sie immer noch an die Liebe auf den ersten Blick. Kösters witzige Pointen sprudeln nur so hervor. Am Ende bringt es ein Fan auf den Punkt: „Köster ist einfach köstlich!“

(mlo)
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