Strukturwandel bietet Eschweiler vielfältige Chancen: Für Bertram gibt’s nur eines: Den Tunnel

Strukturwandel bietet Eschweiler vielfältige Chancen : Für Bertram gibt’s nur eines: Den Tunnel

Es geriet zu einem emotionalen Rundumschlag, als Bürgermeister Rudi Bertram am Dienstagabend im Haus Lersch auf Einladung des Citymanagement-Vereins seine Vorstellungen zum Thema „Eschweiler 2030“ präsentierte.

Sein Appell an alle Bürger: „Wir müssen den Standort Eschweiler hochhalten, statt – vor allem in den asozialen Netzwerken – immer alles mies zumachen!“ Eschweiler genieße bundesweit gutes Ansehen, das gelte es zu unterstreichen statt von innen kaputt zumachen. „Alles, was im Internet gepostet wird, wird in Zeiten neuer Medien sofort bundesweit wahrgenommen.“ Und damit meinte Bertram nicht nur die Gegner und Bedenkenträger, die dem künftigen Rathaus-Quartier immer wieder Steine in den Weg legten.

Einem Neubauquartier, das auch Auswirkungen auf die Indestraße haben könnte. Die soll auf Höhe des Rathauses bekanntlich völlig neu gestaltet werden. Für Rudi Bertram ist, wie er den Innenstadt-Händlern gegenüber deutlich machte, klar: „Dem Online-Handel können wir nur gegensteuern, wenn wir Aufenthaltsqualität in die Stadt bringen. Deshalb haben wir vor wenigen Jahren die gesamte Innenstadt erneuert. Und aus demselben Grund gibt es für mich nur eins: Wir müssen die Indestraße unter die Erde legen!“

Schon vor 20 Jahren habe es gute Ideen gegeben, wie man den so gewonnenen Platz vor dem Rathaus attraktiv nutzen könne, habe aber abwarten wollen, bis die Autobahn 4 sechsspurig ausgebaut und dadurch weniger stauanfällig sei. „Das ist jetzt der Fall. Jetzt muss neu überlegt werden! Ich appelliere an die Politik, darüber nachzudenken. Nur über verbesserte Aufenthaltsqualität ziehen wir Leute in die Stadt!“

Knallharter Wettbewerb

Die Herausforderungen des Strukturwandels stellte Bertram in den Fokus seiner Betrachtungen zu „Eschweiler 2030“. Ein Strukturwandel, der neben Bertram auch weitere 18 Bürgermeister der Tagebau-Anrainerkonferenz in Atem hält. Erneut appellierte Bertram, die vor uns liegende Zeit als Chance zu sehen. „Noch weiß man nicht, was Bundesregierung und Länderchefs da ausarbeiten, aber das ist für Eschweiler letztlich egal: 2030 ist die Kohleverbrennung in Eschweiler so oder so zu Ende.

Das wissen wir seit Jahren und sind seit langem auf dem Weg, den Strukturwandel zu bewältigen.“ Noch seien bis zu 1500 Mitarbeiter aus Eschweiler und der Region direkt im Tagebau beschäftigt. „Mit Lamentieren wären wir falsch beraten“, zeigte sich Bertram kämpferisch, wenn es um die Schaffung von Ersatzarbeitsplätzen und darum geht, am von der Bundesregierung versprochenen 1,5-Milliarden-Förderprogramm zu partizipieren. „Wir stehen in knallhartem Wettbewerb, nicht nur in der Region, sondern bundesweit.“

Dr. Doris Witteler-Stiepelmann, Referatsleiterin beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und Dr. Stefan Wilhelmy, Leiter der Servicestelle Kommunen in der Einen Welt der gemeinnützigen Engagement Global GmbH überreichten Nachhaltigkeitsmanager Jan Schuster (Mitte) die Anerkennungsurkunde Eschweilers als Agenda-2030-Kommune. Foto: Martin Magunia

Eschweiler sieht sich gut aufgestellt. Nicht nur wegen seiner Nähe zu zahlreichen Unis und Fachhochschulen, die die Region zu einem nicht nur NRW-weit führenden Wissenschafts- und Hochtechnologiestandort machen. Sondern auch, weil nach dem Aus des Kraftwerks Weisweiler 250 Hektar Gewerbe- und Industrieflächen neu genutzt werden können. Flächen, die allerdings zu rund 70 Prozent im Eigentum des RWE seien. „Die haben über Jahrzehnte hier gutes Geld verdient. Jetzt müssen wir  darauf drängen, dass sie Verantwortung übernehmen und die Entschädigungszahlungen der Bundesregierung hier in der Region bleiben statt in den USA oder sonstwo verbraten zu werden“, fordert Bertram Loyalität mit der Region von dem Weltkonzern.

Tagtäglich Anfragen

Das Interesse am Standort Eschweiler sei riesig, betont der Bürgermeister. „Wir können uns im Moment vor Ansiedlungsanfragen nicht retten.“ Im IGP sei längst kein Quadratzentimeter mehr zu haben. Bei Ansiedlungen lege die Stadt Wert auf einen gesunden Mix: „Mir sind zehn Firmen mit je 50 Arbeitsplätzen lieber als eine mit 500. Wenn die zumacht, ist gleich alles weg...“

„Wir müssen die Chance nutzen, dass Eschweiler eine weiter wachsende Stadt ist“, unterstrich Rudi Bertram die Notwendigkeit, nicht nur in Bildungseinrichtungen, sondern auch in Wohnbauflächen zu investieren, wie das nun am Patternhof und  am früheren Indestadion geschehen soll – trotz des „Riesenaufwands an Genehmigungsverfahren“, der die Entwicklung von Neubaugebieten zu langwierigen Angelegenheiten macht. Die Zeit drängt, weiß Rudi Bertram: „2030 ist morgen früh!“

Bertram abschließend: „Wir haben ansiedlungswillige Unternehmen, eine sehr gute Infrastruktur und Menschen, die anpacken. Also sehen wir das als Chance!“

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