Eschweiler: Früh Weichen stellen: Workshop „Wohnformen im Alter”

Eschweiler: Früh Weichen stellen: Workshop „Wohnformen im Alter”

Normalerweise ist das Rathaus an einem Freitagnachmittag verwaist. Das war am vergangenen Freitag anders: „Wohnformen im Alter” hieß der Workshop, zu dem die Stadt, die Sparkasse und die Aachener Stiftung Kathy Beys eingeladen hatten und an dessen Ende beachtlich konkrete Ergebnisse standen.

Am Freitag, das lässt sich jetzt schon sagen, wurden die Weichen für neue Formen des Wohnens in Eschweiler gestellt. Viele Probleme kommen nicht wirklich plötzlich, denn sie sind absehbar. Eines, das gerade ältere Menschen trifft, heißt Vereinsamung: Wenn der Partner nicht mehr ist, stehen viele Ältere von jetzt auf gleich alleine da, ohne Kontakte, ohne Ansprache. Wohnen im Sinne einer wirklichen Nachbarschaft kann dies verhindern.

Ein zweites Problem, das oft viel zu spät erkannt wird, schilderte beim Workshop Klaus Dosch von der Stiftung Kathy Beys anhand eigener Erfahrungen: Die drei Kinder der Familie sind aus dem Haus, das nun für das Ehepaar viel zu groß geworden ist.

Was tun? „Man verkauft dieses Haus und lässt Menschen hinein, die es wirklich nutzen können”, sagt der Geologe und Wirtschaftsingenieur. Für beide Fälle gilt: Man muss den Absprung rechtzeitig schaffen, also die Weichen frühzeitig stellen.

38 Teilnehmer waren aus ganz unterschiedlichen Beweggründen zum Workshop ins Rathaus gekommen, um sich über neue Formen des Wohnens im Alter zu informieren und ihre Ideen und Vorstellungen mit einzubringen. Baudezernent Hermann Gödde war aufrichtig überrascht von der Resonanz und freute sich, dass am Ende viel Greifbares herauskam.

Vier konkrete Grundstücke Zu Beginn des Workshops hatte Florian Schoop von der Abteilung für Planung und Entwicklung im Rathaus vier „baureife” Grundstücke der Stadt vorgestellt, die kurzfristig für neue Wohnprojekte genutzt werden können. Eines liegt an der Burgstraße, ein weiteres in Nachbarschaft zum Indestadion, das dritte an der Ecke Weisweilerstraße/Erich-Kästner-Straße in Dürwiß und ein weiteres an der Fontanestraße unmittelbar an der ehemaligen Eichendorffschule.

Anschließend bildeten sich zwei Arbeitsgruppen, in denen die Teilnehmer sich mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Standorte befassten und vor allem ihre Ideen einbrachten, wie sie sich Wohnen im Alter vorstellen. Und natürlich wurde auch die Frage „Mieten oder kaufen?” behandelt.

Über Finanzierungsmöglichkeiten informierten Marc Müller und Lothar Müller von der Sparkasse. „Absolut neutral”, wie Hermann Gödde betonte. Eine Kernaussage, die Lothar Müller traf: „Das Alter ist keine Barriere für eine Finanzierung.” Die Leitung der Arbeitsgruppen hatten die Architektin Ursula Komes und die Stadtsoziologin Dr. Katrin Hater. Die beiden Expertinnen aus Aachen haben ähnliche Projekte bereits umgesetzt und gemeinsam mit der Stiftung Kathy Beys einen Leitfaden „Gemeinschaftlich Wohnen 50+” entwickelt.

Beim Resümee am Freitag wurden gleich mehrere Dinge deutlich: Die meisten Teilnehmer wünschen sich Wohnen in Form einer Hausgemeinschaft, die durchaus auch generationenübergreifend sein kann. Und: Viele Teilnehmer konnten sich mit der Idee, künftig zur Miete zu wohnen, anfreunden.

Großes Interesse wurde an dem Areal in Dürwiß bekundet und an dem stadtnahen Grundstück Burgstraße 45/47, auf dem seit Jahrzehnten Häuser auf ihren Abriss warten. Zwei Damen äußerten am Freitag klipp und klar die Absicht: Wir wollen etwas zusammen machen und am Ball bleiben. Hermann Gödde versprach allen, die Interesse haben, die weitere Unterstützung.

Die Stadt werde, falls gewünscht, auch die Verbindung zu Investoren herstellen. Und: „Wir werden sie durch den Dschungel des Planungsrechts begleiten. Mein Wunsch ist”, fuhr Gödde fort, „dass wenn nicht im nächsten, dann im übernächsten Jahr schon auf einem der Grundstücke ein Baukran steht und ein großes Schild mit der Aufschrift: Gemeinschaftliches Wohnen 50+ in Eschweiler. Jetzt! Nicht irgendwann!”

Mehr von Aachener Nachrichten