Fotografin Helena Schätzle stellt in Eschweiler Herz-Jesu-Kirche aus

Ausstellung zeigt Überlebende des Holocaust : Gesichter spiegeln erlittenes Leid wider

„Wer in der Hölle war, weiß, dass es zum Guten keine Alternative gibt.“ Es ist nicht nur ein Zitat einer Holocaust-Überlebenden, das in schwarzer Schrift auf weißer Wand steht – es ist ein Satz, der die Fotoausstellung „Leben nach dem Überleben“ als Motto gut beschreibt. Am Freitag wurde die Ausstellung, die Opfer der Nazis in den Mittelpunkt stellt, in der Herz-Jesu-Kirche eröffnet.

Helena Schätzle ist die Enkelin eines Wehrmachtssoldaten. „Ich konnte nicht verstehen, wie ein Mensch, den ich sehr liebe und als guten Mensch kenne, so eine Vergangenheit hat. Wenn er von damals erzählt hat, ging es immer um das Leid, das er erfahren hat“, erzählt die Fotografin. „Es ist auch okay, wenn er nicht mehr erzählen konnte. Aber es war und ist mir sehr wichtig, die Geschichten von Opfern der Naziverbrechen zu hören und weiterzutragen.“ Die 35-Jährige stellt bis Ende Februar ihre Porträts von Menschen aus, die die Hölle er- und überlebt haben. Sie hat die heute weit mehr als 80 Jahre alten Menschen in Israel begleitet, ihre Geschichten angehört und weitergetragen.

Es sei schwierig, sagt sie den rund 30 Interessierten bei der Eröffnung, das Trauma, das die Menschen erlebt haben, sichtbar zu machen.  Ein Schwarz-weiß-Bild werde oft als Stilmittel dafür genutzt. „Das aber baut Distanz auf. Meine Bilder sind in Farbe, um den Opfern die Menschlichkeit zurückzugeben, die ihnen genommen wurde.“ So sollen sich die Betrachter besser mit den Menschen identifizieren können. Sie führte die Besucher durch den aufgebauten labyrinthartigen Gang mit hohen Wänden und den Themen „Holocaust“, „Trauma“, „Leben“ und „Lehre“.

Einige Bilder zeigen Nahaufnahmen der Menschen in Momenten, in denen sich die Erinnerung an die schreckliche Zeit während der Nazi-Herrschaft im Gesicht widerspiegelt. Die Fotos werden von Zitaten umrahmt, die verdeutlichen, wie schwer die Zeit war und heute noch ist. Es geht darum, wie die Menschen ihr Trauma verarbeitet haben und immer noch verarbeiten.

Bei der psychologischen Betreuung der Menschen, die Schreckliches erfahren haben, hilft der Verein Amcha. Der Verein ist sowohl in Israel als auch in Berlin aktiv, wo die gebürtige Aachenerin  Anne-Christine Mertens arbeitet. Sie hat die Wanderausstellung – in enger Kooperation mit dem Kommunalen Integrationszentrum der Städteregion – nach Aachen und nun nach Eschweiler gebracht. Zuvor war die Ausstellung unter anderem im Auswärtigen Amt zu sehen. „Mit den Fotos wollen wir das Thema auf einer anderen Art und Weise vermitteln, neue Zugänge vor allem für Schüler schaffen“, erklärt die 23-Jährige. Sie bietet pädagogische Workshops für Jugendliche an. Schüler und Lehrer seien herzlich eingeladen, sich im Rahmen der Ausstellung mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram unterstützt vor allem diesen pädagogischen Ansatz, wie er in seiner Rede bei der Eröffnung vermittelt: „Wir müssen das Thema Holocaust und Rassismus in die Schulen bringen, damit sich junge Menschen damit auseinandersetzen. Gerade in der heutigen Zeit und den heutigen Entwicklungen ist es  nötiger denn je. Wir wissen nicht, was passiert, wenn sich die Gesellschaft weiter teilt.“ Sagt er und fügt mahnend hinzu: „Es widert mich an, dass das Thema heute wieder auf der Agenda ist. Ich appelliere an alle, sich gegen Rassismus aufzulehnen und keine Diskussion zu scheuen.“ Die Ausstellung in der Herz-Jesu-Kirche leistet ihren Beitrag dazu.

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