Florian Simbeck im Talbahnhof

Comedy : Alltagsbeobachtungen und Erinnerungen an „krasse“ Zeiten

Eschweiler Wer Florian Simbeck das erste Mal sieht, wird das Gefühl nicht los: „Den kenn’ ich doch irgendwoher!“ Und tatsächlich hat der Comedian, der am Donnerstag im Talbahnhof auftrat, eine bekannte Fernseh- und sogar Kinovergangenheit.

Als Stefan Lust im Comedyduo „Erkan und Stefan“ machte er „Krass“ zum bekanntesten Wort auf den Schulhöfen der Republik, aber auch wenn er jetzt auf den kleinen Bühnen der Republik unterwegs ist und von seinem Leben als Familienvater erzählt, erinnert er sich gern an die „einfache Zeit“ zurück: „Da musste man nur ‚Krass’ sagen und schon hatte man die Lacher auf seiner Seite. Dann riefen die Kritiker schon aus ‚Das ist das Ende!’ und jetzt denken Sie mal nach, wie die Jugend heute miteinander spricht!“

Das weiß er natürlich aus erster Hand, denn als zweifacher Vater hat er mit so manchen Tücken zu kämpfen. Da trifft es sich gut, dass das Touren es ihm ab und zu ermöglicht, die Flucht vor der Familie anzutreten und als Bayer mal das restliche Deutschland zu erkunden. Dabei zeigt er nicht nur mit der Beobachtung eines seltsamen Zusammenhangs zwischen Parteizugehörigkeit des Bürgermeisters und Farbe der Hundekotbeutel in den Städten, dass der 47-Jährige gerne auf Details achtet. Denn so geht es ihm auch beim Urlaub mit der Familie in Djerba. „Da gibt man doch sein Gehirn am Eingang der Ferienanlage ab“, erinnert er sich und die Lacher im Publikum beweisen, dass nicht nur er so denkt.

Dabei erzählt er lebhaft von den Gefahren, die außerhalb der Mauern der Ferienanlage lauern und schämt sich auch nicht davon zu erzählen, wenn ein Paraglidingausflug im Desaster einer verlorenen Badehose endet.

Doch selbst für einen Comedian, der sein Publikum jederzeit im Griff hat und zu gleich zwei Zugaben aufgefordert wird, ist es nicht immer einfach, weiß Simbeck zu berichten. Wenn der Sohn durchdreht, weil er nicht in Ruhe Fortnite spielen kann oder die Tochter flucht wie ein Rohrspatz, dann wissen die Gäste im Talbahnhof genau, welche Situationen er meint. Mit einer Schimpfwortkasse will er den Kampf aufnehmen, doch ob das wirklich die beste Lösung ist? Jedenfalls nimmt er den ganzen Stress stets mit Humor und weiß damit für viele Lacher zu sorgen. Egal, ob er über das unsinnige Verhalten von Charakteren in Horrorfilmen berichtet oder vom Leben mit seiner Oma, die selbst noch Blumengestecke in den Keller brachte, damit sie länger halten. Florian Simbeck erzählt immer lebensnah, greift auch spontane Einwürfe aus dem Publikum gekonnt auf und schämt sich nicht zu sagen, dass seine Frau die bessere Autofahrerin ist. Wenn man dann hört, dass die Pubertät seine Kinder jetzt erst so richtig in den Griff bekommt, dann ist klar: Ihm wird das Material für neue Programme so schnell wohl nicht ausgehen.

(cheb)
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