Eschweiler: „Flammen über Aachen”: Günter Krieger liest im „Librodom”

Eschweiler: „Flammen über Aachen”: Günter Krieger liest im „Librodom”

Am Morgen des 2. Mai 1656 bricht über die Stadt Aachen eine Katastrophe herein. Der Bäckermeister Peter Maw entsorgt noch nicht ganz erloschene Holzkohle unsachgemäß auf dem Speicher seines Hauses in der Jakobstraße. Die fatalen Folgen: Innerhalb von 24 Stunden vernichtet ein Feuer fast 90 Prozent der Kaiserstadt.

Von den rund 5300 Häusern werden 4664 zerstört. Die relativ geringe Anzahl von 17 Todesopfern kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass für die Bewohner Aachens nach dem Brand nichts mehr so ist wie zuvor.

Die wahre Begebenheit dieser Brandkatastrophe bildet die Kulisse des Romans „Flammen über Aachen”, den Autor Günter Krieger im vergangenen Jahr verfasste. Am Dienstagabend war der Schriftsteller nun in der Buchhandlung „Librodrom” zu Gast, um einige Leseproben aus seinem Werk zu präsentieren und auch auf seinen nächsten Roman „Rosen für die Kaiserin”, der im August oder September erscheinen wird, hinzuweisen.

Das Jahr 1656: Der 30-jährige Krieg ist mit dem Westfälischen Frieden zu Ende gegangen, die Religionskämpfe gehören zumindest offiziell der Vergangenheit an. Kaum jemand kann sich noch an die Zeit vor dem „Großen Krieg”, der weite Teile Europas zerstörte, erinnern. Doch Hexenverbrennungen stehen nach wie vor auf der Tagesordnung. In dieser Situation sind die Geschwister Martha und Karl, die während des Krieges mitansehen mussten, wie ihre Familie von marodierenden Söldnern umgebracht wurde, mit ihrem Ziehvater Mattes auf dem Weg nach Aachen. Mattes ist schwer krank. Der Scherenschleifer erbricht Blut und braucht dringend ärztliche Hilfe.

Söldner und ein „Zwerg”

Zur gleichen Zeit betreten auch ein ehemaliger Söldner und ein „Zwerg” durch das Sandkaultor die Kaiserstadt. Der Söldner, der im Krieg viel gesehen hat und an vielen Dingen beteiligt war, ist „bedrückt, nachdenklich und zornig”. Er plant, nach Santiago de Compostella zu pilgern und hofft, anschließend zu sterben. Doch zuvor werden sich die Wege der Protagonisten in Aachen kreuzen. Bis Bäckermeister Peter Maw am Morgen des 2. Mai Holzkohle auf seinem Speicher entsorgt...

Günter Krieger gelingt es in seinem 13. Roman einmal mehr, die Atmosphäre einer längst vergangen Zeit wieder aufleben zu lassen und den Lesern plausibel zu machen. Der 1965 in Langerwehe geborene Autor, der ursprünglich den Beruf des Krankenpflegers erlernte und dieser Tätigkeit nach wie vor in Teilzeit im St.-Antonius-Hospital nachgeht, fesselte auch im „Librodrom” seine Zuhörer mit detailgenauen Beschreibungen der Stadt Aachen im 17. Jahrhundert. „Ich fühle mich literarisch im Mittelalter wohler als in der Neuzeit. Es ist für mich inzwischen einfacher, Recherchen aus dieser Zeit vorzunehmen. Dazu besuche ich immer wieder Archive. Und auch das Internet ist inzwischen unverzichtbar geworden”, erläuterte das Mitglied des Autorenkreises „Historischer Roman Quo vadis” seine Arbeitsweise.

Auch zum Aachener Stadtbrand wusste er noch so einiges zu berichten. „Aachen war das Glück beschert, den 30-jährigen Krieg nahezu unbeschadet zu überstehen. Doch dieser Umstand wurde der Stadt am 2. Mai 1656 zum Verhängnis. Denn die Bausubstanz der Häuser war alt, halt mittelalterlich”, so Günter Krieger. „Zudem glaubten die Bürgermeister zunächst, dass die Stadt angegriffen werde und riefen die Männer zu den Waffen statt zu den Löscheimern.” So breitete sich das Feuer aus und geriet schnell völlig außer Kontrolle. „Gegen 19 Uhr brannte das Rathaus, um zwei Uhr nachts stand auch der Dachstuhl des Doms in Flammen.”

Zwar erhielt Aachen nach dem Brand Hilfe von allen Seiten, der Kaiser erließ Steuerschulden und selbst Papst Alexander VII. schickte eine hohe Geldsumme, doch der Wiederaufbau verlief schleppend. „Nicht zuletzt, weil protestantische Unternehmer fehlten, die das streng katholische Aachen verlassen hatten. Diese waren allein schon wegen der deutlich geringeren Zahl zu begehender Feiertage ein wichtiger Wirtschaftsfaktor”, betonte Günter Krieger, dessen 14. Roman „Rosen für die Kaiserin”, in dem mit der aus Byzanz stammenden deutschen Kaiserin Theophanu eine der bedeutendsten Herrscherinnen des Mittelalters im Blickpunkt steht, in wenigen Wochen erscheint. Darüber hinaus wird die von ihm leicht überarbeitete „Merode-Trilogie” mit den Werken „Teufelswerk”, „Mönchsgesang” und „Löwentod” im Herbst neu aufgelegt.

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