"Final Virus"-Band bei "Blues meets Rock"

„Blues meets Rock“: Besondere Chemie zwischen Band und Publikum

„Sind wir nicht wahnsinnig?" So richtig der von Bandleader Peter Sonntag gestellten Frage widersprechen wollte keiner der zahlreichen Zuhörer, die am Dienstagabend den Weg in das Rio in der Schnellengasse gefunden hatten.

Stattdessen ergaben sich die Konzertbesucher einfach dem Sound, den „Final Virus“ mit einer absolut elektrisierenden Energie entfachte, und ließen sich in quasi alle musikalischen Richtungen treiben. Selten dürfte die Überschrift der Konzertreihe „Blues meets Rock“ derart unzureichend gewesen sein wie im Hinblick auf das „Final Virus“-Gastspiel. Denn was Peter Sonntag (Bass), Reno Schnell (Gitarre), Sängerin Missi Wainwright, Patros Jäger (Saxophon), Markus Plum (Posaune) und Max Sonntag (Schlagzeug) auf die Bühne zauberten, beinhaltete natürlich auch diese beiden Stilrichtungen. Doch wie selbstverständlich kamen Soul, Funk und nahezu alle weiteren Genres zu ihrem Recht und verschmolzen zu einem großen Ganzen aus Individualität, Virtuosität und purer Spielfreude.

Denn an allererster Stelle standen vom ersten bis zum irgendwann dann leider und unvermeidlich letzten Takt Leidenschaft und Hingabe pur, deren Funken auf das Publikum übersprangen und so eine grandiose Atmosphäre kreierten. Die „Final Virus“-Band interpretierte „Beck’s Bolero“ von Jimmy Page und Jeff Beck, den Beatles-Hit „A Day in the Life“ und huldigte Frank Zappa, dessen Todestag sich am Dienstag zum 25. Mal jährte, auf unverkennbare und dennoch vollkommen eigene Art und Weise. Kraftvolle Soli und Duette standen im ständigen Wechsel mit dem fantastischen und sich perfekt ergänzenden Zusammenspiel des Ensembles. Immer wieder hallte Szenenapplaus durch das Rio.

Im zweiten Set schalteten die Musiker dann sogar noch einmal einen bis mehrere Gänge rauf. Missi Wainwright intonierte zwar nicht ganz wahrheitsgetreu, dafür umso gefühlvoller und mitreißend den Ohrwurm „I’m a man“ der Spencer-Davis-Group in das Mikrofon, bevor Peter Sonntag & Co. mit „I’m a walrus“ auf den Spuren John Lennons wandelten. Unaufhaltsam näherte sich das Konzert seinem emotionalen Höhepunkt, der womöglich mit der Version des King-Crimson-Klassikers „I talk to the wind“, laut Peter Sonntag „eines der schönsten Liebeslieder aller Zeiten“, erreicht wurde. Reno Schnell schrieb gemeinsam mit dem Bandleader in diesen beinahe mystischen Minuten ein Gitarren-Bass-Epos der fast unbeschreiblichen Art und legte mit ihren Mitspielern instrumental und stimmlich einen wahren Klangteppich aus, der das Rio bis in die letzte Ecke ausfüllte.

Ein elektrisierendes Solo von Schlagzeuger Max Sonntag, der im Alter von neun Jahren erstmals einen Teil von „Final Virus“ ausmachte und am Dienstagabend „Toss the feathers“ hören ließ, tat sein übriges. „Wir haben mit Leidenschaft Musik zelebriert und ihr wart ein phänomenales Publikum. Wenn die Chemie zwischen beiden Seiten derart stimmt, dann kommt es zu solch außergewöhnlichen Momenten wie am heutigen Abend. Und dies ist in diesen Zeiten so gesund“, unterstrich Peter Sonntag zum Ende eines Konzerts, das wohl jedem Zeugen, der es im wahrsten Sinne des Wortes erlebt hat, im Gedächtnis bleiben wird.

Und um abschließend die Eingangsfrage von Peter Sonntag zu beantworten: Ja, die Musiker von „Final Virus“ sind wahnsinnig. Wahnsinnig gut in ihrer Hingabe und ihrer Leidenschaft, Musik zu leben und dies ihre Zuhörer in jeder Sekunde spüren zu lassen.

(ran)
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