Film von Geschichtsverein zeigt Eschweiler 1970

Historischer Film : Ein Exkurs in Eschweilers 70er

Die Inde fließt noch unkanalisiert, der Brunnen vor dem Talbahnhof sprudelt und auf dem Markt herrscht reges Treiben: Ein Film, den der Arbeitskreis Röhe des Geschichtsvereins bald veröffentlicht, nimmt den Zuschauer mit ins Eschweiler des Jahres 1970.

„Das ist alles so nicht mehr“, sagt Klaus Fehr, als Bilder der inzwischen abgerissenen, ehemals prächtigen Bauten in der Judenstraße und der längst geschlossenen Frittenbuden an der Indestraße über den Bildschirm laufen. Aber nicht alle Veränderungen, die der 30-minütige Film zeigt, sollten Wehmut bei den Zuschauern hervorrufen, versichert Fehr, Leiter des Arbeitskreises Stadtteilforschung Röhe.

Der Film zeige auch, was Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre noch alles getan werden musste. Vieles war seit Kriegsende vernachlässigt worden, baufällig und marode. „Der Abriss vieler Gebäude ist sicher ein großer Verlust. Was man damals angestoßen hat, hat aber auch dafür gesorgt, dass Eschweiler an vielen Stellen moderner wurde“, sagt Fehr. Straßen, auf denen der Autoverkehr einst Vorrang hatte, sind heute verkehrsberuhigt – zum Beispiel die ehemalige „Rennbahn“ entlang der Neustraße und Marienstraße, auf der früher die Autofahrer umherkreisten, um zu schauen, wer in den Cafés saß.

Das Videomaterial, das Fehr über rund anderthalb Jahre gemeinsam mit Kollegen des Geschichtsvereins gesichtet, sortiert und in eine stringente Reihenfolge gebracht hat, stammt vom Röher Hobby-Filmer Albert Krings. Mit einer Super-8-Kamera hat Krings 1970 unzählige Filmschnippsel aufgenommen. Die Super-8-Technik erlaubte Sequenzen von maximal drei Minuten – mit dementsprechend vielen Abschnitten musste bei der Filmproduktion hantiert werden. Der Geschichtsverein ließ die Filmspule digitalisieren und den – bis dato – stummen Film mit Musik unterlegen. Christel Kuth und Krings selbst liefern den erklärenden Kommentar aus dem Off.

Vorerst 100 Exemplare: Klaus Fehr hat mit Kollegen des Eschweiler Geschichtsvereins rund anderthalb Jahre an dem Film gearbeitet. Foto: ZVA/Kristina Toussaint

„Dafür, dass es das Filmmaterial eines Röhers ist, kommt erstaunlich wenig Röhe darin vor“, merkt Fehr schmunzelnd an. Die meisten Aufnahmen stammen aus dem Stadtzentrum, aber auch aus Pumpe-Stich, Röthgen und eben Röhe sind Eindrücke dabei.

„Insbesondere die Alteingesessenen, die sich selbst an die Zeit in Eschweiler erinnern, werden sicher vieles wiedererkennen“, sagt Fehr. Aber auch für junge Leute sei es interessant, zu sehen, wie sehr sich das Stadtbild verändert habe. Davon überzeugen kann sich jeder bei der öffentlichen Vorführung des Films Anfang November oder im Heimkino: 100 DVDs hat der Geschichtsverein als Erstauflage gepresst, je nach Nachfrage soll nachproduziert werden. Und wenn „Eschweiler 1970“ gut ankommt, könnten die Indestädter vielleicht bald noch mehr Stadtgeschichte zu sehen bekommen: Albert Krings hat noch weitere Super-8-Rollen voller historischer Aufnahmen.

Die Information in einem vorigen Bildtext war falsch, das alte Rathaus steht heute nicht mehr.

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