Kunstszene in Eschweiler aufwerten: Filigrane Objekte und das Wesen des Baumes

Kunstszene in Eschweiler aufwerten : Filigrane Objekte und das Wesen des Baumes

Wieder ist dem Kunstverein gelungen, zwei Künstler zusammenzubringen, die mit ihren Arbeiten die Kunstszene in Eschweiler aufwerten. Während Odine Lang aus Aachen sich mit filigranen Objekten aus der Pflanzen- und Tierwelt beschäftigt hat, gelang es Jhemp Bastin aus Büderscheid in Luxemburg, das Wesen des Baumes herauszustellen.

Und hier waren es vor allem der Eichen- und Buchenbaum mit seinen Stämmen und Ästen, mit dem sich der studierte Bildhauer beschäftigt hatte und daraus fantasievolle Holzskulpturen in Eschweiler ausstellt. Die Einführung hatte am Sonntagmorgen Denise Constanze Botzet, Kulturhistorikerin aus Mainz, aber jetzt in Aachen lebend, übernommen. Dank ihrer detaillierten Erklärung hatte der interessierte Kunstkenner noch einmal einen anderen Blick auf die Objekte.

In den sechs Räumen im 1. Stock des Talbahnhofs treten die Filigranarbeiten und Skulpturen der beiden Künstler, die sich erst in Eschweiler kennengelernt haben, in Dialog. Trotz ihrer Verschiedenheit weisen sie aber auch Parallelen auf. So haben sich beide Protagonisten mit der Natur auseinandergesetzt.

Odine Lang, die als Dozentin den Lehrgang Kunstgeragogik an der Bundesakademie für kulturelle Bildung, Wolfenbüttel, leitet, hat Fundstücke und Blätter aus der Natur gesammelt, Pflanzen getrocknet, sich Zitate und eigene Gedanken notiert, um dann in einem weiteren Schritt die Objekte zu klassifizieren und zu sortieren. Dabei orientiert sie sich immer an der Realität, entwickelt aber eigenständige Muster, wobei die Zuordnung bloße Assoziation ist. Manchmal sind auch dreidimensionale Werke, wie die Draht- und Papierobjekte zeigen, entstanden. Kleine, nicht wahrgenommene Details wie die Staubblätter der Blüten oder der Schmetterlingsstaub wurden vergrößert und durch Biegen, Verknoten und Wickeln der Drähte zu Figuren geformt, die frei im Raum hängend zu betrachten sind.

Mit ihren filigranen Drahtlinien wirken sie teils auch wie Zeichnungen im Raum. Gut gelungen sind ihr die dreidimensionalen Objekte, zu denen der Rotbusch und die Karamellblätter gehören. Die Installation mit dem Rooibostee wirkt beim Betrachter zunächst befremdend, die mit geschmolzenem Zucker ist temporär, weil die äußeren Faktoren wie Feuchtigkeit oder warme Temperaturen von außen die „Leaves“ die Vergänglichkeit spüren lassen. So wie die Blätter vom Baum fallen, tropft die dickflüssige Masse auf den Boden.

Ganz anders sind die Arbeiten von Jhemp Bastin. Während er früher mehr mit Metall gearbeitet hat, ist inzwischen das Holz das Material, das ihn am stärksten fasziniert. Den Stamm der Eichen- , Eschen-, Nussbaum- und Buchenhölzer aus heimischen Wäldern hat er mit der Kettensäge langsam und vorsichtig bearbeitet.

Mit Hilfe des Gasbrenners verändert er teilweise die Oberfläche, während das organisch gewachsene Material sonst intakt bleibt. Das meiste passiert jedoch im Innern. Dabei geht es um die Auslotung eines Gleichgewichts von Licht und Schatten, Spiritualität und Erdung. Die Vielzahl von Einzelwerken — in Eschweiler sind es 22 — sind Momentaufnahmen. Auf der Suche nach einer Ordnung, einer eigenen künstlichen Ordnung hat Jhemp Bastin gerüstartig aus dem Nichts Abstraktes geschaffen. Die Kunstinteressierten sind begeistert und betrachten die zeitgenössischen geheimnisvollen Kunstwerke in einem zweiten Gang mit ganz anderen Augen. Die Ausstellung ist bis 30. September zu sehen.

(mlo)
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