Eschweiler: Feuerwehrkräfte aus Kinzweiler und Röhe proben den Ernstfall

Eschweiler: Feuerwehrkräfte aus Kinzweiler und Röhe proben den Ernstfall

Eine Feuerwehrübung soll so realistisch wie möglich sein. Aber als Unterbrandmeister Michael Schwickert sich dramatisch hustend aus einem Fenster im 1. Stock lehnt und um Hilfe jammert, müssen seine Kameraden unten im Hof des angeblich brennenden Hauses doch erst einmal grinsen über die eindrucksvolle schauspielerische Leistung.

Bis sie endlich die Steckleiter an der Fassade stehen haben und ihren Kameraden retten, vergehen einige Minuten. „Das ist bei einer Übung schon mal so, da dauert es etwas länger als im Ernstfall“, versichert Frank Breuer, der Löschzugführer der Freiwilligen Feuerwehr Kinzweiler, bei der Abschlussbesprechung. Insgesamt aber ist er am Montagabend hoch zufrieden mit der Leistung der Feuerwehrfrauen und -männer aus Kinzweiler und Röhe.

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Die hatten sich einer dramatischen Situation zu stellen. Nach einer Fettexplosion in der Küche eines Reihenhauses, so schildert Brandinspektor Breuer bei der Schlussbesprechung die Ausgangslage, steht die Küche der Wohnung komplett in Brand. Die Ehefrau — dargestellt durch eine schon arg ramponierte lebensgroße Puppe — liege bewusstlos in der Küche. Hilferufe sind zu hören. Der Ehemann ist im 1. Obergeschoss eingeschlossen. Außerdem sei noch ein Kind im Haus. Der Junge, dargestellt von einem Mitglied der Jugendfeuerwehr, habe sich ängstlich im Dachgeschoss verkrochen.

Manöverkritik: Zur Abschlussbesprechung stellen sich die Feuerwehrleute aus Kinzweiler und Röhe im Kreis auf.

Extra-Schwierigkeiten

Und tatsächlich dringt dicker Qualm heraus, als der erste Trupp unter Atemschutz die Haustür öffnet. Es gibt ein paar Extra-Schwierigkeiten. Im Erdgeschoss ist in einem Abstellraum eine Gasflasche versteckt. Sie wird schnell gefunden und ins Freie geschafft. Und die Rettung des Ehemannes alias Unterbrandmeister Schwickert gestaltet sich schwierig. Erst passt einer der Retter nicht durch das Fenster, weil die Atemschutzflasche auf seinem Rücken stört. Und dann lässt sich Schwickert nur sehr widerwillig retten: „Ich habe Höhenangst!“ schreit er, verfehlt absichtlich Sprossen der Leiter, klammert sich am Fensterrahmen fest. Aber er wird sicher angeseilt hinunter bugsiert — um dann im Hof theatralisch zusammen zu brechen. Genau so habe er es bereits bei einem Ernstfall erlebt, berichtet er hinterher: „Mit solchen Situationen müssen Feuerwehrleute rechnen.“

Mindestens zweimal im Jahr probt der Löschzug 21 gemeinsam mit dem Partnerlöschzug 22 aus dem Stadtteil Röhe den Ernstfall. Dass den Feuerwehrleuten dabei am Montag im Hof der Oberen Mühle in Kinzweiler Mitarbeiter der Tageszeitungen und der Feuerwehrpresse fast auf den Füßen standen und jeden Handgriff kritisch beobachteten, hat einen guten Grund.

„Die Kameraden aus Kinzweiler, Hehlrath und St. Jöris wollen die Öffentlichkeit für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr sensibilisieren und neue Mitglieder werben“, sagt Oberfeuerwehrmann Stefan Horbach. Er ist verantwortlich für eine Imagekampagne des Löschzugs, die derzeit in den drei Orten im Nordwesten der Stadt Eschweiler läuft.

Nachwuchs dringend nötig

Der Hintergrund: „Seit Jahren sinken die Mitgliederzahlen im Ehrenamt drastisch. Vor drei Jahren waren noch 26 Ehrenamtliche in der aktiven Wehr. Derzeit sind nur noch eine Frau und 17 Männer aktiv dabei, da einige Mitglieder altersbedingt aus dem aktiven Dienst in die Ehrenabteilung gewechselt sind. Andere Kameraden sind weggezogen.“ Nun versuchen die Wehrleute aus Kinzweiler, neue Helfer ab 18 Jahren zu gewinnen. Auch auch jüngere Interessenten sind willkommen — ab zehn Jahren dürfen Mädchen und Jungen in der Jugendfeuerwehr erste Erfahrungen sammeln.

„Auf Eigenlob und Heroisierung der Arbeit haben wir bei unserer Kampagne bewusst verzichtet“, sagt Stefan Horbach. Aber er weiß auch: Das Gefühl, Menschen in Not geholfen zu haben, ist etwas ganz Tolles, und es gehört zu dieser ehrenamtlichen Aufgabe ebenso dazu wie die wunderbare Kameradschaft innerhalb des Löschzuges.

Dies zeigte sich auch nach dem Ende der Übung am Montag. Als alle Schläuche aufgewickelt und alle Atemschutzgeräte eingesammelt waren, hieß es: „Wir treffen uns nachher am Gerätehaus, da gibt es etwas Gegrilltes, Brot, Salat und ein paar Bierchen.“

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