Rettungsübung und Schockraumtraining: Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte üben für den Ernstfall

Rettungsübung und Schockraumtraining : Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte üben für den Ernstfall

Ein spektakuläres Unfallszenarium hat es am Samstag auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr am Florianweg gegeben. Allerdings wurde „nur“ für den Ernstfall geübt.

Fröhlich pfeifend lenkt ein Mann seinen Lkw über eine Landstraße. Sekunden später verstummt das Pfeifen, ein lauter Knall, und das Führerhaus des Lastkraftwagens „klebt“ an einem Baum. Beim Abbiegen auf die Landstraße hat der Lkw-Fahrer eine zügig herankommende Fahrradfahrerin übersehen und angefahren. Bei seinem Ausweichmanöver prallt er gegen einen dicken Baum und ist in seinem Fahrerhaus eingeklemmt. Ein mit hoher Geschwindigkeit herankommender Pkw übersieht die Unfallstelle und fährt von hinten auf den Lkw auf. Die Radfahrerin liegt mit verdrehten Gliedmaßen direkt vor dem Lkw auf dem Boden und stöhnt vor Schmerzen. Auch aus dem Pkw, in dem sich vier verletzte Personen befinden, ist ein leises Wimmern zu vernehmen. Ein Zeuge wählt sofort den Notruf.

Dieses spektakuläre Unfallszenarium konnte man am Samstag auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr am Florianweg verfolgen. Das Regionale Traumazentrum Eschweiler (im Trauma-Netzwerk Euregio Aachen) und die Feuer- und Rettungswache Eschweiler probten gemeinsam unter der Leitung von Oliver Heiber, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie am St.-Antonius-Hospital, und Feuerwehrchef Axel Johnen den Ernstfall und die Abläufe von realitätsnahen Unfallszenarien mit mehreren Polytraumatisierten – von der Alarmierung bis zum Abtransport ins Krankenhaus, um so bestmögliche Versorgungsabläufe in jeder Situation zu gewährleisten.

Zig Tausende Menschen erleiden jährlich im Straßenverkehr Unfälle und dabei lebensbedrohliche Mehrfachverletzungen, so genannte Polytraumata. Häufig entscheidet die erste Stunde nach dem Unglück über Leben und Tod.

Das Szenario am imaginären Unfallort: Der Notarztwagen trifft ein, die Feuerwehr eilt mit mehreren Einsatzfahrzeugen an den Unfallort. Die Retter eruieren blitzschnell die Lage. Der Notarzt fordert weitere Kollegen an. Sechs Personen sind verletzt, davon zwei lebensgefährlich, zwei schwer und zwei leicht verletzt. Für die Rettungskräfte heißt es nun Ruhe bewahren, die Situation checken und die richtigen Entscheidungen treffen. Eine Aufgabe, die über Leben und Tod entscheidet.

Während die Feuerwehr den eingeklemmten Lkw-Fahrer aus dem Lastwagen befreit, wird die Radfahrerin mit lebensgefährlichen Becken- und Brustkorbverletzungen und zusammengefallener Lunge zuerst per Helikopter in die Uniklinik Aachen geflogen. Der Mann ist zwar bei Bewusstsein, klagt aber über Atemnot und Thoraxschmerzen – und sein linker Oberschenkel blutet stark. Auch er wird so schnell wie möglich ins Eschweiler Krankenhaus gebracht. Zwei Insassen aus dem Pkw werden mit schweren Verletzungen ebenfalls in die Klinik gebracht.

Der Mitfahrer, der nicht angeschnallt auf dem Rücksitz gesessen hat, liegt quer im Auto und klagt über Schmerzen im Thorax, Unterbauch und rechtem Unterschenkel. Außerdem hat er eine blutende Kopfplatzwunde. Der Beifahrer hat ebenfalls eine Platzwunde am Kopf und klagt über leichte Brustkorbschmerzen. Der Fahrer und eine weitere Person, die auf dem Rücksitz des Pkw saß, erleiden Platzwunden am Kopf und stehen unter Schock. Die beiden werden nach der Erstversorgung ins Rhein-Maas-Klinikum gebracht.

Es ging bei der Übung um die Alarmierung bis hin zum Abtransport ins Krankenhaus – um bestmögliche Versorgungsabläufe in jeder Situation zu gewährleisten. Foto: Irmgard Röhseler

Schon am frühen Morgen hatten sich Ärzte, Feuerwehrleute und Pflegekräfte in der Feuerwache versammelt, um gemeinsam verschiedene Rettungstechniken zu üben. Thema des theoretischen Teils war der Opferschutz. Zwei Polizeibeamte klärten darüber auf, wie die Polizei einen Unfall rekonstruiert und analysiert. Darum sei es wichtig, dass auch die Rettungskräfte darauf achten sollten, keine Spuren zu verwischen. Weitere Themen waren die psychologische Unterstützung von Unfallopfern und die Versorgung von Hinterbliebenen.

Jedes Jahr verunglücken in Deutschland 35.000 Menschen im Straßenverkehr, bei der Arbeit oder während der Freizeit, und erleiden dabei teils lebensbedrohliche Mehrfachverletzungen (Polytraumata). Etwa 20.000 Menschen sterben noch am Unglücksort.

Bei der Versorgung von Unfallopfern zählt jede Minute. Im Regionalen Traumazentrum im St.-Antonius-Hospital (SAH) ist man rund um die Uhr auf die Versorgung Schwerverletzter vorbereitet. Bereits seit 2010 ist das SAH von der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie als „Regionales Traumazentrum im Trauma-Netzwerk Euregio Aachen“ anerkannt und bestätigt immer wieder erfolgreich die extrem hohen Qualitätsanforderungen, die zur bestmöglichen Versorgung Schwerverletzter erfüllt werden müssen.

Mehr von Aachener Nachrichten