Eschweiler: Feuer zu löschen ist in Eschweiler inzwischen die Ausnahme

Eschweiler : Feuer zu löschen ist in Eschweiler inzwischen die Ausnahme

Als kleiner Junge wollte wohl jeder männliche Indestädter entweder Superman oder Feuerwehrmann werden. Menschen heldenhaft das Leben zu retten, weckt vor allem bei Kindern Fantasie.

Dass der Beruf des Feuerwehrmann allerdings inzwischen wenig mit den Filmhelden gemeinsam hat, die sich in die Flammen stürzen, erlebten nun einige Leser unserer Zeitung, die sich im Rahmen unserer Aktion „Sieben mal Sommer“ in die Hauptwache am Florianweg begaben.

Dort belegte Feuerwehrchef Axel Johnen mit einfachen Zahlen, dass die Brandbekämpfung nur zu einem geringen Teil den Alltag in der Wache bestimmt: Bei den 11091 Einsätzen im vergangenen Jahr war nur in 159 Fällen ein Feuer zu löschen. 5917 Anrufe forderten den Rettungsdienst, was damit den größten Anteil ausmacht. Die Feuerwehrleute sind deswegen nicht nur in der Brandbekämpfung geschult, sondern haben auch Ausbildungen für die Fahrten mit dem Rettungswagen durchlaufen.

Zusätzliche Ausbildung

Auch wenn das Telefon in der Einsatzzentrale nicht klingelt, gibt es reichlich in der Wache zu tun. „Das Bild der Feuerwehr, die tagsüber Skat spielt und Kaffee trinkt, wird jeder überdenken, der einmal in der Feuerwache war“, sagt Axel Johnen. Die Feuerwehrleute haben nicht nur Feuerwehr-Lehrgänge absolviert, sondern auch in den meisten Fällen eine andere Berufsausbildung vorgeschoben. Viele Arbeiten können darum in der Wache selbst erledigt werden. Dies hilft auch, wenn neue Container ausgestattet werden.

Viele Fahrzeuge in der Wache haben schließlich nicht nur eine Funktion, sondern können in wenigen Minuten umgerüstet werden. „Das Prinzip, mit Containern und Wechselladern zu arbeiten, hat sich in den vergangenen Jahren bewährt“, schildert Feuerwehrmann Marcel Krott. Natürlich stellen Leser die Frage nach den Kosten. Das Trägerfahrzeug schlage mit etwa 200.000 Euro zu Buche, ein großer Container müsse abhängig von der Ausstattung mit 300.000 bis 400.000 Euro kalkuliert werden. „Dafür hält es auch lange“, schiebt Krott hinterher. Aktuell will die Feuerwehr eine neue Drehleiter anschaffen. In diesem Fall kommen schnell 700.000 bis 800.000 Euro an Investitionskosten zusammen.

Manche mögen bei solch großen Zahlen zucken, allerdings machen die Feuerwehrleute in der Hauptwache deutlich, dass der technische Fortschritt auch im Feuerwehrwesen rasant an Fahrt gewinnt. Die Stadtverwaltung hat auch strukturell auf die Veränderungen reagiert und die Feuerwehr in ein eigenes Amt gepackt. Der Leiter des Amtes ist auch gleichzeitig der Chef der Eschweiler Feuerwehr, Axel Johnen.

Er rechnet damit, dass man das Team mit derzeit 70 Wehrleuten in naher Zukunft auf 80 Personen aufstocken muss. Seine Begründung: „Eschweiler ist eine wachsende Stadt.“ Schon jetzt ist man am Florianweg für Unfälle und Ereignisse auf 218 Kilometer Gemeindestraßen, 18 Kilometer Schiene und 29 Kilometer Bundesautobahn zuständig. Vor allem letztere sorgt für zahlreiche Einsätze, vor allem an Wochenenden. Wie viele Personal eine Feuerwehr stellen muss, wird nach dem sogenannten Brand- und Katastrophenschutzbedarfsplan ermittelt.

270 Mitglieder

Die Hauptwache kann in Eschweiler auf eine breite Unterstützung freiwilliger Feuerwehrleute zählen: Etwa 270 Mitglieder zählt sie derzeit, die in acht Löschzügen über die Stadt verteilt sind. In den vergangenen Jahren ist auch die Nachwuchsförderung verstärkt worden — mit Erfolg: 79 Kinder und Jugendliche werden in sieben Jugendgruppen an die Aufnahme in die „große“ Feuerwehr herangeführt. Beim Stadtfest wird eine Gruppierung eine musikalisch wichtige Rolle spielen: das Orchester der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler. In der 81 Personen umfassenden Ehrenabteilung befinden sich die Feuerwehrleute, die aus dem aktiven Dienst aus Alters- oder Gesundheitsgründen ausgeschieden sind.

Wer hauptamtlich als Retter tätig ist, muss ohnehin immer schauen, fit zu sein. Im Keller der Hauptwache gelangt man zum Fitnessraum, der während der 24-Stunden-Schichten immer wieder genutzt wird. Einige Räume davor wird der Ernstfall getestet: in der sogenannten Atemschutzübungsstrecke. Die Anforderungen an die Feuerwehrleute sind enorm. Alleine die Sauerstoffflasche wiegt 25 Kilogramm, die ständig ebenso wie die Atemmaske und der Schutzanzug getragen werden muss, während man durch das enge Gitterlabyrinth klettert. Da die Durchgänge sehr eng sind, wird auch die Übung wie im echten Einsatz zu zweit absolviert. „Mein Partner ist meine Lebensversicherung“, sagt Marcel Krott. Es könne schließlich immer vorkommen, dass man sich selbst nicht mehr aus einer misslichen Lage befreien kann.

Einmal im Jahr muss man einen anspruchsvollen Leistungstest bestehen, bei dem eine 70 Kilogramm schwere Puppe befreit werden soll. Die Strecke in einer bestimmten Zeit zu schaffen, ist dann nicht das einzige Kriterium. Es muss auch bis zum Schluss Sauerstoff in der Flasche vorhanden sein. Untrainierte werden schneller kurzatmig und verbrauchen mehr Atemgase. Wenn man den Test nicht besteht, kann man nicht mehr im Atemschutz eingesetzt werden — im schlimmsten Fall droht ein „Bürojob“.

Die Arbeit in einem Stuhl befindet sich im Herzstück der Feuerwache, in der Einsatzzentrale. Dort laufen nicht nur alle Notrufe auf, sondern an Wochenenden wird auch der Notdienst des Ordnungsamtes dort aufgeschaltet. Die Monitore geben einen detaillierten Überblick, welches Fahrzeug sie wo befindet. Sämtliche Kerneinsatzzahlen lassen sich dort abrufen. Da in Gefahrensituationen nicht jeder klar seinen Namen, den Ort und den Hergang des Vorfalls schildern kann, kann man dort jede Nummer zurückverfolgen — auch wenn man sie selbst unterdrückt hat. Bei eingetragenen Festnetzanschlüssen wird sofort die Adresse angezeigt. Die Sekunden, die so gewonnen werden, können über Leben und Tod entscheiden.

In einem Einsatz hat die Feuerwehr zwar Vorfahrt, jedoch nicht an der Bahnschranke. Lediglich die Ampel am Florianweg und an der Einmündung der Odilienstraße auf die Röthgener Straße lassen sich aus der Zentrale ansteuern. Einfluss auf die Schranke am Langwahn zu nehmen, war zwar in der Diskussion, wurde jedoch aus „juristischen Gründen“ wieder verworfen, wie Feuerwehrchef Axel Johnen bestätigt.

Bei den Lesern unserer Sommertour rief diese Aussage Kopfschütteln hervor. Bei der Rundreise durch die Wache machten sie Halt an der Schlauchreinigungsanlage und dem Turm, in dem die Schläuche zum Trocknen aufgehängt werden. Im katakomben-gleichen Keller lernten sie den kühlsten Raum der Wache kennen, in dem sich die Server und ein Wirrwarr an Kabeln befinden. Wenige Türen weiter können die Atemschutzmasken gereinigt und desinfiziert werden. Natürlich warfen die beiden Gruppen einen Blick in die Wagenhalle, um dann schließlich selbst zur Tat zu schreiten: Wer wollte, konnte sich mit der Drehleiter auf etwa 30 Meter Höhe hieven lassen. Vor allem die Jüngsten übten am Wasserschlauch und unternahmen schließlich eine kleine Rundfahrt über das Gelände — Martinshorn und Blaulicht inklusive.

Katze auf dem Baum

Ein Rätsel wurde während der interessanten Exkursion auch gelöst: Warum befindet sich Streu, Käfige und Tiernahrung im Keller der Hauptfeuerwache? „An Wochenenden nehmen wir auch herrenlose Tiere auf, die uns Menschen bringen“, erläutert Marcel Krott. Seltener kommt es vor, dass Tiere selbst aus einer schwierigen Situation von der Feuerwehr befreit werden müssen. Meistens steckt eine Katze auf dem Baum. Wachleiter Johnen bleibt bei solchen Einsätzen immer sehr gelassen: „Meistens springt die Katze in dem Moment runter, wenn wir sie mit der Drehleiter erreichen — dies hat die Erfahrung gelehrt.“

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