Fest auf dem Eschweiler Markt zur neuen Städtepartnerschaft

Eschweiler verschwistert sich mit Sulzbach-Rosenberg : Oberpfälzer feiern in Eschweiler Premiere

Eigentlich haben die Oberpfälzer mit dem nassen Element wenig Berührungspunkte. Ihr nächster Zugang zum Meer liegt 439,9 Kilometer von Sulzbach-Rosenberg entfernt. Luftlinie. Wer ins italienische Sistiana bei Triest fährt statt fliegt, der muss sogar 700,6 Kilometer hinter sich bringen.

Und dennoch haben die Sulzbach-Rosenberger ein enges Verhältnis zur Marine. Für die Soldaten der Bundesmarine unterhält die 20.000-Einwohner-Stadt seit 55  Jahren eine Patenschaft. Damit soll nicht nur die freundschaftliche Beziehung zwischen Bevölkerung und Marine gefördert, sondern auch der humanitäre Einsatz der Soldaten gewürdigt werden.

1964 besuchte eine 40-köpfige Delegation aus Sulzbach-Rosenberg den Minensucher „Schütze“. Um die Kontakte und Freundschaften zu vertiefen, beschloss der Stadtrat, offiziell die Patenschaft für das Minensuchboot zu übernehmen. Viele gegenseitige Besuche folgten. Nach der Stilllegung der „Schütze“ 1992 übernahm die Stadt die Patenschaft für das Minenjagdboot „Sulzbach-Rosenberg“.

Eine Patenschaft, die ihre Schwierigkeiten hat: Wollen die Sulzbach-Rosenberger „ihren“ Matrosen auf „ihrem“ Minenjagdboot einen Besuch abstatten, müssen sie das ein Jahr im Voraus planen, damit das Boot auch tatsächlich im Heimathafen Kiel liegt und nicht gerade in der Südsee kreuzt. Und dass das 54 Meter lange Boot jemals auf Gegenbesuch nach Sulzbach-Rosenberg kommt, ist kaum zu erwarten.

Das soll sich bei der ersten Partnerschaft, die Sulzbach-Rosenberg nun knüpft, ganz anders darstellen. Sie soll vom regen Austausch zwischen Bürgern, Vereinen, Schulen und Institutionen leben. Anfang April unterzeichnete Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram in der Oberpfalz die Urkunde zur Städtepartnerschaft; am kommenden Wochenende will sein Sulzbach-Rosenberger Kollege Michael Göth in Eschweiler das gleiche tun.

Für die Indestädter, die ihre dritte Städtepartnerschaft nicht nur mit Gästen aus der Oberpfalz, sondern auch aus ihren bisherigen Partnerstädten Wattrelos und Reigate & Banstead feiern wollen, Anlass für ein buntes Volksfest, zu dem jedermann eingeladen ist. Das beginnt am Samstag kommender Woche um 15 Uhr auf dem Marktplatz. Mit Live-Musik, Oberpfälzer und Rheinischen Köstlichkeiten und süffigem „Sperberbräu“-Bier aus Sulzbach-Rosenberg. Und mit Infoständen über Wattrelos, Reigate & Banstead und natürlich Sulzbach-Rosenberg.

Zuvor bereits, um 10.30 Uhr, findet der Partnerschafts-Festakt mit über 150 geladenen Gästen im Ratssaal statt, musikalisch gestaltet von einem Lehrer-Ensemble der Sing- und Musikschule Sulzbach. Danach bietet die Stadt den Sulzbacher Gästen eine Fahrt durch den Tagebau, eine Besichtigung des Kraftwerks Weisweiler und einen Stadtbummel an: Und am Abend mischt man sich beim Wendelinusfest in Hastenrath unters Volk.

Der Sonntag beginnt mit einer Eucharistiefeier um 9.30 Uhr in St. Peter und Paul; ein evangelischer Gottesdienst in der Dreieinigkeitskirche beginnt um 11 Uhr. Von 10 bis 11.30 Uhr bietet Simon Küpper vom Geschichtsverein eine Stadtführung an.

Bürgermeister Rudi Bertram freut sich auf die neuen Partner: „Ich habe da nur sehr angenehme Leute kennengelernt. Ich freue mich, die wiederzusehen“, erinnert er sich an den Wochenendbesuch der Eschweiler Delegation in der Oberpfalz Anfang April. Der hat auch Hartmut Fröhlich, den Vorsitzenden des Partnerschaftsvereins Eschweiler, begeistert. „Sulzbach-Rosenberg liegt in einer sehr interessanten, idyllischen Kurzurlaubsregion, 50 Kilometer von Nürnberg und ebensoweit von der tschechischen Grenzen entfernt. Da fühlt man sich fast wie in den Hügeln der Eifel.“

Wie Fröhlich setzen auch Rudi Bertram und Schul-, Sport- und Kulturamtsamtsleiterin Petra Seeger darauf, dass die neue Partnerschaft auf breiter Basis gelebt werden wird. Begonnen hat sie zu Zeiten, da die Eschweiler Röhrenwerke von der Sulzbacher Maxhütte geführt wurden. Kontakte, die dann von der Narrenzunft Pumpe-Stich und der Sulzbacher Knappnesia weitergeführt und vertieft wurden.

„Inzwischen steht fest, dass sich auch abgesehen von der Maxhütte immer mehr Anknüpfungspunkte finden“, sagt Rudi Bertram. Dass das Technische Hilfswerk, die Naturfreunde, die IGBCE, die Eefelkank und der Geschichtsverein bereits Kontakte in die Oberpfalz geknüpft haben, freut Bertram: „Es nutzt nichts, wenn nur die beiden Bürgermeister sich gut verstehen.“ Petra Seeger hofft, dass es auch zwischen den Schulen beider Städte einen regen Austausch geben wird. Um den voranzubringen, plant man laut Hartmut Fröhlich nun auch in Sulzbach den Aufbau eines Partnerschaftsvereins nach Eschweiler Vorbild.

Fröhlich und seine Mitstreiter haben ihre nächste Sulzbach-Tour schon fest im Blick: Ende Juni kommenden Jahres wollen sie mit großem Aufgebot zum historischen Altstadtfest in die neue Partnertstadt reisen. Für dieses Jahr war der Planungszeitraum zu kurz.

Aber zunächst einmal wird in Eschweiler gefeiert: am 15. Juni ab 15 Uhr auf dem Marktplatz.