Eschweiler-Bergrath: „Ferkes Tünn“ hat wieder ein schönes Zuhause

Eschweiler-Bergrath: „Ferkes Tünn“ hat wieder ein schönes Zuhause

Im Text zur Eintragung der St.-Antonius-Kapelle in die Denkmalliste der Stadt Eschweiler wird die Entstehung des Kapellengebäudes mit „im Kern 15. Jahrhundert“ angegeben. Veränderungen wurden laut Eintragungstext im 18. Jahrhundert vorgenommen.

Demnach ist der Heilige Antonius, der Einsiedler oder der Große und im Volksmund „Ferkes Tünn“ genannt, hier schon seit über 500 Jahren präsent. Die Anfänge der Kapelle könnte man sich nahezu als Einsiedelei vorstellen. Der jetzige Ort, die Kreuzung Wilhelmstraße/Antoniusstraße, war freies Feld-, Wald-, und Wiesenland. Allenfalls befand sich dort eine Wegekreuzung.

Von freier Landschaft kann inzwischen keine Rede sein. Von den Bergrather Bürgern wird der Heilige Antonius, der als Schutzpatron der Bauern und ihrer Nutztiere gilt und der zur Heilung von Krankheiten angebetet wird, bis heute verehrt. So haben Hella und Günter Winden zur Feier ihrer Goldhochzeit im Sommer mit Hilfe ihrer Gäste eine großzügige Spende — rund 10.000 Euro und viel Eigenleistung — für die denkmalgerechte Sanierung zusammengebracht. „Wir Bergrather wissen, was wir an unserem Kapellchen hatten und haben“, sagt Rudi Bertram.

Fronleichnam am Kapellchen

Der Bürgermeister ist selbst Bergrather und erinnert sich an frühere Fronleichnamsfeste, an denen der Bereich rund um die Kapelle mit einem Teppich aus Blumen ausgelegt war. „Vielen Dank an alle, die sich beteiligt haben“, betonte Bertram dann auch. Und Günter Winden ergänzte: „Auch wenn die Sanierung sich gezogen hat, so hat sich die Investition doch gelohnt: Es ist ein schönes Denkmal geworden.“ Die Nachbarschaft hat das Ehepaar Winden ebenfalls mit ins Boot geholt, „wir fühlen uns der Kapelle verpflichtet und möchten mit der Sanierung auch jüngeren Leuten einen Blickwinkel für Kulturgut geben“, sagte Winden.

Die Stadt Eschweiler, die Eigentümerin der Kapelle ist, wie sich nach Recherchen vor fast zehn Jahren herausstellte, hat die Spende dankbar angenommen und die Sanierung und Restaurierung durch ihre Untere Denkmalbehörde intensiv betreut. Sie hat auch für die Ausführung der anfallenden Nebenarbeiten (Graben, Fallrohre, Grünanlage) gesorgt und die Kosten dafür übernommen. Und jetzt hat das Kapellchen auch die Denkmalplakette. Günter Winden hat sie mit Enkelsohn Peter angebracht.

Dazu gab‘s von Irmgard Mailandt von der Denkmalbehörde eine Urkunde: „Familie Winden erhält diese Urkunde in Verbindung mit der Denkmalplakette des Landes Nordrhein-Westfalen für das Denkmal... in Anerkennung der Verpflichtung, das Denkmal im Interesse der Allgemeinheit zu erhalten und so zur Bewahrung des kulturellen Erbes beizutragen“, heißt es darin. Die neu geweißte Antoniuskapelle strahlt nun wieder in ihre Umgebung. Der Geist des Heiligen Antonius, der sein Hab und Gut verschenkte, um in Einfachheit und in der Einsamkeit der Wüste zu leben, um gegen alle Anfechtungen zu bestehen, kann sich, zeitgemäß interpretiert, neu entfalten.

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