Ferienwerk Weisweiler lädt zu Jubiläumsveranstaltung ein

Jubiläum : Ferienwerk Weisweiler feiert 50. Geburtstag

„Ameland, schönes Land, Perle im Meer, ja Meer“, so lautet der Refrain des Ameland-Lieds, das wohl die meisten Eschweiler, insbesondere die Weisweiler, kennen dürften. Zu verdanken haben sie es oftmals sicherlich dem Ferienwerk Weisweiler.

Seit 40 Jahren organisiert das Ferienwerk Kinder- und Jugendreisen auf die westfriesische Nordsee-Insel. Das Ferienwerk selbst gibt es schon länger: Es feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen.

Seit seiner Gründung im Jahr 1968 hat sich das Ferienwerk Weisweiler zum Ziel gesetzt, Familien, Kindern, Jugendlichen sowie Senioren preisgünstige Urlaubsreisen anzubieten. Die Anfänge des heute bis weit über die Eschweiler Stadtgrenzen hinaus bekannten Vereins entstanden schon einige Jahre zuvor: ungefähr 1965, als Pfarrer Josef Zitzen die Pfarre St. Severin Weisweiler übernahm. Kurz darauf überlegte er sich zusammen mit seinem Kollegen von St. Johannes Baptist in Hücheln, Pfarrer Rudolf Peschel sowie der Kommune Weisweiler, damals noch Langerwehe angehörig, und weiteren interessierten Bürgern aus Weisweiler, wie sie Familien preisgünstigen Urlaub ermöglichen könnten. Die Gründungsidee des heutigen Ferienwerks Weisweiler war geboren. Die ersten Reisen in den 60er und 70er Jahren gingen hauptsächlich nach Oppenhausen in den Hunsrück – meist in die Pension „Zum schwarzen Peter“.

Um die Organisation der Urlaubsfahrten weiter zu festigen und zudem Zuschüsse für die vielen bedürftigen Familien zu erhalten, wurde das Ferienwerk Weisweiler 1968 als gemeinnütziger Verein gegründet. So bestand der erste Vorstand des Ferienwerks neben den beiden Pfarrern auch aus Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler sowie verschiedenen Vereinen wie dem Schwimmverein und den Schützen. Von Anfang an begleiteten Freiwillige ehrenamtlich alle Reisen, um vor Ort für die Familien zu kochen, Unternehmungen zu planen oder einfach die Kinder zu betreuen. Das Konzept kam gut an und so schlossen sich bereits im Gründungsjahr 100 Mitgliedsfamilien dem Ferienwerk an.

Im Laufe der Jahre kamen zu Oppenhausen weitere Urlaubsziele hinzu. Zeitweise wurden drei bis vier Ziele jährlich in den Sommerferien angefahren. Die zwei- bis dreiwöchigen Reisen gingen unter anderem nach Spanien, Frankreich, Italien, Österreich und Norwegen. Manche Fahrten waren nur für Erwachsene, manche besonders für Jugendliche oder Familien mit Kindern konzipiert. Besonders beliebt waren der Neusiedler See an der heutigen Grenze zwischen Österreich und Ungarn sowie der Gardasee in Italien. Ab 1970 unternahm die Pfarre St. Severin Weisweiler, dann unter Pfarrer Ludwig Gieswinkel, auch erstmals Fahrten nach Ameland. 1980 übernahm das Ferienwerk Weisweiler die Organisation dieser Ameland-Fahrten und bietet sie bis heute mindestens einmal jährlich an.

Während das Interesse an den Familien- und Seniorenreisen in den 70er, 80er und 90er Jahren sehr groß war, hat es in den vergangenen Jahren nachgelassen. Dementsprechend hat das Ferienwerk Weisweiler sein Angebot kontinuierlich angepasst. Früher gab es zusätzlich zu den längeren Reisen in den Sommerferien noch Fahrten in den Oster- und Herbstferien sowie zahlreiche mehrtägige Busreisen und Tagesfahrten. Für die Mehrtagesfahrten gab es zuletzt zu wenig Interessenten, so dass dieses Jahr die letzte stattfand.

Mittlerweile steht neben einigen Tagesfahrten, zum Beispiel zum Phantasialand, nur noch Ameland auf dem Programm. Ergänzend veranstaltet das Ferienwerk aber seit ungefähr zehn Jahren zusammen mit der evangelischen Pfarrgemeinde Weisweiler/Dürwiß und dem Malteser Hilfsdienst in der „Arbeitsgemeinschaft Osterferienspiele Weisweiler“ die viertägigen Osterferienspiele in der zweiten Osterferienwoche.

Das rückläufige Interesse am Angebot des Ferienwerks spiegelt sich auch in den Mitgliederzahlen des Vereins wider. Von 100 Familien im Jahr 1968 erreichte das Ferienwerk noch 2012 ein absolutes Hoch von 600 Mitgliedsfamilien und zählt derer aktuell nur noch 350. Winand Schönchens, seit 1985 1. Vorsitzender des Ferienwerks, sieht dafür mehrere Gründe. Zum einen wurden vor etwa 20 Jahren die Zuschüsse für die Senioren- und Familienfahrten gestrichen. Dann die für Jugendliche. Zum anderen habe sich das Freizeitverhalten der Familien heutzutage geändert. „Die wenigsten Erwachsenen nehmen sich mehrere Wochen Urlaub, um diesen komplett mit der Familie zu verbringen. Außerdem gibt es nicht mehr diesen Gemeinschaftssinn unter Familien und Kindern, sich im Urlaub einen Schlafsaal mit anderen zu teilen“, sagt Schönchens.

Dennoch käme es für ihn und den Verein nicht in Frage, das Angebot gänzlich einzustellen: „Wir sind ja in Eschweiler mittlerweile die einzigen, die sowas noch anbieten. Und zum Glück haben wir für die Ameland-Fahrten noch hohen Zuspruch. Es gibt in Eschweiler kaum einen, der noch nicht auf Ameland war. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.“ Es sei zwar auch etwas schwieriger geworden, Betreuer zu finden, aber dennoch gäbe es keinen Grund zu klagen. „Viele ehemalige Teilnehmer werden als junge Erwachsene selbst Betreuer. Manchmal legen sie wegen Ausbildung oder Studium eine Pause ein, aber machen danach weiter mit. Sie opfern ihre Freizeit, um Kindern und Jugendlichen einen schönen Urlaub zu ermöglichen“, erklärt Winand Schönchens.

Die Ameland-Fahrt erfreut sich somit weiterhin großer Beliebtheit. Schon wenige Wochen nach der Ausschreibung zur Teilnahme, die übrigens nicht nur Mitgliedern des Ferienwerks, sondern auch Nicht-Mitgliedern offen steht, ist die Reise jedes Jahr ausgebucht. Während es früher zeitweise mit zwei Gruppen jeweils drei Wochen der Sommerferien auf die Insel ging, fährt heute nur noch eine Gruppe für zwei Wochen in ein großes Ferienhaus. Rund 75 Kinder und circa 18 Betreuer entdecken dann unter anderem den Hauptort Nes und den bekannten rot-weißen Leuchtturm. Laut Winand Schönchens kommen zwei Drittel der Teilnehmer meist aus Eschweiler, das andere Drittel aus der Umgebung wie den Nachbarstädten Stolberg und Düren, aber auch aus anderen Teilen Nordrhein-Westfalens wie Mönchengladbach und Düsseldorf.

Dank finanzieller Unterstützung der Städte sowie des Ferienwerks selbst, können jedes Jahr vor allem bedürftige Kinder Ameland kennenlernen. So durften sich diesen Sommer spontan zwei Kinder aus Eschweiler, deren Familienheim abgebrannt war, der bereits ausgebuchten Ameland-Reise anschließen. Natürlich völlig kostenlos für die Familie. Auch Flüchtlingskinder sind jederzeit willkommen. „Dafür sind wir ja da. Dass Kinder, besonders, die die Schlimmes erlebt haben, für ein paar Wochen alles vergessen können und einfach Spaß mit anderen Kindern haben“, sagt Winand Schönchens.

Auch die Jubiläumsveranstaltung zum 50-jährigen Bestehen des Ferienwerks, die diesen Samstag, 1. Dezember, ab 19 Uhr in der Weisweiler Festhalle stattfindet, steht ganz im Zeichen der Kinder. Die gesamten Erlöse des Abends kommen dem Eschweiler Verein „Lichtblicke“ zugute, der sich für krebskranke und schwerstkranke Kinder engagiert. Neben den Eintrittsgeldern gehen auch die Einnahmen vom Losverkauf an diesem Abend an den karitativen Verein. Die Lose kosten jeweils einen Euro und der Hauptpreis, eine Reise an den Gardasee, wird von niemand geringerem als dem ehemaligen Fußballprofi Simon Rolfes, Vorstandsmitglied von „Lichtblicke“, gezogen.

Das Programm des Jubiläumsabends wird dabei von Akteuren gestaltet, die dem Ferienwerk Weisweiler nahestehen: Dem Jugendchor Lautstark St. Severin Weisweiler, dem Projektchor „Urklang“ der Pfarre St. Severin Weisweiler, dem Tanzcorps Höppe Kroetsch und dem Trompetenkorps „Die Weisweiler“, beide von der KG Lätitia Blaue Funken Weisweiler, sowie von Büttenredner Alfred Wings alias „Der Lange“ von der KG Narrengarde Dürwiß. Nach dem offiziellen Programm spielt außerdem die Coverband Heartbeat zum Tanz. Alle Auftretenden verzichten für den guten Zweck auf ihre Auftrittsgelder. Schirmherr der Veranstaltung ist Bürgermeister Rudi Bertram. Der Vorstand des Ferienwerks Weisweiler freut sich auf zahlreiche Mitglieder und Gäste, die mit ihm das besondere Jubiläum feiern wollen.

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