Etliche Tonnen: Fast 370 Kanister mit Chemikalien am Blausteinsee gefunden

Etliche Tonnen : Fast 370 Kanister mit Chemikalien am Blausteinsee gefunden

Der Spaziergänger, der am Dienstagmorgen die Naturidylle rund um den Blausteinsee genießen wollte, glaubte seinen Augen nicht zu trauen: Am Rand des Wanderparkplatzes bei Fronhoven, mitten im Grünen, stieß er auf einen Berg von Kanistern unbekannten Inhalts.

Von einem oder mehreren Lkw offenbar wild dort abgekippt. Der Spaziergänger informierte die Polizei. Die wiederum die Leitstelle der Feuerwehr.

Um 8.38 Uhr war es für die Männer in Blau vorbei mit der Hoffnung auf einen ruhigen Tag. Der mysteriöse Chemiefund in der Nähe des See-Ufers löste einen Gesamtalarm für die Eschweiler Feuerwehr aus. Binnen kürzester Zeit hatte die Polizei den Parkplatz weiträumig abgesperrt, waren Feuerwehrkräfte nicht nur aus Eschweiler, sondern auch aus Herzogenrath und Würselen vor Ort. Insgesamt rund 100 Einsatzkräfte. Am Ortseingang von Fronhoven, gleich gegenüber der Zufahrt zum Parkplatz, trafen Dutzende von Einsatzfahrzeugen ein: von Feuerwehren, Katastrophenschutz, Polizei, Umwelt- und Ordnungsamt. Darunter Spezialfahrzeuge wie der ABC-Messzug, zudem – für den Fall des Falles – gleich mehrere Rettungsfahrzeuge.

Ging die Wehr unter Einsatzleitung von Christian Haake zunächst davon aus, dass dort an die 150 Kanister abgekippt worden waren, so stellte sich bald heraus, dass es sage und schreibe 367 waren. 51 davon waren leckgeschlagen; ihr Inhalt war zum Teil ins Erdreich geflossen. Prüfungen ergaben, dass es sich dabei um unterschiedliche Chemikalien – Laugen und Säuren – handelte. Erste Vermutung der Polizei: Die Brühe stammt aus einem Drogenlabor, aus der Ecstasy-Produktion. Eine Vermutung, die auf Erfahrung beruht: Schon mehrfach, so ein Sprecher der Feuerwehr, habe es in jüngster Zeit derartige Funde gegeben.

Acht Tonnen Chemiemüll

Während eine Schäferin mit ihrem Hund den abgesperrten Spazierweg passieren durfte, um ihre in der Nähe weidenden 30 Schafe aus der Richtung, in die der Wind eventuell giftige Gase aus den Kanistern zu ihnen trieb, auf eine andere Weide zu bringen, rollte ein Lkw eines Herzogenrather Entsorgungsunternehmen mit einem Großraumcontainer an. Für den Fall, dass die Chemikalien sich als entzündlich herausstellen sollten, hatte die Wehr Löschschläuche von der Straße bis auf den Parkplatz verlegt. Männer und Frauen der Wehr machten sich unter Atemschutz und in Chemieschutzanzügen daran, die Kanister in die Lademulde des Kippers zu packen. 367 Kanister unterschiedlichen Fassungsvermögens von 15 bis 30 Litern, das macht geschätzt mehr als 8000 Liter Chemikalien – mehr als acht Tonnen!

Schweißtreibende Arbeit

Maximal 20 Minuten konnten die Zweier-Teams in den Schutzanzügen arbeiten, dann mussten sie abgelöst werden. Theo Goertz, CRBN-Fachberater der Feuerwehr, hatte das Geschehen im Blick. CRBN – das steht für chemische, radiologische, biologische und nukleare Gefahrenlagen.

Die 51 beschädigten Kanister wurden in „Überbehälter“ gepackt, damit sich die geruchsintensive Flüssigkeit nicht weiter ausbreiten konnte. Teams, die ihren schweißtreibenden Einsatz hinter sich hatten, konnten nicht so ohne weiteres aus ihren Schutzanzügen steigen: Sie mussten in einer eigens errichteten Spezialdusche dekontaminiert werden. Dutzende von Schutzanzügen waren nötig, um die zeitaufwendige Schwerarbeit bewältigen zu können.

Stärkung für den Einsatz

Auf die Einsatzkräfte, die auch die aufwendige Dekontamination hinter sich hatten, wartete vor dem Fronhovener Restaurant Rinkens der Verpflegungscontainer der Wehr mit Kaltgetränken, heißem Kaffee und belegten Brötchen. Stärkung für einen Einsatz, der sich bis in den späten Nachmittag hinzog.

Auch Eschweilers Feuerwehrchef Axel Johnen war nun vor Ort. Zuvor hatte er auf dem Gelände der Hauptwache am Florianweg die Prüfungen zum Abschluss eines Brandmeisterlehrgangs abgenommen. Der Einsatz bei Fronhoven zeigte, wie wichtig es ist, bestens ausgebildetes Personal zu haben.

Als die letzten Kanister per Lkw den Fundort verließen, um einer sicheren Entsorgung zugeführt zu werden, war die Arbeit noch nicht getan: Das Umweltamt der Städteregion hatte eine Spezialfirma anrücken lassen, die das kontaminierte Erdreich ausbaggerte.

Derweil hatte auch die Kriminalpolizei längst ihre Ermittlungen nach den Tätern aufgenommen.

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