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Das Jahr 2018 in Eschweiler, Teil 2: Faktor x, Strukturwandel und die Debatte ums Rathausquartier

Das Jahr 2018 in Eschweiler, Teil 2 : Faktor x, Strukturwandel und die Debatte ums Rathausquartier

Natürlich beschäftigte der Investorenwechsel und die neuen Pläne fürs Rathausquartier die Menschen im zweiten Halbjahr 2018 in Eschweiler. Aber es gab auch andere, schöne und traurige Momente.

Juli

  • Budenzauber: Nach drei Jahren findet wieder eine Kirmes auf dem Eschweiler Drieschplatz statt – mit Feuerwerk und zahlreichen Attraktionen. Die Schausteller ziehen ein positives Fazit.
  • Feuer: Bei einem Dachstuhlbrand an der Peter-Paul-Straße verliert eine Familie ihr Hab und Gut. Bei dem Feuer wird jedoch niemand verletzt. Viele Eschweiler zeigen sich anschließend solidarisch und unterstützen die Familie.
  • Baugebiet: Die Landes-Entwicklungsgesellschaft NRW.urban greift der Stadt bei Schaffung von Wohnraum in Hücheln unter die Arme. Dort sollen auch günstiger Wohnraum entstehen.
  • Trauer: Karl-August Lersch stirbt im Alter von 77 Jahren. Der Mann, der über Jahrzehnte in Eschweiler und darüber hinaus der Inbegriff eines Gastwirts war, erliegt seinem Krebsleiden.

August

  • NS-Opfer: 57 Stolpersteine erinnern in Eschweiler an Menschen, die im Dritten Reich dem Nazi-Terror zum Opfer fielen. Es kommen aber noch einige hinzu, denn die Recherchegruppe des Arbeitskreises „Stolpersteine gegen das Vergessen“ klärt die Schicksale von fünf weiteren NS-Opfern.
  • Weltstars: Das Eschweiler Music Festival stößt in neue Dimensionen vor: Mit Anastacia und Status Quo treten Künstler von Weltformat auf der Marktbühne auf. An den beiden anderen Tagen präsentieren sich die Abba Review und die Saragossa Band sowie zum Auftakt „The Maestro“ Guido Dieteren und sein European Poporchestra.
  • Auszeichnung: Eschweiler gewinnt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis. Die Jury des renommierten Preises spricht sich für die Indestadt in der Kategorie mittelgroßer Städte aus. Vor allem die Bestrebungen, den Strukturwandel zu bewältigen, imponieren die Experten.
  • Geburtstag: Das Unternehmen seiner Familie schrieb Stadtgeschichte, im August feiert Friedrich A. Neuman seinen 80. Geburtstag.
  • Richterschelte: Das Verwaltungsgericht übt scharfe Kritik im Verfahren um die Neubesetzung des Presse- und Bürgermeisteramts im Rathaus und spricht von Verstößen gegen das Grundgesetz. Der Kläger geht aus formalen Gründen trotzdem leer aus.
  • Abschied: Sein Werdegang brachte ihn auf das Plakat einer deutschlandweiten Kampagne, in Eschweiler hat er in sieben Jahren Spuren hinterlassen: Kaplan Andreas Züll wechselt von der Pfarre St. Peter und Paul zur Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Blankenheim-Dahlem.

September 

  • Stadtfest: Tausende Menschen nutzten beim Stadtfest die Gelegenheit, sich in der Fußgängerzone umfassend über Gesundheitsthemen zu informieren. Auf dem Marktplatz findet die Indeschau statt.
  • Hitze: Der „Supersommer“ beschert dem Freibad einen neuen Besucherrekord. Knapp 72.000 Menschen passieren die Kassenhäuschen, am besucherstärksten Tag zählt man 2879 Gäste.
  • Fund: Bei Ausgrabungen in Röhe stoßen Archäologen auf 7000 Jahre alte Relikte. Die Untersuchungen waren erforderlich, weil dort eine Verdichterstation der „Zeelink“-Gaspipeline gebaut werden soll.
  • Brandnacht: Binnen Stunden ist die Feuerwehr in Dürwiß gefordert. Gleich zwei Mal brennt ein Wohnhaus, zudem geht eine 1500 Quadratmeter große Lagerhalle in Flammen auf. Die Rauchsäule ist kilometerweit zu sehen.
  • Wechsel: Zur Überraschung mancher Ratspolitiker präsentiert die Verwaltung einen neuen Investor für das Rathausquartier: die Ten-Brinke-Gruppe. Bis Ende Oktober wolle man den Bauantrag stellen, heißt es. Die bisherigen Investoren Ralf Schumacher und Bernd Pieroth treten von dem Vorhaben zurück. Die Pläne der Ten-Brinke-Gruppe stoßen auch auf Kritik.
  • Wendepunkt: Mit einer Tiefe von 200 Metern erreicht der Tagebau Inden seinen niedrigsten Punkt. Symbolisch steckt Tagebauleiter Andreas Wagner eine Zeitkapsel in einen Findling, der einmal auf dem Grund des Restsees stehen soll.

Oktober

  • International: Prinz und Zeremonienmeister wird ein Brüderpaar mit portugiesischen Wurzeln: Paulo und Pedro Mendes, Mitglieder der Blauen Funken Eschweiler. Der Prinzenwahlausschuss wählt den damals 47-jährigen Paulo Mendez zum neuen Narrenherrscher.
  • Auszeichnung: Im Februar 1993 rief Sabine Werth die „Berliner Tafel“, deren Vorsitz sie bis heute inne hat, ins Leben. 25 Jahre später wird sie im Ratssaal mit dem „Europäischen Sozialpreis zu Eschweiler“ ausgezeichnet.
  • Umweltaktion: Beim ersten Stadtradeln in Eschweiler legen 260 Teilnehmer insgesamt 58.632 Kilometer zurück. Damit belegt die Kommune Platz 27 von 81 Städten.
  • Gift: Auch in Eschweiler wird auf Flächen an der Inde Dioxin gefunden. Die Städteregion und das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz will zusätzliche Proben nehmen.
  • Ansiedlung: Der Beauty-Riese Babor – über 400 Mitarbeiter in Aachen, über 100 Millionen Euro Umsatz, weltweit über 3500 Institute – erwirbt ein Grundstück im interkommunalen Gewerbegebiet Grachtweg. Am Kraftwerk soll ein weiterer Logistik- und Produktionsstandort entstehen.
  • Prüfung: Die Vergangenheit des 1981 verstorbenen Hans Leyers wird die Stadt Eschweiler noch länger beschäftigen. Sie hat dem Mann im Jahr 1992 auf Antrag der Tochter eine Straße gewidmet. Das Buch „Unter blutrotem Himmel“ von Mark Sullivan beschreibt Leyers als Vertrauten Hitlers und „obersten Sklaventreiber“ in Italien.
  • Faktor x: Die Faktor-x-Siedlung in Dürwiß bekommt als Vorzeigeprojekt Risse. Häuser, die derzeit an der Albert-Einstein-Straße entstehen, sollen konventionell mit Gas geheizt werden. Dies widerspricht ausdrücklich dem Faktor-x-Gedanken. Die Stadt reagiert und überzeugt den Hauseigentümer später, auf Gasheizungen zu verzichten und Luft-Wärme-Pumpen einzusetzen.

November 

  • Unterstützung: NRW.URBAN nimmt sechs Areale in den Flächenpool auf, darunter die ehemaligen Areale der Fuchs-Mineralölwerke an der Jülicher Straße und des Gusswerks an der Grachtstraße. Die Stadt erhofft sich dort eine Entwicklung und den Neubau von Wohnungen.
  • Auftakt: Tausende Fastelovendsjecke starten auf dem Martktplatz in die Fünfte Jahreszeit und schunkeln beim Programm des Karnevalskomitees und der Jupp-Carduck-Gesellschaft. Parallel dazu findet der „Tag des Karnevals“ statt.
  • Umgehung: Verkehrsminister Hendrik Wüst teilt dem dem Verkehrsausschuss des Düsseldorfer Landtags mit, dass der dritte Bauabschnitt der L 238 zwischen Eschweiler-Pumpe und Stolberg-Steinfurt wieder in das Landesstraßenplanungsprogramm aufgenommen wird. Im kommenden Jahr soll die Planung anlaufen.
  • Betreuung: Das vorletzte Kindergartenjahr in Eschweiler wird für Eltern beitragsfrei. Der Stadt entgehen dadurch jährlich etwa 700 000 Euro Einnahmen.
  • Notdienstpraxis: Die Kassenärztliche Vereinigung teilt mit, dass ab dem 1. Januar Kinder in Stolberg und Erwachsene in Eschweiler notdienstärztlich behandelt werden. Die ambulante Versorgung erwachsener Patienten außerhalb der regulären Sprechstundenzeiten erfolgt ab Januar in der Notdienstpraxis am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler.
  • Kunstmeile: Die Art Open bringen viel internationales Flair in den Ratssaal. Über 80 Künstler nehmen an der Kunstserie teil.
  • Partnerschaft: Die bayrische Stadt Sulzbach-Rosenberg wird Partnerstadt Eschweilers. Im März 2019 soll das Miteinander besiegelt werden.

Dezember 

  • Sperre: Um eine leerstehende Immobilie im Gewerbegebiet Königsbenden schwelt ein Rechtsstreit. Dort will sich ein Tedox-Markt ansiedeln, die Stadtverwaltung lehnte entsprechende Bauanträge aber bisher immer mit der Begründung ab, dass das Sortiment des Marktes auch „innenstadtrelevante Waren“ umfasse. Um juristisch auf sicherem Boden zu stehen, beschließt der Stadtrat in einer Sondersitzung mit Mehrheit eine sogenannte Veränderungssperre.
  • Baustart: Der Hauptbahnhof wird barrierefrei umgestaltet und erhält unter anderem eine neue Unterführung. Die Arbeiten sollen bis zum Jahr 2020 dauern. Parallel plant die Stadt, ein Parkhaus für Pendler zu errichten.
  • Luftwerte: Der Luftreinhalteplan für Eschweiler ist seit Mitte 2016 in Kraft. Allerdings haben sich die Werte an der Messstation an der Indestraße nicht verbessert. Nach wie vor wird der Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid in einem Kubikmeter Luft überschritten, wie die vom Landesamt für Umwelt, Natur und Verbraucherschutz veröffentlichten Zahlen zeigen.
  • Weihnachtsmarkt: Der Weihnachtsmarkt startet mit der „Nacht der Sinne“. Zum fünften Mal findet auf dem Marktplatz der weihnachtliche Budenzauber mit buntem Programm statt.
  • Urteil 1: Wegen versuchten Totschlags, begangen an ihrem Schwiegersohn am 19. Juni dieses Jahres in Eschweiler, wird eine 59 Jahre alte Frau zu zweieinhalb Jahre Haft verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Frau Selbstjustiz an ihren Schwiegersohn verüben wollte. Der muss sich wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern verantworten.
  • Urteil 2: Nach dem Mord an dem Facebook-Bekannten eines jungen Mädchens in Eschweiler werden die Haftstrafen von zwei der drei Angeklagten deutlich verringert. Im Revisionsverfahren verurteilen die Richter die 33-jährige Mutter des Mädchens und einen 29 Jahre alten Freund der Familie zu sechs und vier Jahren Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge.
  • Etat: Das Jahr 2019 wird nach aktuellem Stand mit einem Plus in Höhe von 1,138 Millionen Euro abschließen. Gegen den Haushalt stimmen Bündnis 90/Die Grünen und die CDU. Die Fraktion aus Die Linken und Piraten, die SPD sowie die FDP geben dem Zahlenwerk ihren Segen. Die UWG enthält sich.
Stolz: Rudi Bertram (Mitte) nimmt den Deutschen Nachhaltigkeitspreis von Lutz Spandau (l.) und Stefan Schulze-Hausmann (r.) entgegen. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Zum ersten Teil des Jahresrückblicks geht es hier:

Teil 1: Januar-Juni