Pflegeheime in Eschweiler: Fachkräfte-Situation verschärft sich

Pflegeheime in Eschweiler : Fachkräfte-Situation verschärft sich

Sabah Chabira hatte ihre erste Ausbildung zur Altenpflegerin nach nicht einmal einem halben Jahr abgebrochen. Sie fühlte sich vollkommen überfordert. „Vom ersten Tag an hatte ich viel zu viel Verantwortung – und keinen richtigen Ansprechpartner“, sagt die 30-Jährige.

Ihre Begründung für die damalige Situation in Kohlscheid: der Fachkräftemangel in Pflegeheimen. Deswegen hat sie beim Senioren- und Betreuungszentrum (SBZ) der Städteregion in ihrer Heimatstadt Eschweiler einen zweiten Anlauf gestartet und ist dort seit September 2018 festangestellt. Chabira ist eine der wenigen Auszubildenden, die das SBZ übernommen hat - beziehungsweise übernimmt. Denn einen akuten Personalmangel habe das Haus seit Jahren nicht, betont Leiter Bernhard Müller.

Damit liegt die Einrichtung glücklicherweise nicht im Bundestrend: Eine Branchenumfrage, die mehr als 1250 von bundesweit 15.000 stationären Heimen umfasste, ergab, dass bei 60 Prozent der Heime im Mittel sechs Stellen frei seien. Eine problematische Zahl, die dazu führen kann, das Einrichtungen zeitweise keine Pflegebedürftigen mehr aufnehmen können und dürfen.

Suche wird schwieriger

„Wir setzen seit Jahren auf die eigene Ausbildung, von daher können wir Vakanzen schnell auffangen“, betont SBZ-Leiter Müller. Grund für diesen Ansatz war – kurz gefasst – eine Gesetzesänderung, die die Ausbildungskosten fairer verteilt und keinen Wettbewerbsnachteil für Ausbildungsbetriebe schafft. Seitdem stellt das SBZ, das 240 Plätze in der stationäre Pflege hat, im Frühjahr und Herbst je zehn Auszubildende für drei Jahre ein. 60 sollten es also zeitgleich sein. Dennoch: „Wir merken, dass es jetzt langsam schwieriger wird, genügend gute Auszubildende zu finden“, sagt Müller. „Aber das betrifft ja alle Branchen.“

Leitet das Senioren- und Betreuungszentrum der Städteregion: Bernhard Müller. Foto: ZVA/Carsten Rose

Der private Pflegeheimbetreiber Alloheim führt in Eschweiler zwei Heime mit insgesamt 164 stationären Plätzen. Beide haben derzeit vier offene Stellen (1,5 am Ringofen, 2,5 an der Englerthstraße). „Die Situation ist nicht problematisch, aber das kann sich in wenigen Monaten wieder ändern“, sagt Harold van Donzel, Leiter am Ringofen und seit 1982 in der Branche tätig. Daher sagt er: „Die Situation verschärft sich.“ Lösungsansätze für die Zukunft nennt er auch. Einer betrifft die Vorgabe, dass ein Heim je 50 Prozent Fach- und Hilfskräfte (also ungelerntes Personal) vorhalten müsse. „Hilfskräfte sollten mit einer ein- oder zweijährigen Ausbildung als Fachkraft gelten, dann hätten wir schnell einen Überschuss. Und nur die Heimleitung sollte examiniert sein, das reicht“, regt van Donzel an. So müsse ein Heim auch nicht mehr auf Leihkräfte zurückgreifen, die nur kurz bleiben und keine Bindung zu den Bewohnern aufbauen können. Und andererseits hätten erfahrene Fachkräfte wieder mehr Zeit für die Pflegebedürftigen, weil sie sich aktuell auch um die Hilfskräfte kümmern und die Verantwortung für sie tragen müssen.

In den Augen von Irmgard Lammertz, die die Alloheim-Einrichtung an der Englerthstraße leitet, müsste noch an einem anderen Punkt eine Reform ansetzen: bei der Anerkennung von ausländischen Pflegekräften. Die zieht sich momentan noch hin, nicht selten bis zu einem halben Jahr oder länger. „Die Politik weiß, dass wir Fachkräfte brauchen, jeder will, dass wir Mitarbeiter aus dem Ausland zu uns holen“, betont Lammertz, „aber hier steht uns dann wieder der Bürokratismus im Weg.“ Dass die Qualifikation stimmen und auch die Sprachkenntnis ausreichen muss, stehe außer Frage – effizienter müsse der Prozess aber allemal werden. Zumal viele Fachkräfte aus dem Ausland „bereits mit guten Deutschkenntnissen kommen“, wie Lammertz betont. Aktuell betreffe das in ihrer Einrichtung zwei Mitarbeiterinnen, die noch als Hilfskräfte gelten.

Dass sich in der Vergangenheit einiges in der Branche getan hat, weiß Nathalie Rommerskirchen. Die 35-Jährige ist Wohnbereichsleiterin im SBZ und seit 15 Jahren im Geschäft. Sie hat ihre Ausbildung damals noch theoretisch in der Schule absolviert, seit 2005 läuft die Ausbildung in der Schule und praktisch in einer Einrichtung. Drastisch verstärkt hat sich die Dokumentationspflicht, die zwar eine bessere Übersicht schafft, aber den Nachteil hat, dass die Fachkräfte weniger Zeit mit den Bewohnern verbringen kann. Daher spricht sich Rommerskirchen auch für eine Reform des Personalschlüssels, der ihr „zu statisch“ sei.

Ganz sicher mit der Dokumentation fühlt sich Sabah Chabira noch nicht. Aber das sei Nebensache – Hauptsache sei, dass sie sich bei ihrem Arbeitgeber „zu Hause fühlt“.