Eschweiler: Euregio-Feldbogenschützen sind in der Indestadt angekommen

Eschweiler: Euregio-Feldbogenschützen sind in der Indestadt angekommen

Dietrich Krieghoff atmet einmal aus, blickt konzentriert geradeaus, und dann saust der Holzpfeil auch schon los. Keine Sekunde später schlägt er im Hals des Bären ein.

Kurz danach trifft einer von Krieghoffs Pfeilen auch den Hirsch, der nicht weit vom Bären entfernt im Gras liegt. Dietrich Krieghoff ist Geschäftsführer der Euregio-Feldbogenschützen Eschweiler. Und er schießt nicht auf echte Tiere. Bär, Hirsch, Auerhahn und Ratte sehen zwar mitunter gerade aus der Ferne echt aus, sind aber aus einem speziellen Schaumstoff. In der Indestadt haben die Bogenschützen eine neue Heimat gefunden. Sie betreiben sogenanntes 3-D-Bogenschießen.

Bis die Euregio-Feldbogenschützen in Eschweiler angekommen waren, hatten sie bereits eine kleine Odyssee hinter sich. Als Gruppe gibt es die Schützen seit rund vier Jahren, als Verein seit rund zweieinhalb Jahren. Etwa 40 Mitglieder treffen sich regelmäßig zum Schießen. Bis vor kurzem taten die Bogenschützen das noch bei einem Verein in Würselen, dann wollten sie jedoch lieber eigenständig sein. Aber wo? Vereinsmitglieder schauten sich um, in Eschweiler wurden sie mit offenen Armen empfangen. Zunächst hatten sie das Haldengelände an der Zechenstraße ins Auge gefasst.

„Man kollidiert jedoch mit vielen Interessen”, sagt Geschäftsführer Dietrich Krieghoff. Landschaftsschutz und ähnliche Dinge müssen beachtet werden. Acht Aktenordner mit Vorgaben lagen plötzlich auf dem Tisch der Schützen. Krieghoff und der Vorsitzende Robert Jatho betonen an dieser Stelle, „dass wir naturverbunden sind”.

Und sie suchten weiter. Im Kraftwerk Weisweiler stießen sie schließlich auf offene Ohren. Spontan bekamen die Bogenschützen einen Teil am Rande des Fußballplatzes neben dem Kraftwerk. Krieghoff und Jatho loben an dieser Stelle nicht nur die Kraftwerksleitung, sondern auch Bürgermeister Rudi Bertram, der sie sehr unterstützt habe.

In den nächsten zwei bis drei Wochen erfolgt dann der nächste Umzug - und zwar auf ein Gelände innerhalb des Tagebaus. „Wir hätten gerne ein Gelände mit mehr Konturen”, sagt Krieghoff. Derzeit wird „nur” auf einer flachen Wiese geschossen. Konturen heißt: Es sollte auf und ab gehen, zudem wären ein paar Bäume und Sträucher nicht schlecht.

Und warum? Weil das 3-D-Bogenschießen dann interessanter ist. Außerdem sind die Euregio-Bogenschützen (oft gemeinsam) deutschlandweit auf Turnieren unterwegs, die dann auch mal bei minus 20 Grad stattfinden und Eisbrecherturnier heißen. Und meistens geht es dort durch den Wald, es müssen halb versteckte Ziele getroffen werden. Ähnliche Trainingsbedingungen sind daher sehr wünschenswert. In Schulen und bei Stadfesten sind die Schützen ebenfalls von Zeit zu Zeit zu Gast.

Aber zurück zum Bogenschießen. Die Euregio-Feldbogenschützen bezeichnen ihren Sport als traditionell. Geschossen wird mit sogenannten Langbögen, die es in den unterschiedlichsten Formen gibt. Wer die Schützen besucht, hat auch die Chance, einen kleinen Ausflug in die Geschichte zu erleben. Mitglieder wie Dietrich Krieghoff können die Auswahl an Bögen bestens erklären und kennen auch die Geschichten rum die verschiedenen - unter anderem historischen - Pfeile. An Pfeil und Bogen können die Schützen viel selbst arbeiten, nicht alles muss gekauft werden.

Ein Anfänger kommt für die Grundausrüstung mit rund 200 Euro aus. Allerdings empfehlen Jatho und Krieghoff, erst zu testen, welcher Bogen am besten passt und welche Pfeile geeignet sind. Ganz wichtig sind Handschuhe und ein Armschutz. Sonst gibt es wunde Finger und blaue Flecken.

Einfach drauf losgeschossen wird bei den Feldbogenschützen natürlich nicht. Bevor es losgeht, werden die 3-D-Schaumstofftiere (Tier wie Bär und Hirsch kosten übrigens zwischen 400 und 500 Euro) platziert, dann wird die Schusslinie ausgelegt, an der sich die Schützen aufstellen. „Sicherheit wird großgeschrieben”, sagt Krieghoff und Robert Jatho ergänzt: „Mit unseren Sicherheitsregeln hätten wir einen Kleinkaliberstand der Polizei genehmigt bekommen.” Zudem gibt es immer einen Schießleiter, der nicht selbst schießt, sondern alles im Blick hält.

Egal ob Jung oder alt, Frau oder Mann - fast jeder kann mitmachen. So wie der zwölfjährige Arndt Mathiesen. Er ist beim Mittelalterfest auf Burg Satzvey auf den Geschmack gekommen. „Es macht viel Spaß”, sagt er. Dietrich Krieghoff erklärt: „Man trainiert die Konzentration, und man muss entspannen. Es ist ein toller Ausgleich zum Berufsleben und erfordert keinen großen Aufwand.”