Interview mit Claudia Moll: Eschweilers SPD-Bundestagsgeordnete kann auch ganz gut Dur

Interview mit Claudia Moll : Eschweilers SPD-Bundestagsgeordnete kann auch ganz gut Dur

Die letzte Bundestagswahl liegt schon eine Weile zurück: Am 24. September 2017 waren die Wähler zu den Urnen gerufen. Bis zur Regierungsbildung dauerte es dann aber noch geraume Zeit:

Seit einem Jahr nun arbeitet die Große Koalition, die in diesen Tagen ihren ersten politischen Aschermittwoch hinter sich brachte. Anlass, für unseren Redakteur Rudolf Müller, auch Eschweilers SPD-Bundestagsabgeordnete Claudia Moll einmal eine Bilanz ziehen zu lassen. Einer Frau, die als Freundin klarer Worte gilt, nicht zuletz, seit sie gegenüber der AFD von Moll auf Dur umschaltete und es damit prompt in die heute-show brachte.

Fastelovend ist vorüber. Der Aschermittwoch ist – nachkarnevalistisch wie politisch – gehalten. Hat Sie da Katerstimmung übermannt?

Claudia Moll: Nein, Karneval kommt doch jedes Jahr wieder. Politisch gibt’s schon mal gar keine Katerstimmung, es geht doch voran.

Wie groß ist inzwischen Ihr persönlicher Wohlfühlfaktor in Berlin?

Moll: In Berlin fühle ich mich inzwischen sehr wohl, es ist eine tolle Stadt, auch wenn für Sightseeing in Sitzungswochen keine Zeit ist. Zu Hause in der Städteregion ist es trotzdem am schönsten.

Persönlich politisch schon was bewegt?

Moll: Ja, in der Pflege sind wir schon mit einigen Gesetzen weiter gekommen, aber es gibt noch viel zu tun. Diese Woche schaffen wir mit einem Gesetz neue Betreuungsdienste in der Pflege, wofür ich mich stark gemacht habe.

Was hat Sie in Ihrer Arbeit bisher am tiefsten beeindruckt?

Moll: Im Februar habe ich den Ehrenpreis des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes bekommen, das war im wahrsten Sinne eine große Ehre für mich. Auch, dass ich bei der Unterzeichnung des Deutsch-Französischen Abkommen mit Macron in Aachen dabei sein durfte, hat mich sehr bewegt. Ebenso konnte ich mich bereits mit einigen Botschaftern von verschiedenen Ländern beinahe freundschaftlich austauschen, das ist immer sehr spannend. In der Städteregion habe ich schon viele Initiativen und Vereine besucht, das Engagement der Bürger vor Ort ist auch immer beeindruckend.

Woran arbeiten Sie persönlich derzeit am intensivsten?

Moll: Natürlich an weiteren Verbesserungen in der Pflege. Außerdem stehen auch die Hospizarbeit und der Strukturwandel ganz oben auf meiner Agenda. Als Sprecherin im „Unterausschuss Globale Gesundheit“ arbeite ich intensiv an einer Strategie für Deutschland, wie wir andere Länder mit unterentwickelten Gesundheitssystemen unterstützen können.

Wer ist im nächsten Jahr SPD-Vorsitzende(r)?

Moll: Andrea Nahles.

Gibt es in dieser Legislaturperiode die Grundrente nach dem Gießkannenprinzip?

Moll: Wie der Name schon sagt, ist die Grundrente das Minimum, was jeder erhalten sollte. Bei anderen Sachen wie dem Kindergeld wird ja auch nicht in Frage gestellt, dass das jedem zustehen sollte.

Und den 12-Euro-Mindestlohn?

Moll: Es wird Zeit.

Braucht Eschweiler eine Umweltzone?

Moll: Eschweiler hat eine Umweltzone. Ob’s was bringt wird die Zeit zeigen, wenn nicht sollte man sie überdenken, da sie sonst nur Bürger und Wirtschaft belastet.

Thema Braunkohleausstieg: Sind Sie nun in erster Linie Gewerkschafterin oder Umweltschützerin?

Moll: In erster Linie Gewerkschafterin. Arbeitsplätze und Umweltschutz schließen sich aber nicht gegenseitig aus.

Sie haben sich gerade zum Weltfrauentag für die Rechte des angeblich schwachen Geschlechts eingesetzt. Braucht Eschweiler eine Frauenquote an der Fastelovendsspitze?

Moll: Nein, Eschweiler braucht keine Quote an der Fastelovendsspitze.

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