Eschweiler: Eschweilers neues „Haus der Geschichte“ hat eine wechselvolle Vergangenheit

Eschweiler: Eschweilers neues „Haus der Geschichte“ hat eine wechselvolle Vergangenheit

Mit etwas Ehrfurcht streiften die Vorstandsmitglieder des Geschichtsvereins durch den Kirschenhof an der Dürener Straße. Der historische Bau der Unternehmerfamilie Wültgens/Englerth entstand 1839, ein Jahr nach dem Tod der Gründerin des Eschweiler Bergwerksvereins Christine Englerth, und an der gleichen Stelle wie der frühere Kirschenhof. Nun soll das Baudenkmal zur Heimat des mit über 1100 Mitgliedern größten Eschweiler Vereins werden. Wobei Vereinsheim etwas bieder klingt. Die Adresse Dürener Straße 29 wird Eschweilers „Haus der Geschichte“.

Hausherr wird die Stadt Eschweiler sein, im rückwärtigen Teil des Gebäudekomplexes baut die Firma APB Lehnen Seniorenwohnungen. Der Geschichtsverein erhält nach den bisherigen Planungen zwei Räume im Erdgeschoss und für sein Archiv das Dachgeschoss im historischen Teil des Kirschenhofs. Der größte Teil des Erdgeschosses soll zu einem Museum werden. Über den Namen wird noch nachgedacht, „Heimatmuseum“ ist aber schon aus dem Rennen. Und das 1. Stockwerk wird allen Eschweiler Vereinen und Organisationen zur Verfügung stehen, für Veranstaltungen, Seminare, Tagungen, Vorträge, Feste, Hochzeiten, Empfänge...

Die beiden Stellvertretenden Vorsitzenden Claudia Niederhäuser und Franz-Josef Surges führten den Vorstand durch die zuvor frei geräumten Räume des Kirschenhofs. Nur wenige Regale und Schreibtische, die der Geschichtsverein übernehmen will, waren von den Umzugsarbeitern zurück gelassen worden. So leergeräumt wirkten die Räume des 1920 umgebauten klassizistischen Baus besonders beeindruckend. Deutlich zu erkennen war aber auch: „Hier muss man noch richtig Geld reinstecken. Aber dann wird das eine Wahnsinnssache.“

Das Gebäude schräg gegenüber der Kirche St. Peter und Paul wurde 1839 an der Stelle des alten Kirschenhof der Familie Wültgens gebaut. Die 1838 gestorbene Wültgens-Tochter Christine Englerth war die Gründerin des Eschweiler Bergwerksvereins. Da fühlten sich die Besucher dem unternehmerischen Geist der berühmten Frau ganz nahe: „Und immer dran denken: Über diese Treppe ist schon Christine Englerth gegangen!“ scherzte jemand. Oder jedenfalls schwebe ihr Geist noch über den Stufen.

Viele Jahre lang war der Kirschenhof Sitz der Stadtsparkasse Eschweiler, die später mit der Kreissparkasse fusioniert hat. Deshalb auch die schweren Gitter vor den Fenstern im Erdgeschoss. Anschließend war er bis 1957 Sitz der Verwaltung der Braunkohlen-Industrie-AG (BIAG) Zukunft, der späteren Rheinbraun. Weiter wurde das Anwesen als Papierlager der Firma Mathes genutzt, schließlich bis vor einigen Jahren als Labor des Hygiene-Instituts Dr. Berg, das dann in das Industriegebiet Max-Planck-Straße zog. Bis zu 80 Mitarbeiter waren im Kirschenhof tätig.

Die früheren Nutzungen sind heute noch zu erkennen. Die Mitglieder des Vorstands bestaunten gleich zwei Tresorräume der einstigen Stadtsparkasse. Die Stahltür des größeren der beiden ist 30 Zentimeter dick. In den Regalen hinter der mächtigen Tür waren aber weder Gold noch Geld zu finden. Durchaus auch museumsreif ist eine hausinterne Rohrpost-Anlage.

In den Verwaltungsräumen künden dunkle Wandvertäfelungen von den früheren Vorstellungen über gediegenes Unternehmertum. Das wird auch alles erhalten bleiben, versicherte Franz-Josef Surges, denn das Gebäude steht komplett unter Denkmalschutz. Auch ein wunderbarer halbrunder Schreibtisch dort und verglaste Wandschränke mit Intarsien faszinierten die Besucher. Einer dieser Räume soll zu einem Trauzimmer der Stadt werden.

Im Arbeitskreis Denkmal des Geschichtsvereins befasst sich eine Arbeitsgruppe bereits mit der Konzeption des geplanten Museums. Da arbeitet man eng mit dem Landschaftsverband Rheinland zusammen.

Das Dachgeschoss möchte der Eschweiler Geschichtsverein als Archiv nutzen, die Tragfähigkeit der Böden vorausgesetzt. Früher war dieses Dachgeschoss wohl ein Aufenthaltsraum für Mitarbeiter. Sicher wurde dort auch gefeiert, es steht noch eine Theke dort. Allerdings nicht unter Denkmalschutz.

Auf anderthalb Jahre schätzen Stadt und Geschichtsverein die Umbauzeit. Auf Brandschutz wird geachtet werden müssen und auf Fluchtwege.

Das gesamte Gebäude soll barrierefrei werden, nicht nur die Seniorenwohnungen an der Peter-Paul-Straße, auch das historische Gebäude Ecke Dürener Straße und Parkstraße. Auch dort muss deshalb ein Aufzug eingebaut werden, der die drei Etagen miteinander verbindet.

Mehr von Aachener Nachrichten