Eschweiler: Volkshochschule feiert 100-jähriges Bestehen

100 Jahre VHS : Magie ist, wenn’s trotzdem klappt

Tja, was soll man antworten, wenn ein Magier zu einem sagt: „Noch Fragen?“ Dem Publikum im Ratssaal blieb am Sonntag nicht wirklich viel übrig, als zu lachen, ungläubig den Kopf zu schütteln.

Andreas Axmann war derjenige, der während der Feier zum 100. Geburtstag der Volkshochschule (VHS) zwei Zaubershows mit seinen Tablet-PCs bot. Er tat das, womit die VHS heutzutage mehr als sonst wirbt: Der Magier verband Analoges mit Digitalem. Zum Beispiel, als er den Kaffee auf dem Bildschirm vermeintlich mit echter Milch aufschüttete und einen Holzstock aus dem Tablet zog.

Axmanns rhetorisch gemeinter Ausspruch „Noch Fragen?“ passt zu seinem eigenen Auftritt wie auch zu einer Volkshochschule generell – sie ist schließlich mit bundesweit neun Millionen Teilnehmern der größte Anbieter für Weiterbildung, also für den Fall, dass Bürger Antworten suchen.

Wie das früher war, erzählte Siegfried Tschinkel, er leitete die VHS Eschweiler von 1976 bis 2005. „Die VHS erlebte 1979 einen Boom, einen Riesenzuspruch, als sie ins Rathaus einzog. Zwei Stunden vor Kursbeginn standen die Leute bis in die Schnellengasse Schlange, um sich anzumelden“, sagte Tschinkel.

Heute ist das nicht mehr so, dafür hat der technische Fortschritt gesorgt. Er ändert die menschliche Routine, aber die heutige VHS-Leiterin Silvia Hannemann hat keine Angst davor, dass Seminare via Internet den Volkshochschulen die Kunden wegnehmen: „Die Möglichkeiten im Internet können das Lernen unterstützen, aber wenn es ans Eingemachte geht, kann nur die VHS die Lösung sein.“ Rund 33.000 Haushalte erreiche das Programmheft, genügend Reichweite, um weiter mehr als 15.000 Unterrichtsstunden wie jetzt anbieten zu können.

Für Rudi Bertram war die VHS in der Jugend als Nachhilfeschüler „quälend“, als Verwaltungs-Azubi Pflicht (Schreibmaschine, Stenografie) und aus Sicht des Bürgermeisters sei sie unverzichtbar: „Was die VHS seit 2015 mit Sprachkursen für die Integration tut, werden wir erst in ein paar Jahren sehen. Das ist mit das Wichtigste überhaupt, was die VHS leistet.“

Eine von zwei Gesprächsrunden: Moderator René Benden vom Medienhaus Aachen mit Helen Weidenhaupt (stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kulturausschusses), der ehemalige VHS-Leiter Siegfried Tschinkel und Lothar Brehmen, ehemals EDV-Dozent. Foto: ZVA/Carsten Rose
(cro)
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