Eschweiler und Sulzbach-Rosenberg bereiten Städtepartnerschaft vor

Verein „knatschig“ : Eschweiler und Sulzbach-Rosenberg bereiten Städtepartnerschaft vor

50 Kilometer sind es bis Nürnberg, 70 bis Bayreuth, 80 bis Regensburg, 65 bis zur Tschechischen Republik - und 518 bis an die Inde. Sulzbach-Rosenberg liegt in Bayern, genauer: im idyllischen Oberfranken, und damit nicht gerade in unmittelbarer Nachbarschaft zu Eschweiler.

Dennoch verbindet die beiden Städte einiges: Beide haben eine prägende Bergbaugeschichte, beide hatten starke Eisen- und Stahlwerke, in beiden spielte die Maxhütte, zu der lange Jahre ja auch das Eschweiler Röhrenwerk gehörte, eine bedeutende Rolle.

Mit Karneval fing’s an

Aus der Maxhütte-Zeit stammt auch die Verbindung der Eschweiler Narrenzunft zur Sulzbach-Rosenberger Knappnesia, die bis heute Bestand hat. Und die jetzt auf noch solidere Beine gestellt werden soll: Ehrenamtler der Narrenzunft waren es, die der Stadt vorschlugen, eine offizielle Städtepartnerschaft mit den bayerischen Freunden einzugehen. Die sind übrigens nicht nur in der KG Knappnesia organisiert: In der Stadt gibt es 200 (!) Vereine. Und auch den nach dem Ende von Bergbau, Stahlindustrie und Maxhütte nötigen Strukturwandel hat Sulzbach-Rosenberg mit Bravour gemeistert. Die Arbeitslosenquote liegt unter drei Prozent.

Vom Bayerischen Fernsehen wurde Sulzbach-Rosenberg jüngst als „inoffizielle Kulturhauptstadt der Oberpfalz“ tituliert. Die Stadt mit ihrer reichen 1100-jährigen Geschichte verfügt über mehrere Museen, darunter das Erste Bayerische Schulmuseum und die Historische Druckerei J. E. v. Seidel mit 350-jähriger Tradition. Mehrere Festivals und Kulturfestspiele bieten ein breit gefächertes Angebot an Konzerten, Musiktheater, Kabarett und Kleinkunst

Das imposante Sulzbacher Schloss beherbergt unter anderem die städtische Sing- und Musikschule sowie die Stadtbibliothek. Foto: Stadt Sulzbach-Rosenberg/Hajo Dietz

Eine eindrucksvolle Schlossanlage lädt ebenso zum Besuch ein wie die Stadtbefestigung, das historische Rathaus von 1456, zwei Klosterkirchen, die Wallfahrtskirche St. Anna, das „Pflasterzollhäuschen“, die ehemalige Synagoge, das Stadtmuseum, das Literaturhaus Oberpfalz, das stillgelegte Maxhütte-Stahlwerk, der „Eventbereich Hochofen-Plaza“, ein Schlackenberg mit Aussichtsplattform, ein Bergbau-Schaustollen und anderes mehr. Dazu gibt’s ein Freibad, mehrere Golfplätze, den Qualitätswanderweg „Erzweg“ und Angebote für Orchideenfreunde, Fun-Sportler und Mountainbiker.

Kulturausschuss berät

Bereits im Frühjahr schaute sich eine Eschweiler Delegation aus Verwaltungs- und Fraktionsvertretern in Sulzbach-Rosenberg um; ein Gegenbesuch folgte. Der Eschweiler Geschichtsverein, durch eine erste Berichterstattung in unserer Zeitung im Mai auf Sulzbach-Rosenberg aufmerksam geworden, erklärte, einer möglichen Städtepartnerschaft sehr positiv gegenüberzustehen und pflegt seither einen engen Kontakt zu Sulzbach-Rosenberg.

Mittwochabend beschäftigte sich der Kulturausschuss des Stadtrats mit dem Vorhaben, die beiden Städte offiziell zu Partnern zu erklären. In den nächsten Wochen hat der Stadtrat darüber das letzte Wort.

Bereits um Juli hatte Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Michael Göth seinem Eschweiler Amtskollegen Rudi Bertram mitgeteilt, dass sich die Fraktionen seines Rates einstimmig für die Begründung einer solchen Partnerschaft ausgesprochen hätten. Die soll nun, darin waren sich die Bürgermeister einig, zum 1. März kommenden Jahres in Kraft treten.

Andere Kulturen, andere Sitten

Probleme mit dieser dritten Eschweiler Städtepartnerschaft nach Wattrelos (1975) und Reigate & Banstead (1985) hat ausgerechnet der Partnerschaftsverein (PAV), den das Eschweiler Bürgermeisterbüro im September vom Sachstand und den weiteren Bestrebungen in Kenntnis setzte. PAV-Vorsitzender Hartmut Fröhlich betont, „nicht grundsätzlich etwas gegen die Städtepartnerschaft zwischen Eschweiler und Sulzbach-Rosenberg“ zu haben, der PAV möchte vielmehr „ein konstruktives Fundament für die neue Städtepartnerschaft legen“.

Dennoch: Eine Verbindung zwischen Sulzbach-Rosenberg und Eschweiler werde dem „eigentlichen Gedanken einer Städtepartnerschaft im europäischen Sinne“ nicht gerecht: Städtepartnerschaften sollen der Vertiefung und dem Verstehen anderer Kulturen und damit auch der Akzeptanz anderer Länder und Sitten dienen. Zwar gebe es innerdeutsche Städtepartnerschaften, die allerdings seien zu Zeiten von zwei deutschen Staaten begründet worden und hätten nach der Wiedervereinigung der kommunalen Aufbauhilfe gedient.

EU-Mittel bleiben aus

Fröhlich macht kein Hehl aus seiner Kritik und begründet sie mit finanziellen Aspekten: „Der Partnerschaftsverein würde viel lieber eine dritte europäische Städtepartnerschaft eingehen.“ Hintergrund: Mit dem Brexit Großbritanniens fallen für den Partnerschaftsverein ab dem 29. März kommenden Jahres  EU-Zuschüsse weg, die bislang zur Finanzierung der Städtepartnerschaft mit Reigate & Banstead beitrugen.

Deshalb Fröhlichs Appell: „Vielleicht könnten wir uns gemeinsam auf die Suche nach einer dritten europäischen Städtepartnerschaft machen, zum Beispiel in unseren Nachbarländern Belgien, Holland oder Luxemburg!“

Und sollte es dennoch zur Städtepartnerschaft mit Sulzbach-Rosenberg kommen, dann - so Fröhlich - sollte die keinesfalls, wie von den Bürgermeistern verabredet, am Wochenende vom 5. bis 7. April gefeiert werden. Dann ist zwar in Eschweiler passenderweise Frühjahrsstadtfest. Aber in Frankreichs Norden, so Hartmut Fröhlich, wird dann das 40-jährige Bestehen des Karnevals in Wattrelos gefeiert. Ein Fest, das zahlreiche Eschweiler Karnevalisten wie auch den Partnerschaftsverein nach Frankreich zieht. Der Stadt, so teilt die Verwaltung mit, war bei der Terminverabredung von diesem Fest nichts bekannt..

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