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Eschweiler: Tipps vom Arzt gegen gefährliche Kälte

Vorsicht bei Eiseskälte : Kein Joggen und Schneeschippen bei zweistelligen Minusgraden

Auch wenn es zum Wochenende milder werden soll: Der Winter hat uns noch lange im Griff. Im Interview mit Prof. Dr. Uwe Janssens, Chefarzt der Inneren und Internistischen Intensivmedizin im St.-Antonius-Hospital Eschweiler, Tipps zum Umgang mit der aktuellen Kältewelle in Deutschland.

Bedeuten die kalten Temperaturen ein erhöhtes Gesundheitsrisiko?

Für manche Menschen ja. Niedrige Temperaturen können für ein erkranktes Herz eine gefährliche Zusatzbelastung darstellen – bis hin zur Auslösung von Angina Pectoris oder eines lebensbedrohlichen Herzinfarktes.

Wie kommt das?

Starke Kälte belastet die Herzkranzgefäße, indem sich die Gefäße verengen und die Blutversorgung des Herzmuskels vermindern. Dieser bekommt dadurch weniger Sauerstoff. Gleichzeitig werden auch die Widerstandsgefäße im übrigen Körper verengt. Die Folge ist ein Blutdruckanstieg, so dass das Herz gegen einen größeren Widerstand anpumpen muss.

Müssen gesunde Menschen auch besorgt sein?

Gehen Sie als bisher Gesunder in die Kälte raus und bekommen Schmerzen, einen Druck oder Brennen im Brustkorb und Atemnot, dann ist das ein Warnzeichen. Umgehend sollte ein Arzt aufgesucht werden, der das Herz gründlich untersucht. Solche Brustschmerzen dürfen keinesfalls als Reizung der Bronchien durch die Kälte verharmlost werden. Das kommt nicht selten vor und hat fatale Folgen! Denn die genannten Beschwerden können auf eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Herzens hindeuten und somit Vorboten eines Angina Pectoris-Anfalls oder Herzinfarktes sein.

Was gilt es noch zu beachten?

Bei Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich sollte körperliche Belastung vermieden oder auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Wie können sich Herzpatienten schützen?

Wenn Herzpatienten bei Minusgraden ins Freie gehen, sollten sie nach Möglichkeit einen Schal leicht über Nase und Mund legen, damit sie die vorgewärmte Luft vor den Minusgrade schützt. Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bereits eine Herzerkrankung besteht. Menschen mit verengten Herzkranzgefäßen sollten bei starker Kälte auf hohe körperliche Anstrengung wie Schneeschippen verzichten. Denn ein vorgeschädigtes Herz kann dadurch schnell überfordert werden. Im Extremfall drohen Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod.

Haben Sie noch einen Rat für Herzkranke bei der Kälte?

Koronarkranke sollten morgens, also zu einer Zeit, wenn der Körper eh schon durch die Umstellung von Nacht auf Tag belastet ist und der Blutdruck und die Herzschlagfolge ansteigen, vorsichtig sein. Sie sollten dann nicht zum Brötchenholen oder Zeitungskaufen gehen, ohne vorher ihre Medikamente eingenommen zu haben.

Was ist zu tun, wenn ich als Herzpatient anders reagiere als sonst, wenn es so kalt ist?

Wenn Koronarpatienten bemerken, dass sie plötzlich empfindlicher als sonst auf Kälte reagieren, sollten sie das rasch mit ihrem Arzt besprechen. Gegebenenfalls muss der Hausarzt, Internist oder Kardiologe die Behandlung anpassen, um einer sich verschlimmernden AP vorzubeugen. Treten die Beschwerden plötzlich auf oder halten nach einer Medikamentenumstellung weiter an und verschlimmern sich sogar, dann den Notarzt anrufen unter 112. Die Kolleginnen und Kollegen entscheiden dann über das weitere Vorgehen. Die Kardiologie und das Herzkatheterlabor im St.-Antonius-Hospital stehen rund um die Uhr zur Behandlung und Hilfe zur Verfügung.

Wichtige Infos zum Thema Kälte bei Herzerkrankungen bietet die Deutsche Herzstiftung unter www.herzstiftung.de