Eschweiler Talbahnhof: Gala zur Feier von 25 Jahren Jubiläum

25-jähriges Bestehen : Die einzigartige Geschichte des Talbahnhofs

Das Kulturzentrum Talbahnhof feiert im November seinen 25. Geburtstag. Dass das Haus, das hauptsächlich Kleinkunst präsentiert, einmal so alt werden würde, hatte zu Beginn kaum jemand erwartet. Was also ist das Erfolgsrezept von Walter Danz und seinem Team?

Es begann alles mit Joachim Luger im Jahr 1994. Ende November trat der heute vor allem aus der Fernsehserie „Lindenstraße“ bekannte Luger als erster Künstler im Talbahnhof auf. Der Schauspieler konnte nämlich auch Kabarett. Und Musik. Damit markierte er den Anfang von etwas ganz Großem. Seither hat fast jeder, der in der Kabarett- und Comedyszene Rang und Namen hat, mindestens einmal einen Zwischenstopp am Bahnhof eingelegt.

Möglich gemacht hat das alles Walter Danz, zuerst noch mit seinem Geschäftspartner Stéfan Horn, mittlerweile mit seiner Frau Agnes. „Die Eröffnung damals war mit heißer Nadel gestrickt, am Tag selbst haben wir noch Lampen aufgehängt und gestrichen“, erinnert sich Walter Danz. Die Eröffnung, das war ein Samstag, war von der Politik vorgegeben. „Der 19. November“, sagt Danz bestimmt, „diesen Tag weiß ich wie meinen Geburtstag.“

Bis zum letzten Augenblick wurde gewerkelt, schließlich hatte das Gebäude schon einige Jahrzehnte hinter sich und musste zu einem Veranstaltungsort umgebaut werden. Bis 1994 war es nämlich noch in aktiver Benutzung gewesen als das, was der Name schon sagt: ein Bahnhof. Nachdem die Trasse stillgelegt wurde, hat die Stadt das Gebäude von der Bundesbahn erworben. Es war Jochen Frankowski, damaliger Kämmerer, der den Bahnhof zu einem Kulturzentrum umfunktionieren wollte. „Er war immer für innovative Ideen zu haben“, sagt Danz heute.

Die Gastronomie sorgte bereits in den Anfangsjahren für kurzweilige Abende. Foto: Archiv

Er und Stéfan Horn hatten damals schon länger den Wunsch, ein eigenes Haus für Kleinkunst zu finden. In Aachen suchten die beiden Männer aber vergeblich, also schrieben sie Briefe an umliegende Kommunen, auch Eschweiler. „Offensichtlich kam der Brief zum richtigen Zeitpunkt“, erzählt Danz. Einer Einladung Frankowskis folgend, begutachteten Danz und Horn das Haus – und waren sofort angetan. Die Reaktion damals fasst Danz so zusammen: „Das Gebäude ist wunderschön, es ist gut gelegen, das Einzugsgebiet ist recht groß. Woran also soll es scheitern?“

Diese Frage schienen viele Eschweiler leicht beantworten zu können. Die Bürger waren skeptisch. So auch der damalige Leiter des Fachbereichs für Schulen, Kultur und Sport – und heutige Bürgermeister: Rudi Bertram. „Ich habe damals zu meinen Kollegen gesagt: Das dauert nicht lange, dann hat sich das wieder erledigt“, gibt Bertram zu. Doch heute sei der Talbahnhof, den er auch „Kulturtempel“ nennt, aus Eschweiler und der Region nicht mehr wegzudenken. „Dieses Angebot zieht weiter Leute hierher, es ist neben dem Karneval etwas ganz anderes“, sagt Bertram.

Diese Ausrichtung ist Walter Danz besonders wichtig, denn eine Karnevalshochburg wollte er nie werden. „Die paar Karnevalsveranstaltungen, die wir hier haben, sind edel und fein, aber für mehr reicht der Saal gar nicht aus“, sagt Danz. Deshalb sei die Kleinkunst von Beginn an das Steckenpferd gewesen.

Bürgermeister Rudi Bertram, Agnes und Walter Danz (v.l.) feiern das 25-jährige Bestehen des Talbahnhofs. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Am Anfang habe er schon Sorge gehabt, ob der Saal mit 200 Plätzen überhaupt voll werden würde. Mittlerweile ist der Talbahnhof selbst häufig zu klein, so dass die Veranstalter immer wieder auf andere Räume wie die Aula der Realschule Patternhof oder die Stadthalle in Alsdorf ausweichen.

„Wir müssen auch die großen Hallen bespielen, denn die Konkurrenz ist sehr groß. Wenn wir die Veranstaltungen nicht auch außerhalb ein bisschen verstreuen, greifen andere uns das ab“, weiß Agnes Danz. Doch ein Merkmal des Talbahnhofs war auch immer die Nachwuchsförderung. So haben die Eheleute Danz schon viele Künstler von Beginn an begleitet. Den meisten sind sie nach wie vor freundschaftlich verbunden, so dass viele ihnen die Treue halten. Aktuellstes Beispiel ist Luke Mockridge. „Luke kommt weiterhin zu uns, um vor 200 Leuten zu spielen, obwohl er mittlerweile Hallen mit 15.000 Zuschauern füllt“, freut sich Agnes Danz.

Zwei weitere Künstler, die die beiden von Anfang an kennen, sind Markus Krebs und Torsten Sträter. Mit ihnen planen die Veranstalter einen Höhepunkt im kommenden Jahr: ein gemeinsames Open-Air-Programm auf dem Marktplatz mit knapp 3000 Gästen. „Wir sind schon stolz, dass wir im politischen Kabarett die Crème de la Crème bei uns haben“, sagt Walter Danz.

Große Namen: Die Plakate aus den frühen 2000ern zeigen, wie hoch die Qualität im Talbahnhof schnell war. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Wenige Pannen in 25 Jahren

Einige Anekdoten kann Danz nach einem Vierteljahrhundert natürlich auch erzählen. So gab es relativ zu Beginn eine der wenigen Pannen, als der Talbahnhof noch nicht so bekannt war „Da hatten wir einen Künstler, der nicht nach Eschweiler, sondern nach Eschwege in Hessen gefahren ist. Die Veranstaltung musste dann mit einiger Verspätung starten“, erzählt Danz lachend. Nur ein einziges Mal musste eine Veranstaltung abgebrochen werden, als ein Künstler so neben der Spur war, dass er sogar Leute beleidigt hatte. „Das war ziemlich peinlich, aber die Gäste hatten zum Glück Verständnis“, erinnert sich Danz.

Für die Zukunft haben die Eheleute Danz auch schon einige Pläne: Dieses Jahr bekommt der Talbahnhof eine neue Tonanlage, im kommenden Jahr wird die Bühne erneuert und 2021 steht eine neue Lichtanlage auf dem Programm. Langweilig wird es nicht, wenn alle Ansprüche erfüllt werden sollen. Der aktuelle Vertrag mit der Stadt läuft bis 2027, mittelfristig ist das Kleinkunst-Haus also gesichert.