Eschweiler: Sulzbach-Rosenberg hat viel für Touristen zu bieten

Neue Städtepartnerschaft : Vom großen Bierstreik und Wilhelm Busch in Sulzbach-Rosenberg

Die kleine Stadt hat schon für so manche kuriose Schlagzeile gesorgt, zwei davon erzählen die Touristenführer ziemlich gerne. Sulzbach-Rosenberg kann sich mehr oder weniger damit rühmen, dass die Arbeiter der Maxhütte vom 3. bis 6. März 1960 für den ersten und bislang einzigen Bierstreik in der Geschichte Bayerns gesorgt haben.

Wer schwer arbeitet wie die Bergmänner, der trinkt auch gerne Bier, was in Bayern ein Kulturgut ist und ausgelaugten Arbeitern wichtige Nährstoffe liefert. Blöd nur, dass das dem Arbeitgeber nicht so gefiel, weil er für seinen Geschmack zu oft neues Personal einstellen musste – weil nicht wenige betrunkene Bergarbeiter auf dem Werksgelände tödlich verunglückten.

Deswegen sollte der Bierkonsum der Maxhütten-Männer erst drastisch rationiert und später ganz verboten werden. Also streikten 7500 Arbeiter, die Hochöfen liefen nur mit Hilfe einer Notbesetzung weiter, und schließlich einigten sich beide Parteien auf eine Halbe Vollbier pro Schicht und Arbeitnehmer. Prost.

Sulzbach-Rosenberg war nicht nur viele Jahrhunderte eine bedeutende Bergbaustadt, ab dem 18. Jahrhundert war sie auch landesweit bekannt für die Druckerei Seidel, die erste jüdische Druckerei in der Stadt. Im Juni 2008 erlebte sie eine kurze Renaissance in der deutschen Medienwelt, denn im alten Archiv der Druckerei, die heute als Saal und Kleinkunstbühne dient, wurden Originalzeichnungen der Geschichte „Der Kuchenteig“ von Wilhelm Busch gefunden. Das kam einer Sensation gleich, weil der bekannte Dichter, Zeichner und Erschaffer von „Max und Moritz“ seine Originale in der Regel vernichtet hatte.

Eschweiler besiegelt neue Städtepartnerschaft

Wer sich besonders für die mittelalterliche Geschichte des heutigen Bayerns und Deutschland generell interessiert, der kommt nicht um Sulzbach-Rosenberg herum. Immer wieder begegnet einem Kaiser Karl IV., der Sulzbach auf der Achse Nürnberg-Prag im 14. Jahrhundert zur Hauptstadt von Neuböhmen kürte, und der adlige Stammbaum im Sulzbacher Schloss zeigt, welche Verbindung zwischen der kleinen Stadt in der Oberpfalz und der hiesigen Region besteht. Denn in der Linie der Fürsten taucht die Herzogsfamilie von Jülich und Berg auf; weitere eheliche Verbindungen reichten bis ins ehemalige Byzanz.

Die Sulzbach-Rosenberger identifizieren sich nicht nur mit ihrer reichhaltigen Geschichte, die sich in kurzweiligen Führungen durch die Altstadt erleben lässt, sondern vor allem mit dem Annabergfest, das jedes Jahr Ende Juli Tausende zur Wallfahrtskirche St. Anna an den grünen Stadtrand lotst. „Das Annabergfest ist der Heimathafen für alle, die schon vor Jahren weggezogen sind“, sagt zum Beispiel Günter Koller, der 2. Bürgermeister der Stadt.

Sehenswert: das Schloss in der Sulzbacher Altstadt. Foto: ZVA/Carsten Rose

Wer den Eschweiler Stephan Lenzen, der jährlich die Freundschaften in der Oberpfalz pflegt, nach seiner persönlichen Empfehlung für die neue Partnerstadt fragt, der bekommt die klare Antwort: „Das Altstadtfest. Alleine an dem Samstag sind mehrere Zehntausend Besucher dort.“ Klar, dass die Zimmer schon gebucht sind.

Für Bergbau-Interessierte lohnt ein Trip nach Sulzbach-Rosenberg, auch wenn nur noch ein kleiner Schaustollen und ein imposanter Ausblick auf die ehemalige Maxhütte geblieben sind, die die Entwicklung der heutigen Stadt bestimmt hat – die Politik stand hinter dem Stahlwerk mehr oder minder in der zweiten Reihe.

Die Stadt überragt ein Schlackenberg, auch Monte Schlacko genannt, wo ab 1907 die Produktionsrückstände des Stahlwerks und der Eisenerzgewinnung aufgeschüttet wurden. Der Berg ist Bayerns größter Altlastenfall und wurde in den vergangenen Jahren für mehr als 50 Millionen Euro von einer Art Mondlandschaft zu einem Besucherziel samt Infozentrum hergerichtet. Führungen über das Gelände finden nur an bestimmten Tagen statt. Von dort oben sehen Touristen auch, wie die stetig wachsenden Siedlungen der Maxhütten-Arbeiter die beiden Stadtteile miteinander verbunden haben. Die Nationalsozialisten hatten sie 1934 zweckgebunden zu einer Kommune zusammengeführt. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen an die 5000 Heimatvertriebene zurück in die Stadt, die zu dem Zeitpunkt etwa 11.000 Einwohner zählte.

Heute zählt die Kommune rund 20.000 Einwohner und hat nur noch überschaubare Flächenreserven, was daran liegt, dass die Stadt den Strukturwandel nach dem endgültigen Ende der Maxhütte 2002 mit einer klaren Strategie geschafft hat: investieren, Schulden machen, Gewerbegebiete günstig ausweisen, neue Unternehmen ansiedeln. Das hat funktioniert.

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