Eschweiler: Stadt könnte Steingärten verbieten

Schotter- und Kiesel vor dem Haus : Der Garten der anderen wird immer grauer

Gerade in Neubaugebieten fehlt vor Haustüren immer öfter Rasen. Das spart zwar Arbeit, ist aber auch ein Trend, den die Stadt Eschweiler stoppen will – eventuell per Verbot.

Steingärten können imposant sein, das wissen vor allem die Briten. Der Campus der Universität von Cambridge hat einen solchen, und der in Yorkshire mit seinen Felsblöcken lässt einen ehrfürchtig staunen. Gärten aus Steinen gibt es auch in Eschweiler immer mehr, aber die sind nicht mit denen auf der Insel zu vergleichen, sondern nur ein Deko-Trend mit zentnerweise Kiesel vor der Haustür. Einer, der verglichen mit grünen Vorgärten kaum Arbeit macht – und einer, der der Stadt gar nicht gefällt.

„Diese Entwicklung wird von der Stadtverwaltung durchaus kritisch gesehen, und die Stadt sieht sich in der Pflicht, diesem Trend zukünftig entgegenzusteuern“, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Eschweiler ist nämlich Mitglied eines Vereins, der „Kommunen für biologische Vielfalt“ heißt, und Kieselbeete liefern diese Vielfalt eben nicht, sie verringern sie stattdessen und haben weitere negative Folgen. Zum Beispiel für das Klima in den betroffenen Straßenzügen und daher auch für das der Stadt, weil es sich aufheizt, wenn die Sonne auf raumgreifende Steinflächen scheint.

Der Naturschutzbund (Nabu) Deutschland kritisiert diese Flächen aus Schotter und Kiesel, die oft in neueren Wohngebieten neben den Einfahrten zu sehen sind. In Eschweiler gibt es ganze Straßenzüge, in denen kein Rasenmäher vor der Haustür lärmen muss. Der Nabu sieht die Kommunen in der Pflicht, den Trend zu stoppen. Und bei der Stadt Eschweiler scheint das Thema auch schon höher auf die Agenda gerutscht zu sein. „Kurzfristig möchte die Stadt mit einem Informationsflyer über die negativen Auswirkungen dieser Form der Gartengestaltung informieren“, betont die Verwaltung. „Zudem sollen den Gartenbesitzern auf diesem Wege auch praktische, aber dennoch umweltfreundliche Alternativen der Gartengestaltung mit an die Hand gegeben werden.“

Was die Stadt vor hat, ist Prävention beziehungsweise die Suche nach dem Dialog mit dem Bürger. Dabei wird es unter Umständen nicht bleiben, denn nach einem „kurzfristigen“ Plan folgt in der Regel der „mittelfristige“, und der sieht nach Aussagen der Stadt so aus: Die Verwaltung will sich mehr auf die „Klimawandelfolgenanpassung“ konzentrieren. Kurz gefasst bedeutet dieses lange Wort: Steingärten könnten mit künftigen Planungen, die den Städtebau betreffen, verboten werden. „Es gibt Überlegungen, mit einer Aufnahme von Anpflanzfestsetzungen in neuen Bebauungsplänen Einfluss auch auf die Vorgartengestaltung zu nehmen“, schreibt die Stadt.

Wenn Wohngebiete entstehen, neigt sich der Trend zu sogenannten Steingärten. Foto: ZVA/Carsten Rose

Mit einem Verbot allein ist es jedoch nicht getan, denn wenn es Verbote gibt, gibt es auch diejenigen, die sie missachten – also muss es auch die geben, die alles kontrollieren. Und genau an dem Punkt sieht die Stadt eine Herausforderung, sollte es denn irgendwann zu einem Verbot kommen.

Bis dahin wird es jedoch noch Zeit dauern und wohl längere Diskussionen in den politischen Gremien geben, auch deswegen vertritt die Stadt die Haltung: „Grundsätzlich muss die Bevölkerung stärker für dieses Thema sensibilisiert werden. Es muss erreicht werden, dass aus der Bevölkerung selbst ein Verständnis für eine nachhaltige Gartengestaltung erwächst.“

Falls nicht, scheint es nicht ausgeschlossen, dass sich ein neues Sprichwort etabliert: Der Garten auf der anderen Seite ist grauer – oder so ähnlich.

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