Eschweiler: Seelsorge rund um die Uhr

Ehrenamtlicher Telefon- und Bereitschaftsdienst : Damit Kirche nicht überflüssig wird: Seelsorge rund um die Uhr

Ihn treibt die Sorge, dass die Kirche Gefahr laufen könnte, sich überflüssig zu machen: Pastoralreferent Norbert Franzen plant einen ehrenamtlichen Telefon- und Bereitschaftsdienst, der in Eschweiler für Seelsorge rund um die Uhr sorgen soll.

Norbert Franzen lässt keine Zweifel aufkommen: „Wenn Kirche für den Menschen im wahrsten Sinne des Wortes nicht erreichbar ist, dann läuft sie Gefahr, sich überflüssig zu machen!“ Doch natürlich ist dem Pastoralreferenten der Pfarrei St. Peter und Paul (GdG Eschweiler-Mitte) bewusst, dass auch die Indestadt vom Priesternotstand betroffen ist. Einen Priesternotruf gibt es in Eschweiler schon lange nicht mehr. Generell stehen immer weniger Geistliche und hauptamtliche Seelsorger zur Verfügung, die keinesfalls weniger werdenden Aufgaben wahrzunehmen. Denn die Nachfrage nach Seelsorge werde definitiv nicht geringer, weiß Norbert Franzen. „Und deshalb gilt es, so weit als möglich zu verhindern, dass Menschen, die Seelsorge wünschen, nur mit einer Blechkiste namens Anrufbeantworter sprechen können oder gar gänzlich ins Leere rufen!“

Gemeinschaftsprojekt

Als Gegenmaßnahme möchten die Verantwortlichen der Katholischen Kirche in Eschweiler im Rahmen eines Gemeinschaftsprojekts der Pfarreien St. Peter und Paul, Heilig Geist sowie der Gemeinschaft der Gemeinden Eschweiler-Nord unter dem Titel „an-rufbar“ einen ehrenamtlichen Telefon- und Bereitschaftsdienst ins Leben rufen. Als eine Art Vorbild dient dabei der „Bereitschaftsdienst für die Nacht“ am St.-Antonius-Hospital, der ebenfalls von Ehrenamtlern in die Tat umgesetzt wird und dessen vierter Ausbildungskurs momentan läuft. „Die Erfahrung zeigt, dass Menschen auch und gerade für anspruchsvolle Aufgaben zu erreichen sind“, so Norbert Franzen. Voraussetzung sei natürlich eine qualifizierte Ausbildung. Diese soll den Interessenten in Zusammenarbeit mit der Organisation „weiterbildung live“ zuteil werden.

Klar sei jedoch auch, dass die zukünftigen Ehrenamtler nicht überfordert werden dürften. So wird das Angebot der drei GdG´s definitiv auf das Gebiet der Stadt Eschweiler beschränkt bleiben. Und auch die Themenauswahl sowie die Art der Hilfe bleibe begrenzt. „Wir möchten einen Dienst für Menschen einrichten, die Bedarf nach Seelsorge haben. Dieser soll 24 Stunden pro Tag erreichbar sein. Wenn aber beispielsweise das Wort Suizid fallen sollte, dann muss natürlich sofort die professionelle Telefonseelsorge eingeschaltet werden“, macht der Pastoralreferent deutlich. Sei ein persönliches Gespräch vor Ort gewünscht, dann sollten die Ehrenamtler in der Lage sein, ein Treffen noch am selben Tag möglich zu machen. „Doch eine unmittelbare ad-hoc-Reaktion des Ehrenamtlers würde ebenfalls eine Überforderung darstellen und ist deshalb unrealistisch.“ Ebenso ist keine mehrfache oder gar dauerhafte Begleitung eines Hilfe- oder Gesprächsuchenden vorgesehen. „Unser Angebot wird eine einmalige Leistung sein, die auch die Vermittlung an andere Organisationen mit Hilfsangeboten beinhalten kann“, berichtet Norbert Franzen, der ebenso erklärt, dass weder die Mitgliedschaft in der Katholischen Kirche noch die Taufe Voraussetzungen seien, als Ehrenamtler für „an-rufbar“ tätig zu sein. „Allerdings muss die Bereitschaft vorliegen, auf Wunsch mit dem Hilfesuchenden zu beten. Dies gehört für uns auch und gerade im Umgang mit Leben und Tod dazu.“

Erste Interessenten

Interesse an einer Zusammenarbeit habe bereits das Palliativnetzwerk Stolberg/Eschweiler geäußert. „Darüber hinaus werden wir den Kontakt mit den in Eschweiler tätigen Pflegediensten aufnehmen“, blickt Norbert Franzen mit der Hoffnung in die nahe Zukunft, dass sich Interessenten für den neuen ehrenamtlichen Dienst finden (siehe Infobox) lassen. Auf das in Eschweiler kein Ruf nach Seelsorge ins Leere stößt.

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