Eschweiler: Prüfermangel beim TÜV macht Fahrschulen Probleme

Prüfungstermine fallen aus : Der Fahrlehrerverband meldet den TÜV beim Verkehrsminister

Die gemeinsame Motorradtour in wenigen Wochen hatten Vater und Sohn schon geplant, das einzige, was noch fehlte, war der Führerschein des Zöglings. Die Prüfung in Eschweiler sollte Anfang Juni sein – bis der TÜV sie auf Ende Juni verschieben wollte, zu spät für die Tour. Grund: Prüfermangel. Mal wieder.

Der Sohn ist Schüler der Fahrschule von Daniel Tamme, der sagt: „Das Problem scheint aktuell so schlimm wie nie. Und es wird nicht nur die jetzigen Fahrschüler treffen, denn die Verschiebungen werden sich nicht so schnell legen.“ Vier bis sechs Wochen müssten die Schüler warten, um Prüfungstermine festzulegen, bis zu vier Wochen länger als normal. Bis zu 15 von Tammes Schüler betrifft es aktuell. Im Juni hatte der TÜV drei Wochen komplett für Prüfungen gesperrt. Nur sogenannte Überhangprüfungen haben stattgefunden.

Folgen der langen Wartezeiten und verschobenen Prüfungstermine: Die Schüler müssten im Extremfall weitere Fahrstunden nehmen, die je Doppelstunde bei um die 90 Euro liegen. Und kurzfristig verlegte Prüfungen seitens des TÜV werfen die Terminkalender sowohl der Fahrschulen als auch der Schüler durcheinander – Termine, die Wochen im voraus geplant sind. Das führe auch zu „wirtschaftlichem Schaden“ für die Schulen, wie Harald Seeger berichtet, ein weiterer Fahrlehrer in Eschweiler. Er sagt auch, die Lage habe sich im Vergleich zum Vorjahr noch einmal „zugespitzt“ und werde sich noch „verschlimmern“.

Warum ist die Lage derart prekär? Der TÜV selbst konnte darauf am Dienstag trotz mehrfacher Nachfrage keine Antwort liefern – ein geeigneter Ansprechpartner schien nicht auffindbar. Harald Seeger nennt als einen Grund Umstrukturierungen. Denn der TÜV Rheinland wurde zum Januar 2019 zu drei großen Gebieten zusammengefasst, unter anderem die Standorte Aachen und Bonn wurden zusammengelegt, von Bonn läuft jetzt die zentrale Planung.

Übt Kritik am Tüv: Ralf Dovermann, der Aachener Bezirksvorsitzender des Fahrlehrerverbandes. Foto: ZVA/Harald Krömer

Damit es nicht ständig zu Terminproblemen mit dem TÜV komme, werde Fahrlehrer Seeger dort auch regelmäßig vorstellig, sagt er: „Ich nerve den TÜV schon seit Jahren damit, dass er seine Software ändert, die einem verlässlich Auskunft über verfügbare Termine gibt.“ Dass damit ein immenser Aufwand verbunden sei, ist Seeger bewusst, wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum er nie eine zufriedenstellende Reaktion auf seinen Vorschlag bekomme, der sich am Buchungssystem von Hotels orientiert.

Von der Zentralisierung ist die gesamte Städteregion betroffen. In Aachen ist Ralf Dovermann beschäftigt, der der Vorsitzende des Fahrlehrerverbandes im Bezirk Aachen ist. Er sagt: „Im Moment haben wir ein ganz starkes Erdbeben.“ Die Zusammenlegung habe „die Situation deutlich verschärft“, sagt Dovermann: „Telefonisch erreichen kann man seitdem fast niemanden mehr.“

Mittlerweile hinterfragt Dovermann auch die Monopolstellung des TÜ bei der Abnahme von Fahrprüfungen. „Der Kunde muss bedient werden.“ Und wenn der TÜV dies nicht bewältigen könne, müssten Alternativen her. Der Fahrschullehrerverband habe sich angesichts der „schwierigen Situation“ mittlerweile ans Verkehrsministerium gewandt.

Der anfangs des Artikels erwähnte Schüler von Daniel Tamme hat auf Druck des Vaters übrigens einen für die geplante Tour rechtzeitigen Ausweichtermin in Stolberg bei einer anderen Fahrschule bekommen, was derzeit noch schwieriger sei als ohnehin, wie Tamme betont – der übrigens wie andere Fahrlehrer auch den Unmut der Eltern und Schüler zuallererst abbekomme. Bei Beschwerden müssen die Fahrlehrer jetzt immer nach Bonn verweisen.

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