Eschweiler: Pferdegestütztes Coaching am Lohner Hof

Coaching am Lohner Hof : „Das Pferd ist ein toller Spiegel für den Menschen“

Weil die Tieren merken, wie Menschen sich fühlen und ob sie sich verstellen, sind sie ideal, um sich mit einem Training mit den Vierbeinern weiterzuentwickeln. Das gilt sowohl für Familien als auch Unternehmen.

Christiane May steht mit ihren drei Kindern in der Reithalle am Lohner Hof. Um sie herum geht Camparie, ein aufmerksames Fuchspony. Noch sind die vier zurückhaltend, überlegen, wie sie auf den Wallach zugehen sollen. Claudia Schönborn beobachtet die Situation vom Rand aus. Sie gibt kurze Denkanstöße, wie die Familie mit dem Pferd interagieren kann. Mit Cornelia Schmid bietet sie seit Kurzem pferdegestütztes Coaching an.

Hintergrund der Idee: „Wir haben überlegt, wie man dem Lohner Hof helfen kann, Baumaßnahmen zu finanzieren“, erzählt Schönborn. Denn der Hauptaspekt des Reit- und Therapiezentrums ist das therapeutische Reiten. Als gemeinnütziger Verein refinanziert sich der Hof nicht. Deshalb kam der Gedanke, ein eigenes Unternehmen zu gründen, mit dem Geld für das Gestüt generiert werden kann. Das Wissen ist da, deshalb haben Schönborn und Schmid den Versuch gewagt.

Auch für Führungskräfte

Der Ansatz ist dabei durchaus ähnlich: Mithilfe der Pferde soll Menschen geholfen werden. Während beim therapeutischen Reiten solche mit Handicap im Vordergrund stehen, soll das pferdegestützte Coaching für jeden sein. Mögliche Klienten sind zum Beispiel Unternehmen. Teambuilding ist genau so denkbar wie Coachings für Führungskräfte.

Wie das mithilfe der Vierbeiner funktionieren soll? „Das Pferd ist ein toller Spiegel für den Menschen“, erklärt Schönborn. Es gebe sehr spontan und ehrlich ein Feedback auf das Verhalten des Gegenübers. Das kann Christiane May bestätigen. Seit einem knappen Jahr kommt sie zum Lohner Hof. „Nach einer Stunde braucht man gar nicht viel darüber zu reden, wie es gelaufen ist“, berichtet sie, „das Pferd sagt einem währenddessen schon alles.“

Cornelia Schmid (l.) und Claudia Schönborn bieten Coachings an. Foto: ZVA/Caroline Niehus

Das zeigt sich auch beim Coaching mit ihren Kindern: Kommt eines Camparie zu nah, zeigt das Pony ihnen, das ihm das nicht gefällt. Verhalten sie sich andererseits ruhig und führen es geduldig, so gehorcht es den Kleinen. Auch Mutter Christiane May hat es nicht immer leicht. Sie hat ab und an Probleme, sich durchzusetzen und das Pferd direkt zum Stehen zu bringen, wenn sie es möchte. Aber mit der Zeit klappt es immer besser, sie führt Camparie durch einen Parcours, den ihre Kinder aufgebaut haben.

„Ich werde immer selbstbewusster und lerne, das zum Beispiel ein Nein nicht immer böse sein muss“, sagt sie. Das habe sie auch schon auf Situationen mit ihren Kindern übertragen können. Mithilfe der Pferde lerne sie vor allem Körpersprache – und das man nicht lauter werden muss, um sich durchzusetzen.

Schönborn beobachtet die Fortschritte der Familie zufrieden. Auch das Gemeinschaftsgefühl ist bei dieser Gruppe wichtig. Geht am Anfang noch jeder der vier allein nacheinander mit Camparie durch die Halle, so schaffen sie es bald, das Pony zusammen zu führen. Erst gibt es auch dabei Unstimmigkeiten, doch das ist Teil des Prozesses.

„Im Kontakt zum Pferd wird klar, wie jemand führt oder mit anderen umgeht“, erläutert Schönborn. Das jeweilige Therapiepferd wird individuell ausgewählt, denn auch die Tiere haben verschiedene Charaktereigenschaften. Je nachdem, welche Probleme die Klienten haben, wird das passende Pferd bereitgestellt. Und dann gibt es kein Verstecken mehr: „Das Tier spiegelt sofort, ob man Angst oder Stress hat, das kann man nicht verbergen“, sagt Cornelia Schmid. Im zwischenmenschlichen Bereich könne man sich verstellen oder Dinge schön reden, mit dem Pferd gehe das nicht.

Das Coaching findet deshalb auch im geschützten Rahmen statt, niemand soll vorgeführt werden. Beim Coaching mit Familie May sind dieses Mal aber einige Zuschauer dabei. Denn am Freitag fand eine Art Tag der offenen Tür. Viele Betriebe aus Deutschland, Österreich und der Schweiz waren da.

Christiane May und ihre Kinder haben es inzwischen geschafft, einen Weg zu finden, wie alle sich beim Spaziergang mit Camparie wohlfühlen. Niemand fühlt sich mehr eingeengt oder vernachlässigt. Mit diesem Erfolg beendet Schönborn das Coaching. Sie kann bei allen Familienmitgliedern ein zufriedenes Gesicht sehen. Mutter und Kinder lachen und freuen sich auf den restlichen Tag. An diesem müssen sie noch gemeinsam einen Schokokuchen backen. Das sollte jetzt kein Problem mehr darstellen, denn mithilfe von Pony Camparie haben die vier gelernt noch besser zusammenzuarbeiten.

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