Eschweiler: Neues "Design-Café" fürs St.-Antonius-Hospital

St.-Antonius-Hospital : „Design-Café“ ersetzt das Restaurant, Personal bekommt Rückendeckung

Die Gastronomie im St.-Antonius-Hospital wird sich grundlegend ändern, und das nicht nur, weil mit ziemlich großer Sicherheit die hauseigene Küche spätestens am Ende des Jahres dicht gemacht wird.

Das bisherige Restaurant Akzente wird im Sommer ebenfalls schließen, kernsaniert und durch ein edles Café mit Design-Elementen ersetzt – samt Außenbereich. So steht es seit Februar auf der Internetseite der bundesweit agierenden Kanne Group, die sich auf Service-Konzepte unter anderem im Krankenhaus-Sektor spezialisiert. Das Unternehmen übernimmt die Gastronomie im Erdgeschoss des Eschweiler Hospitals. „Bereits im Sommer dieses Jahres werden die umfangreichen Bauarbeiten beginnen und sollen bereits nach drei Monaten abgeschlossen sein“, heißt es auf der Internetseite.

Zwangsläufig stellt sich die Frage, ob der neue Betreiber nicht Teile des heutigen Küchen- und Restaurantpersonals übernehmen kann. Die Betreiberfirma verweist bei dieser Frage ans Hospital. Auf Anfrage teilt Krankenhaus-Chef Elmar Wagenbach aber mit, dass er derzeit keine Angaben zu Personalangelegenheiten macht. Grund seien die laufenden Verhandlungen über die Abwicklung der Küchenschließung.

Die Mitarbeiter der KVA GmbH, die noch die Hospitalküche und das Restaurant betreibt, nehmen die drohenden Jobverluste nicht widerstandslos hin. Am Montag waren die Angestellten und der Betriebsrat um Silva Heuser und Sascha Weber erneut in der Innenstadt mit Unterschriftenlisten präsent. Weit mehr als 700 Bürger hätten sich bislang an der Aktion beteiligt. Am vergangenen Freitag fand auch das erste Informationsgespräch zwischen dem Betriebsrat und der Krankenhaus-Geschäftsführung statt, „aus dem viele Frage offen geblieben sind“, wie der Betriebsrat unserer Redaktion mitteilt.

Um in weitere Gespräche einzusteigen, habe der Rechtsanwalt des Betriebsrates dem Krankenhaus als Arbeitgeber eine Liste erstellt mit nötigen Informationen, die noch nicht vorliegen würden, aber für Verhandlungen über einen Sozialplan essentiell seien. Dabei geht es „insbesondere um wirtschaftliche Zahlen“. Wichtig ist in dem Zusammenhang zu wissen, dass die betroffenen Angestellten unterschiedliche Verträge habe, es wird also viele Einzelfälle geben, über die gesonderte Gespräche geführt werden müssen. Der Betriebsrat teilt auch mit, dass „ein Fortbestand der Küche keine Option“ für den Arbeitgeber sei und dass die Unterschriftenaktion auf dem Stadtfest am kommenden Wochenende weitergehe.

Nimmt das drohende Aus nicht widerstandslos hin: der Betriebsrat der KVA GmbH mit Silva Heuser und Sascha Weber. Foto: ZVA/Carsten Rose

Die Mitarbeiter der KVA GmbH erhalten nicht nur in Form der Unterschriften Rückendeckung, sondern auch von Politik und Verwaltung. So versucht die SPD, den Betriebsrat in organisatorischen Dingen zu unterstützen und zu vermitteln. Der Stadtverbandsvorsitzende Oliver Liebchen betont jedoch, dass weder die Partei noch die Politik an sich in die Verhandlungen eingreifen möchte. „Wir werden keine Forderungen äußern und somit die Gespräche auch nicht stören, das ist auch Wunsch des Betriebsrates“, sagt Liebchen.

Bürgermeister Rudi Bertram zeigt sich ebenfalls mit den Küchenmitarbeitern solidarisch, er werde auch „von sehr vielen Bürgern“ auf die Vorgänge angesprochen – die meisten zeigten sich empört. Da, wo Bertram Einfluss nehmen könne, würde er „sein Gedankengut“ einbringen – Entscheidungen kann er als Bürgermeister in der causa allerdings nicht treffen, und in die laufenden Verhandlungen kann und will Bertram auch nicht eingreifen. Die Verwaltung verfolgt die Entwicklung jedoch auch aus eigenem Interesse, weil die Hospitalküche bislang neun Grundschulen mit 800 Essen täglich versorgt und die Stadt nun einen neuen Zulieferer suchen muss.

Rudi Bertram persönlich – also nicht aus Sicht der Verwaltung – hält die Privatisierung der Krankenhausküche für den falschen Entschluss, sagt er offen: „Wir haben in der Verwaltung selbst negative Erfahrungen mit Privatisierungen gemacht. Ich hoffe, dass sie beim Krankenhaus im Service nicht zu einem Qualitätsverlust führt.“ Da es im Großen und Ganzen auch um die Außendarstellung des einzigen Krankenhauses in Eschweiler geht, sieht er die Entwicklung, dass das heutige Restaurant in ein edles Café mit „innovativen Speisen“ (laut Betreiber) umgewandelt wird, für ein positives Zeichen. „Wir wollen und müssen das Niveau des Krankenhauses halten. Ein solches Angebot für Patienten und Besucher gehört dazu.“

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