Eschweiler: Eschweiler Netzwerk will armen Kindern Flügeln verleihen

Eschweiler: Eschweiler Netzwerk will armen Kindern Flügeln verleihen

Die Statistik ist alarmierend: 21 Prozent der Kinder in Eschweiler leben in Familien, die SGB-II-Leistungen beziehen, also unterhalb der Armutsgrenze.

Diesen Zustand zu bekämpfen, hat sich das „Netzwerk gegen Kinderarmut“, das am 27. Februar von zahlreichen Institutionen, Organisationen, Vereinen, Schulen und Kindertageseinrichtungen ins Leben gerufen wurde, auf die Fahne geschrieben. Wichtigstes Ziel: Die betroffenen Kinder, aber auch deren Familien, sollen möglichst früh Hilfsangebote erhalten und nicht erst, wenn das Kind sprichwörtlich in den Brunnen gefallen ist. Unterstützung erhalten die Netzwerker von den Mitarbeitern des Jugendamts, des Sozialamts, des Amts für Schulen, Sport und Kultur sowie von den Verantwortlichen des Jobcenters und der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt, Sigrid Harzheim.

„Die Diskussion der Fachkräfte während der Auftaktveranstaltung am 27. Februar hat gezeigt, dass die Prävention von Kinderarmut in Eschweiler eine Aufgabe kommunalen Handelns ist“, betont Manfred Knollmann, 1. Beigeordneter der Stadt. Dies bedeute aber nicht nur, dass Politik und Verwaltung aufgerufen seien, zur Prävention von Kinderarmut beizutragen, sondern auch, dass die in Eschweiler präsenten Vereine, Organisationen und Träger mit ihren Einrichtungen beteiligt sein müssten, erklärte der Stadtkämmerer. „Menschen, die in Sportvereinen, Beratungsstellen, Kindergärten oder Schulen tätig sind, haben einen direkten und vertrauensvollen Kontakt mit von Armut betroffenen oder durch Armut gefährdeten Familien und können somit unmittelbar helfen oder Hilfen vermitteln“, betonte Manfred Knollmann. Der Gedankenaustausch während des ersten Treffens habe gezeigt, dass in den Vereinen und Einrichtungen große Bereitschaft bestehe, der Kinderarmut entgegenzutreten.

Dass diese Bereitschaft auch notwendig ist, machte Dr. Claudia Nacken vom Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Gesundheitsamts der Städteregion Aachen deutlich. „Nordrhein-Westfalen weist unter den alten Bundesländern die höchste Kinderarmutsrate auf. Und die Städteregion Aachen liegt in dieser Hinsicht über dem NRW-Durchschnitt“, so die Kinderärztin. Dies habe schwerwiegende Folgen: „Studien belegen, dass Kinder, die in Armut aufwachsen, im Erwachsenenalter über eine schlechte Gesundheit verfügen.“ Kinder mit einem sogenannten „niedrigen Sozialstatus“ erhielten seltener wichtige Vorsorgeuntersuchungen, seien überdurchschnittlich häufig von Übergewicht betroffen und litten verstärkt unter Entwicklungsstörungen und -verzögerungen, nicht zuletzt in der Sprachentwicklung. „Oft wissen die Eltern einfach nicht, was ihre Kinder krank macht“, nannte Dr. Claudia Nacken einen wichtigen Grund für diesen Zustand. Junge Eltern, erst recht, wenn sie alleinerziehend sind, seien oft schlicht überfordert. „Deshalb sollten Hilfsangebote schon während der Schwangerschaft die werdenden Eltern erreichen“, nannte die Medizinerin einen Lösungsansatz.

Unter der Moderation von Jugendamtsmitarbeiter Wilhelm Haustein, der als Koordinator des Netzwerks fungiert, wurden vier Arbeitskreise mit den Handlungsfeldern „Soziales und Gesundheit“, „Bildung“, „Kultur, Sport und Freizeit“ sowie „Alleinerziehende“ gebildet.

Bei weiteren Treffen gilt es nun, sich bis zu den Sommerferien einerseits über bestehende Angebote auszutauschen, andererseits Ideen für weitere Angebote zu entwickeln. Das Fernziel ist deutlich formuliert: „Kinder sollen so gestärkt werden, dass sie später in der Lage sind, ihr Leben selbstständig zu meistern.“ Bereits jetzt gebe es zahlreiche Angebote. Die Frage müsse lauten, wie diese Angebote die Menschen erreichen, die sie benötigen.

Darüber hinaus stimmten die Teilnehmer über einen Namen für das Netzwerk gegen Kinderarmut ab. Die Mehrheit entschied sich für die Idee „Flügelschlag“. Nun muss noch geprüft werden, ob dieser Name nicht bereits anderweitig besetzt ist. Ist dies der Fall, wird wohl der Zusatz „Starke Kinder an der Inde“ den „Flügelschlag“ ergänzen.

Erste Ideen im Herbst

Zwischen den Sommer- und Herbstferien ist ein weiteres Treffen des gesamten Netzwerks vorgesehen. Dann sollen erste Ideen und Ergebnisse vorgestellt werden. Weitere Informationen sind bei Wilhelm Haustein unter Telefon 71390 oder per E-Mail unter der Adresse wilhelm.haustein@eschweiler.de zu erhalten.

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