Eschweiler Musikliebhaber wieder einmal verwöhnt

Emotionales Karfreitagskonzert : Von der Verzweiflung zu Hoffnung und Erlösung

In St. Peter und Paul erlebten die Besucher ein beeindruckendes Karfreitagskonzert. Eine breite Palette emotionaler Momente wurde meisterhaft zu Gehör gebracht.

Karfreitag: Für Christen ein Tag des Leids, des Schmerzes, der Verzweiflung bis hin zum Tod. Doch ebenso erahnen die Gläubigen bereits ein Licht der Hoffnung am Horizont. Das Licht der Auferstehung. Das Licht der Erlösung. Musik kann auf diesem Weg eine große Unterstützung und Hilfe sein. Die Virtuosen Violetta Palatinus und Jozsef Acs führten am Abend dieses außergewöhnlichen Tages ihre zahlreichen Zuhörer in der Pfarrkirche St. Peter und Paul im Rahmen des traditionellen Konzerts aus dem Dunkel des Todes in die Helligkeit, während außerhalb des Gotteshauses der (sonnerdurchflutete) Tag langsam aber sicher in die Nacht überging.

In diesem Spannungsfeld der Emotionen und Stimmungen hinterließ die „Sammlung meditativer musikalischer Gebete“, die die famose Sängerin sowie der begnadete Instrumentalist an der Orgel sowie am Flügel präsentierten, enormen Eindruck bei den spürbar berührten Konzertgästen.

„Am Karfreitag hat unser Herr Jesus Christus durch sein Leiden und Sterben die Macht der Sünde und des Todes gebrochen. Es ist ein Tag der Trauer, aber auch der tiefen Dankbarkeit über das große Geschenk dieser göttlichen Gnade. Die musikalischen Kunstwerke, die uns Violetta Palatinus und Jozsef Acs heute präsentieren, laden uns zum Nachdenken über das Geschehen des Karfreitags und dessen tiefe Bedeutung für unser Leben als erlöste Christen ein“, begrüßte Pfarrer Michael Datené das Publikum.

„Mensch, wo bist du?“

Der Gastgeber ergriff nicht nur zwischen den musikalischen Werken das Wort und gab Hinweise zu den einzelnen Kompositionen, sondern lenkte ebenso die Aufmerksamkeit auf das Fastenhungertuch des Künstlers Uwe Appold, das den Gläubigen unter der Überschrift „Mensch, wo bist du?“ bereits in den zurückliegenden Wochen stets vor Augen stand und mit seiner Symbolik, die leuchtendes Blau, rissige Erde, rot umrandete Steine, einen leuchtend goldenen Ring, geheimnisvolle Schriftzeichen, Kreuze und eine rot-blau bekleidete Figur umfasst, zur persönlichen Auseinandersetzung auffordert.

Musikalisch eröffnete Jozsef Acs das Konzert mit der Ouvertüre aus dem Händel-Oratorium „Der Messias“, die er an der Orgel feinfühlig interpretierte, bevor er den Weg von der Empore in den Kirchenraum antrat, um dort am Klavier zunächst Violetta Palatinus zu begleiten. Die Sopranistin stimmte die Arie „Zerfließe, mein Herze, in Fluten der Zähren dem Höchsten zu Ehren“ aus der „Johannes-Passion“ von Johann Sebastian Bach an und füllte dabei voller Empathie und Schwermut die Rolle Maria Magdalenas aus, die nach dem letzten Ausruf („Es ist vollbracht“) und Atemzug Jesu ihren Schmerz und ihre Trauer über dessen Tod ausdrückt.

Schmerz und die höchst menschliche Angst vor dem Sterben drückt auch die Vertonung des Gedichts „Stabat Mater“ aus, die der 26-jährige Giovanni Battista Pergolesi im Jahr 1736 wenige Wochen vor seinem Tod vollendete. Gegensätzliche Gefühlsregungen symbolisieren die Präludien in Chopins Opus 28: Nr. 6 stellt den kurzen Moment der Dankbarkeit und Hoffnung in den Mittelpunkt, als Jesus, niedergedrückt von der Last des Kreuzes inmitten seines Leidensweges, der mitleidenden Veronika begegnet, die ihm mit einem Tuch das Blut und den Schweiß vom Angesicht wäscht. Das Präludium Nr. 20 bringt mit seiner ganzen Wucht und Dramatik dagegen die Verzweiflung von Judas Iskariot zum Vorschein, der nach dem Kreuzestod Jesu voller Verzweiflung erkennt, was sein Verrat bewirkt hat und sich im Gefühl purer Hoffnungslosigkeit das Leben nimmt.

Dass der Tod dennoch nicht das letzte Wort hat, verdeutlichte Jozsef Acs  mit der abschließenden Eigenkomposition „Hymnus“, die er einem Freund als Dank für dessen selbstlose Hilfe widmete. Klänge, die in der anbrechenden Nacht des Karfreitags die strahlende Freude der Auferstehung vorausahnen ließen.

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