Eschweiler: Mehrfamilienhäuser an der Mittelstraße zwangsversteigert

Mehrfamilienhäuser zwangsversteigert : Mieter an der Mittelstraße haben neuen Eigentümer

Für die Bewohner von zwei Mehrfamilienhäusern in Eschweiler-Röthgen scheint eine mehr als zwei Jahre lange Farce zu Ende zu gehen.

Für die Mieter in zwei Mehrfamilienhäusern an der Mittelstraße scheint eine mehr als zwei Jahre lange Farce zu Ende zu gehen. Eine Zwangsversteigerung hat einen neuen Eigentümer der je 20 Wohnungen fassenden Objekte gefunden. In der Stadt Eschweiler ist es ein krasser Einzelfall, dass ein Vermieter nicht erreichbar ist, Sanierungen ausbleiben, Nebenkosten nicht bezahlt, Wohnungen verkommen und die Mieter sich letztlich nur irgendwie selbst helfen können, wenn Strom und Gas abgestellt werden. Vor einigen Jahren, so erinnert sich Dieter Kamp von der Stadt Eschweiler, habe es nur eine ähnliche Situation in Kinzweiler gegeben: „Auch damals haben sich die Mieter zusammengeschlossen und zum Beispiel die Verwaltung der Nebenkosten selbst in die Hand genommen.“

Gegen den ehemaligen Eigentümer der Häuser an der Mittelstraße läuft ein Insolvenzverfahren, mehrere Schuldner warten noch auf ihr Geld, unter anderem auch die Stadt Eschweiler auf eine niedrige vierstellige Summe.

An der Zwangsversteigerung am Donnerstagmorgen am Amtsgericht überraschte, dass sich direkt beim ersten Biettermin ein Interessent fand. Dass es dann für beide Häuser ein und derselbe Interessent war, der für insgesamt 990.000 Euro den Zuschlag bekam, ist auch nicht selbstverständlich. Der 70-Jährige aus Langerwehe sorgte bei seinen Bietkonkurrenten und den übrigen Anwesenden in den jeweiligen Bietrunden für zum Teil ungläubige Erheiterung, weil er seine Gebote erst kurz vor Ende nannte und seine letzten Konkurrenten (ein Mann beim ersten Haus, ein Ehepaar beim zweiten) danach in stoischer Ruhe stetig mit großen Sprüngen überbot. Fast filmreif.

Keine Statistik

Mehrere Wohnungen sind in beiden Häusern in einem unzumutbaren Zustand. Die Vertreterin einer Bank, die als Gläubigerin auftrat, betonte jedoch nach dem Studium der entsprechenden Gutachten, dass alle Schäden ohne größere Umstände zu beseitigen seien. Dennoch seien einige Investitionen nötig, was beim Wert berücksichtigt worden sei.

Zwangsversteigerungen stehen immer wieder im Kalender des Eschweiler Amtsgerichtes. Jedoch lässt sich nicht sagen, wie viele es sind, und ob es sich primär um Mehrfamilien- oder Einfamilienhäuser beziehungsweise Wohnungen handelt. „Es gibt keine statistische Erhebung darüber, welche Art von Objekten versteigert werden. Auch unterliegt dies sehr starken Schwankungen, so dass insoweit keine verlässliche Aussage getroffen werden kann“, heißt es aus der Verwaltung des Amtsgericht auf Anfrage. Festhalten ließe sich aber, dass „die Anzahl der anberaumten Zwangsversteigerungstermine in den letzten Jahren spürbar abgenommen hat“.

Dass Grundstücke, Häuser und Wohnungen zwangsversteigert werden, liegt nach Angaben des Gerichts hauptsächlich daran, dass die Eigentümer ihre Kredite nicht mehr bedienen könnten. „Ein wesentlich geringerer Anteil von Verfahren entsteht dadurch, dass sich verschiedene Miteigentümer (z.B. Erbengemeinschaft, geschiedene Ehegatten) nicht über die Verwendung des Grundbesitzes einigen können.“

Mehr von Aachener Nachrichten