Eschweiler Marktplatz wird zum Bierdorf

Eschweiler feiert seine 1. Bierbörse : Vom Schwarzen Abt zum UrlauBeer

An die 350 Sorten Bier präsentieren sich auf der 1. Eschweiler Bierbörse, darunter auch Craftbier aus Kinzweiler

Mehr als 101 Liter Bier trank jeder Deutsche anno 2017. Im von der Statistik noch nicht erfassten Rekordsommer 2018 dürfte sich die Zahl noch um ein paar Liter nach oben bewegt haben. Im europäischen Vergleich wird nur in Tschechien pro Kopf mehr Bier getrunken. Wieviel des edlen Gerstensaftes in Eschweiler durch die Kehlen floss, kann man nur raten. Fest steht: „Der Eschweiler ist dem Bierkonsum nicht abgeneigt“, wie Bürgermeister Rudi Bertram es gestern vorsichtig ausdrückte.

Und weil das so ist, will man das  auch feiern. Aus dem Wirtschaftsförderungsamt im Rathaus stammt die Idee, dem kühlen Nass ein eigenes Festival zu widmen. In Andreas Born von der Erkelenzer Event-Agentur EMG fanden die Indestädter den passenden Partner: Born und sein Team veranstalten seit Jahren Bierbörsen. Die gibt  es seit nunmehr 33 Jahren in inzwischen gut 30 Städten –  in Köln wie in Leipzig, in Trier und Karlsruhe, in Dresden und Mainz, in Düsseldorf und Wolfsburg, um nur einige zu nennen. Und künftig auch an der Inde.

„Eschweiler ist ein schöner Standort und der Marktplatz ein wunderschönes Gelände“, freut sich Andreas Born auf das, was sich am Wochenende vom 3. bis 5. Mai im Herzen der City abspielen wird. Dann lockt hier ein Bierdorf mit 24 Ständen das genussfreudige Publikum aus Nah und Fern und präsentiert hier an die 350 Biersorten.

Und die haben es in sich: Da gibt es Biere aus Mexiko und Spanien ebenso wie aus Polen, Kroatien und Tschechien sowie aus belgischen und bayerischen Klöstern. Biere mit Namen wie „Mord und Totschlag“, „Seelsorger Bräu“ (“für die göttlichen Momente im Leben“) und „Schwarzer Abt“. Letzteres stammt aus der Neuzeller Kloster-Bräu und hat eine ganz besondere Geschichte: Erstmals gebraut wurde es vor 430 Jahren im Kloster Neuzelle. Im Mai 2013 gelangte eine Flasche des Schwarzbiers nach Rom, wo Papst Franziskus sie segnete. Seither schwebt die Flasche über dem Braukessel des „Schwarzen Abts“ in der Klosterbrauerei –  „um die Energie des Segens auf jeden Tropfen des tief dunklen Schwarzen Abts zu übertragen.“

350 Sorten Bier, viele vom Fass, andere in der Flasche. Dazu gibt’s für Kinder, Liebhaber anderer Geschmäcker und die, die noch fahren müssen, alkoholfreie Biere und andere Getränke, selbst alkoholfreie und -haltige Cocktails, aber keine Spirituosen. Dafür aber Weine und deftige Leckereien wie Fisch und Steaks oder Wurst vom Grill, die man in jedem der zahlreichen kleinen Biergärten verzehren kann.

Die Biere gibt’s übrigens  nicht in Plastikbechern, sondern in Originalgläsern der jeweiligen Brauerei – für zwei Euro Pfand.

Das Angebot der Eschweiler Bierbörse ist durchaus ausbaufähig, wie Andreas Born versichert: „Wir machen jetzt erst einmal einen kleinen Probelauf, und wenn das funktioniert, ziehen wir die Börse im kommenden Jahr und den folgenden deutlich größer auf.“ Manche der Aussteller, die jetzt mit einem Stand anrücken, könnten dann mit dreien oder vieren kommen und das Bierangebot noch weitaus internationaler gestalten.

Dann dürfte sich auch die Palette der Craftbiere erhöhen, die jetzt noch recht überschaubar ist. Craftbiere, so nennt man die edlen Tropfen, die handwerklich von unabhängigen Brauerein gefertigt werden. Ein Trend, der in den 1970er Jahren nach dem Niedergang führender Braukonzerne in den USA entstand und längst auch auf Europa übergeschwappt bist.

Neben Craftbieren der Chemnitzer Stonewood Braumanufaktur ist an diesem Wochenende auf dem Marktplatz auch ein Bier zu finden, das in Kinzweiler entwickelt wurde: UrlauBeer. Der Name kommt nicht von ungefähr. Vor fünf-sechs Jahren entdeckten Mark und Dorthe Urlaub – schon der Familienname steht für Sommer, Sonne, gute Laune und Entspannung – das Brauen als ihr Hobby. Seither werden in der heimischen Küche Rezepte ausprobiert, wird gekostet und verfeinert. Seit 2018 betreiben der Ingenieur und die Mitarbeiterin einer Sprachschule ihr Hobby gewerblich. Ihr UrlauBeer gibt es sowohl in einem Eschweiler Fachgeschäft wie auch in einer Kneipe zu kaufen. Gebraut wird es nach Urlaubs Rezepten auswärts, wo Kleinbrauereien Kapazitäten frei haben. In Flaschen abfüllen und etikettieren müssen die beiden Craftbier-Kreativen es dann wiederum von Hand zu Hause. Was jede Flasche zu einem Unikat macht. In diesem Jahr haben Dorthe und Mark Urlaub ihr zweites Bier auf den Markt gebracht. Das erste war und ist ein Pale Ale mit 5,2 Prozent Alkoholgehalt, ein feinherbes, obergäriges Bier mit Hallertauer Hopfen und leichter Zitrusnote. Craft Nr. 2 ist ein untergäriges Amber mit 5,9 Prozent Alkoholgehalt und malzigem Charakter, das durch die Verwendung von Cara Red-Malz seine rötliche Färbung und seinen cremefarbenen Schaum erhält.

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