Eschweiler: Mai-Club Röhe feiert 7. Kölsche Nacht

Mai-Club Röhe wird 50 : Das Jubiläum eines Vereins, der sich stets neu erfinden musste

Ein großer Einschnitt war der Zeitpunkt, als der Verein seine Schlagernacht abschaffte und dafür auf Kölsche Musik setzte. Das zieht wieder mehr Gäste an. Zur 7. Ausgabe werden über 800 erwartet.

Im Jubiläumsjahr des Mai-Clubs Röhe geht es weniger um eiserne Traditionen, als um das einfache Ziel, das Gemeinschaftsleben zu fördern – ein Portrait des Vereins, der 50 wird und sich öfter neu erfinden musste.

1969 gründeten Röher Bürger die „Maigesellschaft“, nachdem sie bereits ein Jahr zuvor aus Spaß einen Maibaum am Nickelstift aufgestellt hatten. Der Reigen nahm seinen Lauf, und die erste Versteigerung eines Königspaars wurde im März 1969 gefeiert. Mit Aggi Kertzmann und Willi Monger startete die Vereinsgeschichte. Zweifellos mit der Aufstellung des Maibaums zur Tradition geworden, lebt der Verein aber ganzjährig die Gemeinschaft, beteiligt sich am Karnevalsumzug, unternimmt Radausflüge und war für einige Zeit berüchtigt für talentierte Fußballer.

Die 70er: Die Thekenmannschaft Fortuna Lux wurde ’74 gegründet. Sie wirbelte die lokale Fußballszene durcheinander und fusionierte mit der Maigesellschaft zum heutigen „Mai-Club Röhe“. Zwei Jahre später war das Potenzial an Mädchen ausgeschöpft: Es fand sich keine Königin, im Verein kriselte es. Aus der Lethargie gerissen wurde er 1977 international, mit Bernice van de Vaart war ein „holländisches Meisje“ Maikönigin. Es ist auch jenes Jahr, als zum ersten Mal ein Fußballturnier für Freizeitkicker stattfand, und da der Sportplatz Ellerberg verseucht war, wich man auf den an der Erfstraße aus. Auch anderweitig schrieben die Röher die Geselligkeit groß, denn per Drahtesel fuhren sie nach Düsseldorf oder gleich nach Mallorca.

Die 80er: Nachdem ’82 der Eintrag ins Vereinsregister vollzogen wurde, erlangten die Fußballer ein Jahr später den Meistertitel der Freizeitliga Aachen. Über Jahre behielten die Fußball-Abteilung und das eigene Turnier mit hunderten Zuschauern ihren Reiz, auch die Frauen – die „Maikäfer“ Röhe – waren siegreich. Frischer Wind kam Mitte der 80er Jahre mit dem Vorsitzenden und Gründungsmitglied Franz-Josef Körfer.

Bereits zum 15. Geburtstag unterhielten Kölsche Stars die Gemeinschaft: Ob das Colonia Duett oder später die Höhner und die Paveier – der rheinische Frohsinn kam gut an.

Die 90er: Die magische Zahl von 100 Mitgliedern wurde geknackt. ’93 folgte eine Zäsur: Die Fußballer hatten Probleme, eine komplette Elf auf die Beine zu stellen, was schließlich dazu führte, dass der Sportbetrieb zu Ende ging. Gleichzeitig begann die Röher Schlager-Ära, Andy Borg sang sich in der ausverkauften Mehrzweckhalle in die Herzen der Gäste.

40 Paare im Gefolge begleiteten zum 25. Geburtstag das Paar Elke Deutschle und Ralf Schumacher. Nach einem Jahr, in dem die Fußballer wieder aktiv wurden, konzentrierte sich der Verein fortan auf das Maifest. Und mit der Karnevalsgesellschaft organisierten die Röher einen Adventsmarkt.

Freuen sich aufs rauschende Fest: Der Mai-Club Röhe mit seinem Königspaar Susanne Oellig und Fabian Capellmann und dem Festausschuss. Foto: Manuel Hauck

In dem Jahrzehnt gastierten auch G.G. Anderson, Gaby Baginsky und Jürgen Drews in Röhe. Der Zuspruch war so groß, dass der Mai-Club im großen Festzelt feiern musste. Es folgten auch Schlagerkönigin Andrea Berg und Ibo. Und Michelle, die sich noch zu einem Star entwickeln sollte, stand auch auf der Röher Bühne.

Die 2000er: Der Rinkensplatz und ein Frühlingsfest rund um die bunt dekorierte Birke etablierten sich. 2002 dann ein Schock: Starke Stürme wüteten, doch die handwerklich begabten Mitglieder retteten das Festzelt. Die Feuerwehr rückte zum Rinkensplatz aus, weil ein Stahlseil aufgrund der Sturmböen zur Gefahr wurde. Das Maifest verlief schließlich ohne Blessuren.

Kurz bevor das Jahrzehnt endete, und der Club seinen 40. Geburtstag feierte, gab es Umbrüche. Vorerst letztmalig wurde im Festzelt gefeiert – und ein Generationswechsel läutete eine neue Ära ein.

Ab 2010: Nachwuchs beerbt den alten Vorstand: Als Reaktion auf die Rückgänge bei den Gästezahlen in der Mainacht setzt der Verein wieder auf die Mehrzweckhalle. Herausfordernd wird es auch, Königspaare zu finden, weil vielen Mitgliedern die Zeit fehlt. 2013 erfand sich der Verein neu wie nie zuvor: Er schaffte die Schlagernacht ab. Kölsch war der Ersatz – und das zieht seitdem. Lokale und überregionale Künstler wie Marita Köllner und de Boore werden engagiert. Die Zuschauerzahlen steigen derart an, dass der Verein wieder ins Festzelt wechselt.

Und nun, 2019, steht die siebte Kölsche Mainacht an, das vermeintlich verflixte Jahr. Marco Schnürer, Geschäftsführer, und Benno Bosch, 2. Vorsitzender, versprechen, dass zum 50. Geburtstag ein besonderes Programm wartet. Fürs Jubiläum loste der Zufall Susanne Oellig und Fabian Capellmann als Königspaar aus. „Obwohl es ambitionierte Anwärter gibt, ist es reine Glückssache“, erklärt Benno Bosch. „Nach dem amerikanischen Prinzip gibt es pro Bewerber-Paar einen Umschlag. Niemand weiß, welche Namen in welchem Umschlag stecken. Es ist ein großer Spaß, denn die Gäste wetteifern, werfen die Taler in Strohhüte und rufen laut durch den Raum.“ So wird erst nach drei Auktionsrunden und jeweils 90 Sekunden der Name des Königspaares enthüllt.

Obwohl es locker zugehen soll in Röhe, stellt der Mai-Club hohe Ansprüche, wenn es um die Umsetzung ihrer Mainacht geht, denn jeder weiß, wie es war, als die Gäste bei den Schlagernächten ausblieben. „Dass die Leute sich wohl fühlen und gerne wiederkommen, liegt auch daran, dass wir uns bemühen, hohe Qualität zu bieten“, betont Benno Bosch.

Eine logistische Herausforderung ist die Mainacht allemal. Nach dem regen Kartenvorverkauf entschloss der Verein kurzfristig, das Festzelt zu vergrößern. 20 Meter breit und 45 Meter lang ist es nun, damit über 800 Gäste Platz zum Feiern haben. Der Verein stemmt das meiste aus eigener Kraft, was in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich ist. „Es ist schwierig, engagierte Menschen zu finden, die sich für unsere Tradition begeistern, wenn man überhaupt davon sprechen kann, weil wir alles lockerer auslegen“, sagt Marco Schnürer, ohne dass er den Mai-Club als Partyverein darstellen will. Besonders soll nach einer wohl kurzen Nacht der Umzug am ersten Mai werden. Von allen Königspaaren konnte man 29 für das Jubiläum gewinnen, davon müssen lediglich drei Königinnen ohne ihren Maikönig auskommen.

Bevor es ab Dienstag in die Vollen geht, wollen Bosch und Schnürer Eines nicht unerwähnt lassen: „Unser Dank für das Jubiläum gilt allen Ehrenamtlern, die sich für den Mai-Club einsetzen, und dem Festausschuss, der dafür sorgt, dass wir unseren 50. Geburtstag so feiern können, wie geplant.“