Eschweiler: Kabarettist Christoph Reuter im Talbahnhof

Kabarett im Talbahnhof : Christoph Reuter bietet eine leichte „Doppelstunde“ mit Substanz

„Ohne die Vergangenheit besitzt die Gegenwart keine Berechtigung.“ Immer dann, wenn es bei Christoph Reuter eigentlich sehr vergnüglicher „Doppelstunde Musik“ allzu lustig oder gemütlich zu werden droht, lässt er Gast in seinem Programm jäh den Ernst aufblitzen.

Denn die Liebe zur Musik wirkt leicht ansteckend – zumal, wenn sie so amüsant dargeboten wird wie von diesem Gast aus Berlin.

Dabei weiß der aus Dessau stammende Künstler ganz genau, was er tut. Denn der 42-Jährige hat ein Studium als Jazzpianist absolviert und geht schon von daher mit einem soliden Rüstzeug auf die Reise. Aber er ist halt auch mehrfach mit Preisen ausgezeichneter Kabarettist und kann von daher zu jedem Ton auf ironische Distanz gehen. Das verleiht seiner „Doppelstunde“ Leichtigkeit und Substanz zugleich. Anders gesagt: Christoph Reuter weiß sehr genau, worüber er juxt.

Spielen kann er natürlich auch: nicht nur auf dem Klavier oder seinem Keyboard, das er im Talbahnhof kokett auf ein Bügelbrett gestellt hat. Zu Beginn ist erst einmal das Publikum dran, vor allem die Leute, die fahrlässig genug sind, sich im Saal des Kulturzentrums ganz vorne hinzusetzen. Dann geht es ihnen nämlich wie Doris, die von Reuter schwuppdiwupp zur Klassensprecherin gemacht wird. Oder wie Julian: Der ist von seinen Eltern in die Vorstellung mitgenommen worden, aber hat nicht so wirklich Laune – am wenigsten aufs Singen. Macht aber nichts: Reuter kriegt sie alle.

Es gab tüchtig zu lernen

„Von Bach bis Bohlen“ führt die Reise. Wieder sorgen Stilgefühl und Ausbildung des mehrfach begabten Solisten dafür, dass daraus kein banales „Best Of“ oder eine Aneinanderreihung abgenudelter „schöner Stellen“ wird. Das liegt vor allem daran, dass das Bühnenprogramm klar strukturiert ist wie es eine beliebige Doppelstunde in einer beliebigen Schule ist beziehungsweise sein sollte. Dass die wichtigsten Akkorde Tonika, Dominante und Subdominante heißen, sich fast alle Glanzstücke der Musikliteratur entweder auf das Thema aus Mussorgskijs „Bilder einer Ausstellung“ oder Pachelbels Kanon zurückgehen – das alles und noch mehr hat Reuter im Verlauf seines Gastspiels an der Inde seinen quietschvergnügten Zuhörern ins Herz und die Großhirnrinde eingepflanzt. Denn wie in jeder halbwegs gediegenen Schulstunde, so gab es hier tüchtig etwas zu lernen.

Das bedeutet natürlich nicht, dass im Talbahnhof der Spaß zu kurz kam. Zum Auflockern gab es den einen oder anderen Mitsingwettbewerb (zum Beispiel zum Thema „Pizza backen“), Quizspiele und ähnliche Aktionen. Das war wirklich gute Unterhaltung mit Tiefgang. Und hängen geblieben ist mit Sicherheit das eine oder andere. „Doppelstunde Musik“: ein Erfolg, und zwar ein nachhaltiger.

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