Eschweiler: Jugendamt auf der Suche nach Pflegefamilien

Temporäre Kinderbetreuung : Jugendamt sucht Pflegefamilien, die im Notfall helfen können

Das Eschweiler Jugendamt ist auf Pflegeeltern angewiesen. Die Kapazität in der akuten Kinderbetreuung ist dieses Jahr schon einmal erreicht worden. Problem: Die Familien, die ins Profil passten, gehören zum „Auslaufmodell“.

n Eschweiler leben zehn Familien, die in gewisser Hinsicht eine besondere Stellung einnehmen. Sie gehören zu den Familien im Bereich „FBB“, was eine Abkürzung im Fachjargon des Jugendamtes ist und bedeutet: Familiäre-Bereitschafts-Betreuung. Betonung auf Bereitschaft. Diese Familien nehmen nämlich kurzfristig kleine Kinder auf, wenn das Jugendamt keine andere Wahl hat, als diese zum Schutz des Kindes aus dem familiären Umfeld zu holen. Maximal drei Monate soll die Betreuung gehen, damit sich die Kleinkinder nicht an die Pflegeeltern binden.

Die Zahlen für Eschweiler sind nicht extrem auffallend, derzeit werden vier Säuglinge in diesem Rahmen betreut, was bei mehr als 500 Geburten pro Jahr weniger als ein Prozent ausmacht. Im Jahr 2019 waren es insgesamt 18 Kinder. Aber: „De facto waren wir dieses Jahr auch schon an unserem Limit“, betont Stefan Pietsch, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes. „Wir hatten schon zehn Kinder gleichzeitig in Betreuung, unsere Kapazitäten waren also ausgeschöpft.“ Darunter waren dann auch bis zu Vierjährige, mit dieser Altersspanne beschäftigen sich die Bereitschafts-Familien hauptsächlich. Kernbotschaft von Stefan Pietsch ist jedoch Folgende: „Wir benötigen immer wieder neue Familien, damit das System funktioniert.“ Zum einen, weil die „FBB“-Familien zu Ferienzeiten nicht durchgängig zur Verfügung stehen, zum anderen, weil auch Jugendämter aus der Städteregion oder dem Kreis Düren im Notfall auf die Eschweiler „FBB“-Familien zurückgreifen. Umgekehrt genauso.

„Ich finde es schön, dass sich die Jugendämter bei dem wichtigen Thema untereinander austauschen und helfen“, betont Christiane Preuschoff vom Pflegekinderdienst der Stadt Eschweiler. Sie arbeitet seit 28 Jahren beim Jugendamt und kann daher bei der Suche nach neuen Pflegefamilien festhalten: „Im Prinzip suchen wir Familien mit einem Modell, das in Deutschland ein Auslaufmodell ist: Wir brauchen Menschen, die zeitlich flexibel sind.“ Wenn beide Elternteile berufstätig sind, werde es schwieriger, die hohen Anforderungen im Bereich „FBB“ zu erfüllen.

Eine Anforderung, die aber nichts mit dem Zeitaspekt zu tun hat, sticht besonders hervor, betonen Pietsch und Preuschoff: Die Pflegeeltern müssen sich mindestens einmal wöchentlich mit dem Jugendamt und den leiblichen Eltern des oder der Kinder treffen. „Man muss die Wertschätzung gegenüber den Eltern immer wahren“, sagt Pietsch. Hinzukommt, dass sich die Pflegeeltern nach mehrwöchiger oder mehrmonatiger Betreuung im Klaren darüber sein müssen, dass sie keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Kindes haben. Die Elternrolle gilt nur temporär.

Weniger als eine Handvoll Bewerbungen um die Betreuung von Dauerpflegekindern, von denen es im Mai (inklusive „FBB“-Kinder) 82 in Eschweiler gab, sind 2019 bislang bei der Stadt eingegangen. 2018 keine einzige, sagt Christiane Preuschoff. Wer nur „FBB“-Kinder aufnehmen möchte, muss auch die Grundausbildung durchlaufen (siehe Infobox). Insgesamt werden übrigens nach Angaben des Jugendamtes rund 140 Kinder und Jugendliche jährlich von Pflegefamilien oder anderen Stellen betreut.

Zu diesem erst einmal nicht so positiven Thema kann Christiane Preuschoff aber auch eine schöne Anekdote erzählen: Eine Frau, die seit 30 Jahren Pflegekinder betreut, hat eines der Mädchen viele Jahre später wieder getroffen. Die nun erwachsene Frau sagte: „Die Jahre in der Familie waren die schönste Zeit.“

Ansprechpartner beim Pflegekinderdienst der Stadt Eschweiler: Stefan Pietsch, der stellvertretende Leiter des Jugendamtes, und Christiane Preuschoff. Foto: ZVA/Carsten Rose
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