Eschweiler: Im Wald wird Artenvielfalt großgeschrieben

Eschweilers Stadtwald leidet unter Stürmen : Friederike und die gefräßigen Käfer

Das „große Geld“ ist hier nicht zu machen: Wer bisher glaubte, das Holz des Stadtwalds ließe sich gewinnbringend vermarkten, der irrt. Die Stürme der vergangenen Jahre haben den Forstwirtschaftlern einen gewaltigen Strich duch die Rechnung gemacht. Und der Borkenkäfer tut sein Übriges dazu.

Bisher galt: Jährlich können aus dem Stadtwald rund 1415 Erntefestmeter (Efm) Holz genutzt werden. Eine Zahl, die längst nicht mehr zutrifft: Die Januarstürme 2018  – Burglind am 4. Januar und Friederike am 18. – sorgten dafür, dass allein in den Fichtenbeständen zwangsweise rund 3000 Efm genutzt werden mussten, was allein in dieser Holzart dem siebenfachen jährlichen Hiebsatz entspricht.

Konnte das noch zu relativ guten Preisen vermarktet werden und aufgrund der Menge die Einnahmen in 2018 deutlich steigern, so sind die Preise für Fichtenholz im Laufe des Jahres drastisch gefallen. Förster Marco Lacks verzichtet daher in diesem Jahr auf eine planmäßige Nutzung von Fichtenholz.

Dass dennoch Fichte wird geschlagen werden müssen, dafür wird der Borkenkäfer sorgen, der in hohen Population überwintert hat und auch in diesem Frühjahr, davon geht Lacks aus, für größere Schadholzmengen sorgen wird. Noch ist das Patentrezept, wie man den gefräßigen Käfern Einhalt gebieten kann, nicht gefunden. Auf flächendeckende Chemiekeulen per Hubschrauber jedenfalls will man in Eschweiler verzichten. Ob die bekannten Lockstoff-Fallen den gewünschten Erfolg haben, ist nicht garantiert und hängt von vielen Faktoren ab.

Lockt gefräßige Käfer mit Duftstoffen an: Borkenkäferfalle. Foto: Rudolf Müller

Forstwirte hoffen auf einen möglichst kalten, nassen Frühling, um die Ausbreitung der nur 5 mm großen Käfer, die aber 50 m hohe Bäume zu Fall zu bringen können, einzudämmen. „Aufgrund der Schadereignisse sind viele Nadelholzbestände aufgerissen und erwärmen sich durch ihr gestörtes Waldinnenklima inbesondere bei Trockenperioden im Frühjahr und Sommer stark“, erläutert Marco Lacks,. „Diese Bestände bieten Schädlingen wie zum Beispiel Borkenkäfern ausgezeichnete Vermehrungsmöglichkeiten.“

Lacks setzt auf präventive Maßnahmen der biologisch-technischen Schädlingsbekämpfung: den Vogel- und Fledermausschutz durch Nisthilfen zum Beispiel, die Förderung seltener Insektenarten, aber auch von Spechten durch das Belassen von Totholz in allen Waldbeständen sowie die Pflege der Waldameisen.

Naturnahe Forstwirtschaft

Sind Bäume befallen, müssen sie weg. Kalamitätshiebe heißt das in der Fachsprache. Lacks rechnet mit 500 Efm Fichtenholz unter den insgesamt veranschlagten 1408 Efm zu schlagenden Holzes. Hier machen Rotbuchen (394 Efm) den größten Anteil aus, gefolgt von Kiefern (270), Birken, Roteichen und Roterlen mit insgesamt 184 sowie Eichen mit 60 Efm.

2018 konnte die Stadt aus dem Holzverkauf immerhin 176.888 Euro einnehmen. In diesem Jahr sollen es lediglich 50.000 Euro sein. Die Personal- und Sachkosten für Holzeinschlag und Rückung belaufen sich auf fast 41.000 Euro.

Naturnahe Forstwirtschaft wird im Stadtwald großgeschrieben. Dass die Eschweiler Waldflächen nach den Qualitätskriterien und Richtlinien des PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) zertifiziert und bewirtschaftet sind, hat unter anderem zur Folge, dass hier eine Menge Handarbeit nötig ist. So wird zur Schonung der Waldböden grundsätzlich auf schweres Gerät wie Vollerntemaschinen verzichtet.

„Für den Eschweiler Stadtwald wird waldbaulich angestrebt, strukturreiche und naturnahe Wälder mit einer hohen Artenvielfalt zu entwickeln und zu erhalten, welche gleichermaßen nach ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten bewirtschaftet werden“, betont Marco Lacks. Dazu gehört auch die Umwandlung von Fichtenbeständen in stabile Mischwälder. Für das laufende Jahr sind allerdings nur Wiederaufforstungsmaßnahmen geplant,  dort, wo im vergangenen Jahr die Stürme in Fichtenbeständen für Kahlschlag sorgten. 11.310 junge Laub- und Nadelbäume wollen Lacks und sein Team dort pflanzen. Und 750 Fichten. Die aber sollen nur als Weihnachtsbäume für städtische Einrichtungen dienen.

Elektroschrott und Bauschutt aus dem Wald zu klauben gehört ebenso zu den Aufgaben des Forstteams wie die Unterhaltung von Parkplätzen und Wegen, Bänken und Schutzhütten, der Bau von Gattern, die Pflege der Streuobstwiesen und der Orchideenvorkommen,  das Bereitstellen von Birken für den Maitag und last not least das Pflanzen von Hochzeitsbäumen.

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